Mit über 40 Teilnehmergruppen schlängelte sich Sonntagnachmittag ein dem kurzen Fasching angemessener Gaudiwurm durch die Straßen von Sassanfahrt und Hirschaid: Seine Tollität, Prinz Sebastian II., und ihre Lieblichkeit, Prinzessin Elena II., sowie ihr kunterbuntes Gefolge werden von einer nach Tausenden zählenden Narrenschar frohgemut bejubelt und beklatscht. Es regnet nur Süßigkeiten und die Sonne blinzelt milde vom nebulösen Februarhimmel.

Tatsächlich haben sich wieder etliche Freibiergesichter unter das Publikum gemischt und sie werden nicht enttäuscht: Da und dort gibt es Gratisproben heimischer Braukunst en passent, dazu Hochprozentiges aus dem kleinen Löschgerät und dank des 50-jährigen Bestehens der Metzgerei Böhm kommt sogar das fast vergessene Wurstschnappen zu neuen Ehren. Wer davon nicht genug hat: mindestens dreimal ist Conchita Wurst zu sehen - auch wenn man noch ganz nüchtern ist.


Ein vielstimmiges "Häschaad Helau!" begleitet die Garden, Musikkapellen, die zahlreichen Fußgruppen und ein paar Festwägen durch die Dorfstraßen. Groß und klein klaubt sich Tüten voll Bonbons und Snacks von der Straße; der eine oder andere grabscht freilich auch bloß einen Spülschwamm.


Bürgermeister als Gämaaflitzer

Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. So präsentiert der Marktgemeinderat den Bürgermeister Klaus Homann (CSU) als Gämaaflitzer im übertragenen Sinn: Nachdem das Gemeindeoberhaupt schon zweimal als Temposünder ertappt worden ist, plakatiert sein Aufsichtsgremium: "Ob Auto, E-Car oder Laster, bei uns zohlt aa der Bürgermaster". Manchmal leistet er auch ein gutes Werk und vermittelt dem Amtskollegen Lukasz Jastrzembski aus der polnischen Partnergemeinde Lesnica ein Feuerwehrauto aus Hirschaider Restbeständen: Wirklich nicht gestohlen, und dennoch schon in Polen.

Doch Hirschaid hat eigentlich nichts zu verschenken. Deshalb lautete die Warnung: "Weil es in uns'rer Kassa brennt, holn wir von euch den letzten Cent!" Prompt mischt sich Klaus Homann als Cop unters Volk und schmeichelt sich mit allerlei Naschwerk ein. Der Knüppel am enggeschnallten Gürtel ist gleichwohl nicht zu übersehen. Zu Hilfe kommt dem Police officer bei der Verkehrsüberwachung der Schutzmann im Eselskarren oder berittene Polizei: Zu irgendetwas muss der Hirschaider Schilderwald doch nütze sein.

Der schlagzeilenträchtige Kater Karl schart die Gespenster des Sassanfahrter Schlosses um sich und gibt eine große Runde aus: Johannisbeergeist, Kirschgeist, Klosterfrau Melissengeist ... Solche Geister will man gar nicht mehr loswerden. Sie machen das alte Gemäuer richtig sympathisch, als Sparbüchse und Renommierstückla.
Der Stammtisch Häschaadä Löwen jammert am laufenden Meter über sein Jubiläum. "25 Jahre is ne lange Zeit - net im Zoo, aber in Hirschaid". Ja wer sich wie ein Löwe in den Käfig sperren lässt und seine schnuckeligen Dompteusen vernachlässigt, der kann zwar brüllen wie ein wildes Tier, aber fetziger wird es mit ihr.

Überhaupt: Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind auch im Häschaadä Fasching ein Dauerbrenner. Der Bauer sucht eine Dirndlfrau in Gummistiefeln, wilde Wichtel träumen vom Kinderschokoladenland, die Queckenbelzer-Airline vom OGV Regnitzau landet als hinreißendes Geschwader blauer Stewardessen, die Hustentruppe fährt kreischend Achterbahn und die Newcomers versprechen: Singen ist Gold!

Mit Dollars um sich werfen, das kann die A-Jugend, die jetzt tief unten in der Regnitzau den Bohrinselbau betreibt. Ihr Motto: "Dem Scheich vom Deichselbach sei Dank, dass man jetzt so billig tankt." Gleich fühlt der junge Kicker sich als Wüstensohn. Ab nach Quadar.

Als Sprengkommando bricht sich die Sassanfahrter Jugendfeuerwehr Bahn. Aber hups, die Jungs reißen die falsche, die "Renz"-Brücke ein, wo sie doch die Kanalbrücke mit dem stolzen Hirschen abbrechen wollten. Gut, dass der Gämaaflitzer "Hobb nei, hobb naus" schnell noch seine Stadtrundfahrt an der Mauer von Klein-Berlin vorbei zu Ende bringen kann, denn in Sassanfahrt ist gewissermaßen Matthäus am Letzten: keiner da, der mehr die Leviten liest. "In Süsslfohr hälts kaner aus, etz sucht euch an vo dena aus!" Es folgt eine illustre Schar scheinbar würdiger Herren in Kutte, Talar und Ornat, begleitet von einer Damenriege in schwarzweißer Ganzkörperverhüllung. Doch, doch, die brauchen schon einen Super-Pfarrer, die Süsslfohrä. Sonst kommen sie alle in die Hölle.