Die Antworten auf die Frage sind immerhin vorhersehbar: Nein, es gibt keine Möglichkeit, das Wetter längerfristig vorherzusagen. Das ist immer ein Blick in die Glaskugel. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Fest steht schon jetzt, kaum dass der Herbst 2020 im Kalender und in freier Wildbahn begonnen hat: Der Winter 2020/21 wird zum ersten Mal seit langem ein "Normalo" sein, eher noch unterkühlt.

Woher man das weiß? Aus dem Taschenrechner. Denn mit dem Jahr 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung beim Wetter/Klima. 2020, so ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, liegt die Referenzperiode für langfristige Vergleiche zwischen 1981 und 2010. In dieser Zeit ist es in Deutschland deutlich wärmer geworden. Mit dem neuen Jahr verschiebt sich der Vergleichszeitraum in die milden Jahre 1991 bis 2020. Ein etwas zu warmer ist damit künftig also ein ganz normaler Winter ... mal schauen!

Die Jacken kommen aus dem Schrank

Aber gut. Jetzt ist erst einmal Herbst, und da hilft alle Rechnerei nichts: In den nächsten Tagen ist der September-Sommer Schnee von gestern, und dies in den Alpen buchstäblich: Da kommt oberhalb von 1200 Metern dass, was unten als Regen fällt, als erster Wintergruß herunter.

Schuld ist das Hoch "Manfred", das sich Richtung Osteuropa verabschiedet, wie der Diplom-Meteorologe Marco Manitta vom Deutschen Wetterdienst formuliert. Damit haben erstmals seit Wochen Tiefdruckgebiet wieder freie Bahn Richtung Mitteleuropa.

Endlich wieder einmal Regen

Für die Natur ist es ein Segen: In den meisten Regionen wird es mehr oder weniger ergiebig regnen. In Franken wird es am heutigen Mittwoch und am Donnerstag erste Schauer geben, am Freitag dann vermutlich ohne längere Pausen regnen. Samstag, Sonntag und Montag sind ebenfalls verregnet bei immer weiter sinkenden Temperaturen. Am Montag werden die Höchstwerte wohl nur noch mit Mühe zweistellig. Ein Temperatursturz um fast 20 Grad!

Wie es dann mit dem Herbst weitergeht, ist zumindest nach den Vorhersagen des amerikanischen Wetterdienstes NOAA eindeutig: Er soll völlig normal ausfallen, ohne große Abweichungen nach unten oder nach oben. Bemerkenswert bei dieser Aussage ist, dass die NOAA das Wetter im Frühjahr und Sommer 2020 schon Monate vorher relativ präzise beschrieben hat. Nach Jahren mit Extremen und ganz ohne Rechentricks also wieder einmal Otto-Normal-Monate? Möglich, aber nicht in Stein gemeißelt. Der Herbst, insbesondere der Oktober, ist reich an "Singularitäten", besonderen Wettererscheinungen, die mit einiger Regelmäßigkeit eintreffen.

Kaltstart in den goldenen Oktober?

Zwischen "goldener Oktober" und erstem Schnee ist alles drin, beschreibt Michael Hoffmann, der in Lichtenwald einen privaten Wetterdienst betreibt und detaillierte Prognosen für einzelne Monate und Jahreszeiten liefert (www.wetterprognose-wettervorhersage.de). Hoffmann sieht den September unterkühlt enden und auch einen Kaltstart in den Oktober. Beim Feiertags-Wochenende (3. Oktober) spreizen sich die Prognosen aber bereits sehr weit: Über Deutschland könnte sich ein neues Hoch aufbauen, was dann freundliches, aber frisches Wetter bedeuten könnte. Möglich ist aber auch eine Drehung der Luftströmung auf südliche Richtung; dann wird es zwar wieder deutlich milder, aber es bleibt eher unbeständig.

Die meisten Wettermodelle stimmen darin überein, dass die Rückkehr zu anhaltendem Hochdruckwetter wie in den letzten Wochen zu den unwahrscheinlichen Varianten gehört. Der Trend zeigt eher in Richtung des für Mitteleuropa typischen Westwetters; wechselhaft, mit einem Mix aus Regen und Sonne.

Der Winter-Hammer

Zum Thema weiße Weihnachten ist aktuell nichts Konkretes zu erfahren. Erwähnenswert sind beim Blick in die Glaskugel die Langfrist-Prognosen für die Monate Januar und Februar 2021. Da sehen die Modelle Abweichungen von der Norm um bis zu zwei Grad - nach der neuen Rechenmethode. Mit Blick auf den alten Referenzwert fällt der Winter um mehr als drei Grad zu warm aus. Da muss man schon "Winter" schreiben.