Als Peter Giehl und Gerhard Feller vor Kurzem der ewigen Stadt Rom einen Besuch abstatteten, erreichte die beiden Heuchelheimer ein Anruf aus ihrem Heimatort: Es wären nur acht Personen auf der Baustelle gewesen, bedauerte der Anrufer. "Normal ist die doppelte Zahl an Helfern", berichtet Giehl. Der Schlüsselfelder Stadtrat (Freie Wählergemeinschaft) legt beim Bau des Dorfgemeinschaftshauses ebenso eifrig Hand an wie die übrigen Einwohner des etwa 260 Einwohner zählenden Ortsteils der Stadt Schlüsselfeld.
Sie alle haben sich ein großes Ziel gesetzt: Zur Heuchelheimer Kirchweih im November soll der Umbau des alten Feuerwehrhauses zum Dorfgemeinschaftshaus fertig sein, zumindest soweit, dass darin Kirchweih gefeiert werden kann.

"Der Gedanke steht schon seit vielen Jahren im Raum", sagt Peter Giehl. Den Ausschlag habe letztendlich gegeben, dass im einzigen Wirtshaus des Dorfes seit drei Jahren keine Kirchweih mehr gefeiert wird. Diese Tradition wollten die Heuchelheimer aber nicht einfach so sterben lassen. Zudem gebe es im ganzen Dorf keinen Raum, in dem die Dorfgemeinschaft zusammenkommen könne. Die Jugend im Ort habe sich regelmäßig in einem Gartenhaus getroffen. "Wir haben eine sehr rührige Jugend", lobt Giehl. Die Dorfjugend habe in den letzten Jahren "notdürftig" im alten Feuerwehrhaus die Kirchweih auf die Beine gestellt. Das soll nun anders werden. Mit dem Segen der Schlüsselfelder Stadträte bekommt das in den 70er Jahren errichtete Feuerwehrhaus einen Anbau. In Fertigbauweise erstellt, war der Rohbau in kürzester Zeit errichtet. Darin sollen zwei Räume entstehen, die als Schulungsraum für die Feuerwehr und als Raum für die Dorfgemeinschaft genutzt werden können. Eine bewegliche Wand kann bei Bedarf zur Seite geschoben werden, so dass ein großer Raum entsteht. Im Altbau des Hauses werden eine Küche und die sanitären Anlagen untergebracht. Alles werde behindertengerecht ausgeführt, betont Peter Giehl.

Die Kosten - im Haushalt der Stadt Schlüsselfeld mit 300 000 Euro eingeplant - wollen die Heuchelheimer auf keinen Fall ausschöpfen. "Alles, was möglich ist, machen wir in Eigenleistung", sagt Giehl.
Dass es den Heuchelheimern sehr wichtig ist, der Stadt auch künftig nicht auf der Tasche zu liegen, macht der Stadtrat deutlich: "Wir wollen das Haus nicht von der Stadt unterhalten lassen, sondern den Unterhalt aus der eigenen Tasche bestreiten." Zu diesem Zweck wollen sich die ortsansässigen Vereine (der Kriegerverein, der Obst- und Gartenbauverein und die Feuerwehr) zu einem "Bürgerverein" zusammenschließen, der sich - praktisch als Dach über den Vereinen - um das Gemeinschaftshaus kümmert.

Überhaupt konnte nach Peter Giehls Worten der Anbau nur zustande gekommen, weil die örtlichen Vereine in bester Einigkeit zusammenstehen. Jeder habe sich bereit erklärt, den Bau nicht nur tatkräftig, sondern auch in barer Münze zu unterstützen. Das heißt, dass jeder der drei Vereine 10 000 Euro zur Verfügung gestellt hat, die auf Abruf bereitstehen. "Für Dinge, die das Budget der Stadt nicht vorsieht."