Kariert, getupft oder einfarbig? Eine nicht mehr ganz neue oder vielleicht eine, die immer zum Brotzeitmachen mitkommt? An der eigenen Tischdecke erkennt man sie, die Leute, die ihre Brotzeit von zu Hause auf den Keller oder in den Biergarten mitgebracht haben.

Ein Abendessen aus dem, was der Kühlschrank hergibt - grüner Salat, Nudelsalat, Fleischsalat, ein Stück Emmentaler, Wurst, Butter. Eingepackt wird, was da ist - oder weg muss. "Wir haben nicht extra was eingekauft", sagt Doreen Müller aus Stegaurach. Sie ist mit Lebensgefährten Michael Schramm und den beiden Kindern auf den Wilde-Rose-Keller nach Bamberg gekommen.

Zu Hause haben sie spontan entschieden, auf dem Keller Abendbrot zu essen. Also Kühlbox gepackt und ab ins Auto.

Immer mitgebrachte Brotzeit
Die Kühlbox ist bei Anton Hepple und seiner Familie ein Korb.

Die Bamberger kommen regelmäßig hierher - immer mit eigener Brotzeit. Für Hepple war die mitgebrachte Brotzeit völlig neu, als der gebürtige Schwabe vor 33 Jahren nach Bamberg zog.

"Wenn wir Besuch aus der Heimat da haben, ist dem diese Tradition völlig fremd." Hepple selbst möchte sie nicht mehr missen. Seine Frau, Bambergerin, hält es "schon immer so". Hat die Familie tatsächlich noch nie etwas zu Essen auf dem Keller gekauft? "Nein. Nur einmal haben wir den Senf vergessen", sagt Anton. Seine Tochter erinnert sich: "Und das Brot war mal leer."

Heute haben sie alles dabei, frisches Brot, frischer Fleischsalat, frischer Käse. Und dazu ein kühles Bier. Ob mitgebracht oder gekauft, so muss das sein, abends auf dem Keller.

Was dagegen nicht sein muss, sind riesige Tafeln, Buffets über mehrere Tische hinweg. Das findet Tobias Konrad, Schwiegersohn des Chefs vom Wilde-Rose-Keller.

"Manche haben kistenweise Essen dabei. Wenn dann noch Weinflaschen mitgebracht werden, hört's auf." Eigene Getränke sind auf keinem Keller erlaubt.

Und wer mit bestellter Pizza oder einem Döner ankommt, wird schief angeschaut. "Es gab in den 90er-Jahren mal eine Phase, aber das ist vorbei", sagt Markus Raupach. "Mit Brotzeitkultur hat das nichts zu tun." Raupach ist Autor und Gründer der Bierakademie Bamberg - und ausgebildeter Historiker.

Er weiß: die Tradition geht bis ins Mittelalter zurück, als sich das Brauhandwerk entwickelte. Damit das Bier später gelagert werden konnte, schlugen die Brauer Stollen in Berg- und Böschungshänge. Dort herrschten das ganze Jahr über kühle Temperaturen von acht bis zehn Grad.

 


Bäume zur Kühlung im Sommer
"Damit es im Sommer nicht zu heiß wurde, pflanzte man über den Kellern Schatten spendende Bäume auf den Hügeln", erklärt Raupach. "Später kamen die Brauer auf die Idee, dort auch gleich Bier auszuschenken."

Dadurch verloren allerdings die Gasthöfe in den Ortschaften Gäste. Also verfügte König Maximilian im Jahr 1812, dass die Bierkeller zwar ausschenken, aber keine Speisen verkaufen durften. Bereits ein paar Jahre später, 1825, wurde das baye rische Gewerberecht liberalisiert. Nun durften auch reine Schankbetriebe etwas zu Essen anbieten.

"Im Laufe der Zeit entwickelte sich Gastronomie auf den Kellern. Es gab aber immer Menschen, die ihre Brotzeit selbst mitgebracht haben", sagt Markus Raupach. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren sei das üblich gewesen.

 

 


Gutes und günstiges Essen
Im Laufe der Zeit sei die Tradition etwas zurückgegangen, weil auf den meisten Kellern günstiges hausgemachtes Essen in guter Qualität angeboten werde. Doch Raupach ist sich sicher: "Es wird immer Leute geben, die ihr Essen selbst mitbringen." - Sofern die Bierkeller dies erlauben.

Auf manchen Kellern darf man im gesamten Biergarten seine mitgebrachte Brotzeit verzehren, auf anderen gibt es ausgewiesene Bereiche, erkennbar etwa an Biertischgarnituren oder Schildern.
Falls man sich nicht ganz sicher ist, ob die eigene Brotzeit erlaubt ist, kann man nachfragen. Oder einfach Ausschau halten - nach Leuten, die gerade eine Tischdecke ausbreiten.

 

 


Hier dürfen Sie Ihre Brotzeit mitbringen:

Stadt Bamberg Spezialkeller,
Wilde-Rose-Keller

Landkreis Bamberg
Altendorf Backstahäusla, Egglofsteiner Hof
Amlingstadt Ausflugslokal Almrauschhütte
Ampferbach Herrmann's Keller, Maxkeller
Appendorf Brauerei Mazour-Fössel "Zum Välta"
Bischberg Schuhmann's Keller
Burgebrach Schwanakeller
Buttenheim Löwenbräukeller, St.

 

Georgenbräu-Keller
Dörfleins Waldschänke Rabenhorst
Drosendorf Brauerei Gasthof Göller, Kropfeld Keller
Erlau Erlauer Biergarten (Walsdorf-Erlau)
Geisfeld Regnitzaler Alm
Gunzendorf Felsenkeller Senftenberg (Buttenheim-Gunzendorf)
Hirschaid Häschaadä Keller
Huppendorf Brauerei-Gaststätte Grasser
Meedensdorf Gasthaus Hoh
Memmelsdorf Höhnskeller
Merkendorf Brauerei Wagner, Hummels Keller, Brauerei Hummel
Mönchsambach Brauerei- Gasthof Zehendner
Mühlendorf Mühlenbräu-Keller
Mürsbach Sonnenbräu Mürsbach
Oberhaid Kraft-Keller
Pettstadt Schrauder-Keller
Rattelsdorf Obere Mühle
Reckendorf Reckendorfer Schlossgarten (Schlossbräu)
Reundorf Gasthaus Dotterweich
Roßdorf am Forst Roßdorfer Felsenkeller, Brauerei Sauer
Schammelsdorf Brauerei Knoblach
Schederndorf Brauerei Will
Schlüsselfeld Scheubel-Keller
Schönbrunn Bähr-Keller
Steinfeld Hübner Bräu
Strullendorf Schwanenbräu-Keller
Tiefenellern Brauerei Hönig (Zur Post)
Weiher Brauerei-Gastwirtschaft Kundmüller (Viereth-Trunstadt)
Wernsdorf Sauers Felsenkeller
Wiesengiech Gasthaus Ger ner und Stöcklein
Zapfendorf Gasthof Drei Kronen (kein Anspruch auf Vollständigkeit der Liste)

Quelle: "Frankens schönste Bierkeller und Biergärten" von M. Raupach & B. Böttner, FT Buchverlag