Die Erzdiözese Bamberg unterhält acht Schulen in Bamberg, Nürnberg und im Landkreis Ansbach und sei wegen der damit verbundenen Verpflichtungen außer Stande, auch noch das Theresianum zu übernehmen, sagt Harry Luck, der Pressesprecher der Erzdiözese Bamberg, auf Infranken.de.

Erzbischof Ludwig Schick steht laut Luck aber einem neuen "Spitzentreffen", das die Bamberger Bürgermeister in Sachen Theresianum initiieren wollen, aufgeschlossen gegenüber. Er teilte mit: "Das Erzbistum hat sich bisher an allen Gesprächen über die Zukunft des Theresianums beteiligt und wird dies auch tun, wenn es dazu weitere Gesprächen gibt."

Infranken.de: Kann es sich das Erzbistum Bamberg angesichts des herrschenden Priestermangels leisten, das Theresianum zu verlieren? Weit über 200 Männer haben von dort den Weg eines Weltpriesters oder Ordensgeistlichen angetreten.
Harry Luck: Die Schließung des Theresianums ist zu bedauern, gerade auch mit Blick auf die vielen späteren Priester, die in den zurückliegenden Jahrzehnten dort gelernt haben. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren aber deutlich zurückgegangen. Das Theresianum hat für die Gewinnung von geistlichen Berufen nicht mehr die Bedeutung, die es früher mal hatte. Das hängt auch damit zusammen, dass es heute viel mehr Möglichkeiten gibt, das Abitur zu machen.

Bedeutender als der zweite Bildungsweg ist für geistliche Berufe inzwischen der dritte Bildungsweg: Er ermöglicht Kandidaten mit abgeschlossener Berufsausbildung zwar kein staatliches, aber ein kirchlich eingerichtetes Theologiestudium in Lantershofen (Bistum Trier), ohne dass das Abitur nachgemacht werden muss.

Zwei Dutzend Bamberger Neupriester der letzten drei Jahrzehnte kamen auf diesem Weg zur Weihe, viel mehr als über das Theresianum. Spätberufenen-Einrichtungen waren im Übrigen immer schon überdiözesan strukturiert und bedienten Interessenten auch aus anderen Diözesen. Die Schülerschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten fundamental verändert, auch durch die Aufnahme von Mädchen.


Gibt es im Erzbistum Bamberg noch eine weitere, mit dem Theresianum oder dem früheren Knabenseminar Ottonianum vergleichbare Einrichtung für an geistlichen Berufen interessierte junge Männer?
Im Erzbistum Bamberg nicht. Es gibt in Bayern zwei weitere dem Theresianum vergleichbare Einrichtungen in Fockenfeld (Bistum Regensburg) und Waldram (München-Freising).


Wie viel Geld investiert die Erzdiözese für die acht Schulen in ihrer Trägerschaft?
Die laufenden Ausgaben (Betrieb, Personal etc.) liegen pro Jahr bei rund 1,5 Millionen Euro. Für Bau- und Sanierungsmaßnahmen werden (bei Betrachtung eines Zeitraums von 25 Jahren und unter Abzug von staatlichen Zuschüssen) pro Jahr durchschnittlich 2,6 Millionen Euro investiert. Insgesamt liegt der Aufwand des Erzbistums für die acht Schulen damit im Schnitt bei 4,1 Millionen Euro.

Allein die aktuellen Baumaßnahmen für die Maria-Ward-Schulen in Nürnberg und Bamberg sind mit über 80 Millionen Euro veranschlagt.


Unter welchen Umständen könnte sich die Bistumsleitung vorstellen, sich an der Trägerschaft für das Theresianum zu beteiligen?
Es sind ein Jahr lang intensive Gespräche über eine mögliche Übernahme der Trägerschaft geführt worden mit dem Ergebnis, dass aufgrund der bereits bestehenden Verpflichtungen des Erzbistums im schulischen Bereich keine weitere Trägerschaft übernommen werden kann. Die Zusage über die jährlichen Zuschüsse des Erzbistums zu den laufenden Kosten in Höhe von rund 190 000 Euro stand niemals in Frage. Diese Zuschüsse stünden auch bei der Übernahme durch einen anderen Träger zur Verfügung.