Die Bamberger Stadtwerke setzen verstärkt auf erneuerbare Energien . Geschäftsführer Michael Fiedeldey spricht im Hintergrund-Interview zu den Forderungen des Bund Naturschutz über Erfahrungen, Hindernisse und Chancen von Windkraft und Solarenergie .

Wie stehen die Stadtwerke zu einer Solarpflicht für Neubauten? Michael Fiedeldey: Wenn wir den Klimaschutz weiter voranbringen wollen, müssen wir die Energie künftig viel stärker regenerativ und dezentral erzeugen. Deshalb muss auch die Photovoltaik ausgebaut werden. Bei Neubauten bieten sich Solarmodule auf dem Dach sowieso an, weil es in den allermeisten Fällen für den Bauherrn auch wirtschaftlich interessant ist. Wir dürfen in der Diskussion allerdings nicht nur über Stromerzeugung reden, wir müssen auch den Wärmesektor im Blick haben!

Warum?Die Hälfte der Gesamtenergie wird fürs Heizen und Kühlen verbraucht. Das heißt, hier haben wir den größten Hebel. In der Gereuth planen wir ein neues Heizwerk für Resthölzer aus dem Stadtwald. Für die Quartiersversorgung denken wir über leistungsstarke Brennstoffzellen nach. Mit dem Wärmekonzept für Lagarde senken wir die CO2-Emissionen um 80 Prozent.

Die Stadtwerke bieten auch Besitzern von Bestandsgebäuden an, Dächer nachträglich mit Photovoltaik auszustatten. Wie läuft dieses Geschäft ab? Entweder pachten wir die Dachfläche vom Kunden und errichten dort auf unsere Kosten eine PV-Anlage. Oder wir errichten die Anlage auf dem Dach und verpachten sie an den Kunden . Das ist bei Gewerbe- und auch Wohngebäuden möglich. Die Nachfrage aus beiden Kundensegmenten ist höher als erwartet.

Die Errichtung von Windkraftanlagen ist komplizierter?Das ist richtig, zumal die so genannte 10H-Regelung den Windkraftausbau in Bayern quasi unmöglich macht. Es gibt zwar Möglichkeiten über die Bauleitplanung , hier fehlt es aber oft an Akzeptanz in der Bevölkerung . Die Stadtwerke investieren deshalb außerhalb Bayerns, zuletzt in einen Windpark im Saarland. Und wir kaufen bestehende Windräder , beispielsweise in Sassendorf, die nach Auslaufen der gesetzlichen Förderung für die Eigentümer nicht mehr so interessant sind.

Was empfehlen Sie Kommunen, die über nicht bebaute Windvorranggebiete verfügen? Wenn sich Windräder unter den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lassen, hat das Vorteile für die Kommune. Ich kann allen Kommunalpolitikern nur empfehlen, sich solche Chancen nicht entgehen zu lassen und das Thema aktiv anzugehen. Gemeinsam mit den Bürgern . Denn die Einbindung der Bürger ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Stadtwerke stehen als Partner gerne zur Seite.makl