Ungewöhnlich für eine Stadtratssitzung: Schon nach kurzer Zeit war der Zuschauerraum bis auf den letzten Platz besetzt. Drei Stunden vor dem Sandkerwa-Anstich wollten zahlreiche Bamberger wissen, wie die Stadtspitze debattiert - über eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber mit geringer Bleibe-Chance.

Nach dem Willen des Freistaats Bayern sollen bis zu 1500 Flüchtlinge in Gebäuden auf der ehemaligen "Flynn-Housing-Area" untergebracht werden, für eine Dauer von zehn Jahren. Vor allem daran, dass in die Einrichtung Menschen aus dem West-Balkan einziehen sollen, entsponnen sich Diskussionen.

Die Wortgefechte zwischen den Politikern blieben nicht aus, das Publikum äußerte dazu zunächst Unmut oder Zustimmung - bis es von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) darauf hingewiesen wurde, dass dies "unsere Geschäftsordnung nicht vorsieht."

Sehr wohl erlaubt diese Redebeiträge der Fraktionen. Helmut Müller (CSU) etwa sprach von einem "Mega-Thema" in der Stadt. Sie brauche das Signal, dass es nicht nur für die Asylbewerber zügig voran gehe auf dem ehemaligen Gelände der US Army, sondern auch für die Bamberger.


Fassungslosigkeit über Kommentare

Klaus Stieringer (SPD) zeigte sich teilweise "fassungslos über die Oberflächlichkeit, Naivität und Dummheit mancher Kommentare und Zuschriften" aus den vergangenen Tagen. Er betonte: "Niemand wird weniger haben, weil wir Flüchtlingen helfen."Die SPD halte es für einleuchtend, dass durch eine spezialisierte Erstaufnahmeeinrichtung vor allem jenen Flüchtlingen besser geholfen werden könne, "die aus Kriegsgebieten zu uns kommen."
Dass in die Häuser in Bamberg Flüchtlinge aus den westlichen Balkanstaaten einziehen sollen, dazu gibt es in der Bürgerschaft laut Dieter Weinsheimer (FW) durchaus geteilte Meinungen. Seine Fraktion werde diesen "sichtbaren Ausdruck" verleihen und mit "nein" stimmen. "Wir müssen auch mal ein Zeichen setzen, dass in Bamberg nicht immer alles mit ,ja‘ durch gewunken wird."

Es bliebt nicht die einzige Gegenstimme: Auch Norbert Tscherner (BBB) lehnte ab, dazu habe man sich nach langer Diskussion in der Fraktion entschieden. "Wir können das Asylproblem nicht lösen, hier ist die große Politik gefordert."

Der dritte im Bunde war Michael Bosch (BR). Ein Thema mit solch enormer sozialpolitischer Bedeutung müsse besser mit den Bürgern besprochen werden. Er selbst könne nach so kurzer Zeit gar keine Entscheidung treffen.
Für seinen Stadtrats-Kollegen Pankraz Deuber (BUB) war dagegen klar: Es sei besser, jetzt die vorhandenen Gebäude zu nutzen, als Zelte und im Winter Turnhallen.


Flüchtlinge aller Nationen

Für die Grünen stimmte Ursula Sowa nach anfänglichem Zögern ebenfalls zu: Der Wunsch ihrer Fraktion, Flüchtlinge aus allen Nationen aufzunehmen und jedem Menschen einen "individuellen Wohnbereich" von mindestens sieben Quadratmetern zuzugestehen, wird in einem Appell der Stadtverwaltung an die Staatsregierung aufgenommen. Auch Punkte aus einem Antrag der SPD, etwa ein Erschließungskonzept oder die medizinische Versorgung, fanden ihren Niederschlag.

Wie geht es nun weiter? Der Freistaat hat sich verpflichtet, sozusagen als Gegenleistung den Konversionsprozess zu unterstützen. Bis zum 1. Februar 2016 sollen die ersten Wohnungen der "Pines-Housing-Area" auf den Mietmarkt gelangen. Das Datum für den Erwerb der gesamten Konversionsliegenschaft ist der 31. Januar 2016. Was noch passiert: Die Stadt will ein eigenes Kommunikationskonzept schaffen, um die Öffentlichkeit zu informieren.