In Polizeibegleitung hat das städtische Ordnungsamt am Freitag den Zirkus besucht, der sein Zelt am Berliner Ring, Ecke Zeppelinstraße, aufgeschlagen hat. Aber nicht etwa, um sich in der für 16 Uhr angekündigten Premiere das "internationale Spitzenprogramm" anzusehen, von dem in der Pressemitteilung des "Moskauer Circus" die Rede ist. Im Gegenteil: Die Behördenvertreter kamen Stunden vorher und sie brachten einen sogenannten Untersagungsbescheid mit.


Zelt bleibt zu

Es handelt sich um ein Papier, mit dem die Stadt dem Unternehmen verboten hat, seine ab Freitag geplanten Vorstellungen durchzuführen. So gab es weder die für gestern Nachmittag vorgesehene Premiere im blau-gelben Zelt, noch darf die Manege am Samstag oder Sonntag für das Publikum geöffnet werden.

Ob der "Moskauer Circus" im Lauf der kommenden Woche überhaupt auftreten darf - er wollte bis einschließlich 30. Oktober täglich Vorstellungen geben -, erschien am Freitag mehr als fraglich.

Die Verantwortlichen wollen sich zwar angeblich im Nachhinein um die fehlenden Genehmigungen bemühen. Das sagte eine Mitarbeiterin des Zirkusunternehmens am Freitag im Interview mit "Radio Bamberg". Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Stadt das Gastspiel genehmigen wird.


Bamberg derzeit ohne Zirkusplatz

Denn: Bamberg hat zur Zeit gar keinen Volksfest- oder Zirkusplatz. Deshalb gibt es heuer auch keinen Plärrer parallel zur Herbstmesse, die seit einer Woche auf dem Maxplatz stattfindet. Das bedeutet zugleich, sagt Ulrike Siebenhaar von der Rathaus-Pressestelle, dass das Zirkus-Gastspiel abgelehnt worden wäre, wenn sich der Direktor rechtzeitig um die Genehmigung bemüht hätte. Um den Vorschriften zu genügen, hätte der Antrag eine Woche vor der Ortspremiere gestellt werden müssen.

Nach Auskunft der städtischen Pressesprecherin hat sich der Zirkus aber an der nordöstlichen Stadteinfahrt "einfach hingestellt und aufgebaut". Und zwar an einer Stelle, wo es laut Siebenhaar weder einen Rettungsweg noch Parkplätze für Besucher gibt: an der Einmündung der Zeppelinstraße in den Berliner Ring. Zelt, Kasse und mehr stünden auf einem privat angemieteten Grundstück; darüber hinaus nutze der Zirkus angrenzende öffentliche Flächen. Auch das sei ohne Genehmigung erfolgt.

Seitens des Ordnungsamts führt man weitere Punkte auf, die zum Untersagungsbescheid geführt haben: Das Gelände sei für diesen Zweck völlig ungeeignet und das Zelt nicht bauordnungsrechtlich abgenommen worden.

Die Plakate, mit denen der Zirkus sein Kommen angekündigt hatte, sollen "wild" und zunächst ohne Tourdaten aufgehängt worden sein. So sei nicht ersichtlich gewesen, wann und wo und ob überhaupt das Gastspiel stattfinde.

Siebenhaar sagt, sie wolle dem "Moskauer Circus" nichts unterstellen. Es wäre aber nicht das erste Zirkusunternehmen, das zu Beginn der kalten Jahreszeit seine Zelte in einer Gemeinde aufschlägt und dann über den Winter bleibt - mit der Begründung, dass das Geld zum Weiterreisen fehlt.

Ähnliches hat im "Radio Bamberg"-Interview die Sprecherin des Zirkus' angedeutet: Dürfe man in Bamberg nicht auftreten, habe man keine Einnahmen und kein Geld, um an einen anderen Ort zu ziehen.