Ohne Zweifel hat die gegenwärtige Pandemie die Radl-Intensität im Landkreis immens erhöht. Dass aber dieses Hobby auch schon in der Vor-Corona-Zeit von vielen Naturfreunden und Fitnessaktiven gepflegt wurde, beweisen unsere vier Protagonisten im Alter von 16 bis 73 Jahren, allesamt keine Fahrer, die von Wettkampf zu Wettkampf eilen und um Platzierungen kämpfen.

Ganz im Gegenteil: Alle vier wollen die Landschaft genießen und suchen aber dabei auch die sportliche Herausforderung. Dabei empfinden sie Landkreis-Grenzen nicht als Hindernis und genießen auch in Richtung Ebermannstadt, Forchheim, Höchstadt und Staffelstein das Naturerlebnis. Letztlich spielt es keine Rolle, ob jemand eine derart erfolgreiche Vita wie Johannes Knab, der an drei Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen (Mexiko 1968/München 1972) teilnahm, vorweisen kann, der Spaß an der Rad-Freude ist bei einem Schüler genauso groß. Und ob jemand auf Mountainbike oder Rennrad setzt, hängt von der persönlichen Vorliebe ab.

Die zurückgelegten Kilometer bzw. bewältigten Höhenmeter gewinnen noch mehr an Gewicht, da die Fahrer sich allesamt auf ihre Muskelkraft verlassen und nicht in Kategorie "Schönwetter-Fahrer" passen.

"Je nach körperlicher Verfassung bin ich zwischen 50 und 120 Kilometer unterwegs"

Johannes Knab (Hallstadt, 73 Jahre):

Von Kindesbeinen an gehört die Liebe des einstigen Olympioniken (1968, 1972) dem Radfahren, ob tagtäglich zur Schule, zur Lehre und über 30 Jahre zur Arbeitsstelle (Amt für ländliche Entwicklung) oder als erfolgreicher Radsportler. Das Ende der Karriere 1973 änderte an der Leidenschaft nichts, der Mai 2020 ist das beste Indiz: 1 400 Kilometer! "Je nach körperlicher Verfassung bin ich zwischen 50 und 120 Kilometer unterwegs. Natürlich nicht mehr leistungsorientiert, nur aus Spaß an der Freude, einfach die Landschaft genießen, entweder alleine oder mit einem Trainingspartner oder Ex-Arbeitskollegen", fasst er, der meist einen 30er-Schnitt fährt und keine App braucht ("habe die Touren im Kopf"), zusammen. Seine Lieblingstour führt ins Obermaintal: Über Breitengüßbach, Ebensfeld, Prächting (den Staffelberg im Blick), Reundorf, Hausen, Unnersdorf, dann mit zwei, drei Varianten zurück nach Hallstadt. Seine Rad-Lebensleistung (teilweise 35 000 Kilometer im Jahr) liegt sicherlich nicht weit von einer Million entfernt.bwa

"Beim Radfahren werden die Sprunggelenke nicht extrem belastet"

Wolfgang Förtsch (Gunzendorf, 57 Jahre):

Seit 15 Jahren ist der Industrieelektroniker, der zwei Mountainbikes sein Eigen nennt, mit dem Rad unterwegs.

"Ich fahre meist mit einer Gruppe, selten allein, wenn dann meist kurze Touren. Mit Ausnahme der Wintermonate sind wir zweimal wöchentlich unterwegs", beschreibt Förtsch, der "körperlich bedingt" vom Fußball auf Radsport umgestiegen ist.

Viele Verletzungen zwangen dazu: "Beim Radfahren werden die Sprunggelenke nicht extrem belastet!" So schaffen Förtsch und Co. bei einer Zwei-Drei-Stunden-Tour schon einmal 1000 Höhenmeter.

Seine Lieblingstour führt durch die Landkreise Bamberg und Forchheim: Von Gunzendorf über Weigelshofen nach Kauernhofen - Rettern - Reifenberg - Niedermirsberg - Eschlipp - Kalteneggolsfeld - Stackendorf - zurück Gunzendorf; macht 40 Kilometer.

Der anschließende Einkehrschwung am Senftenberg und Umgebung sei hernach ein "Pflichttermin". bwa

"Es ist reizvoller und anspruchsvoller, als nur einfach so am Kanal zu fahren"

Luca Wagner (Strullendorf, 16 Jahre):

Überwiegend mit Freunden frönt der Jugendliche seinem Hobby Mountainbiking seit fünf Jahren. "Es ist reizvoller und anspruchsvoller, als nur einfach so am Kanal zu fahren. Man muss sich echt konzentrieren und auch bei Rennen - wie in Oberleinleiter - die richtige Linie erwischen", betont der Enduro-Fahrer, der auch seit Jahren tagtäglich zur Schule nach Hirschaid fährt und dabei stolze 1800 Kilometer pro Jahr zurücklegt. Dazu kommt ein Tausender auf seinen (Wald)-Touren, die er auch mittels einer App bewältigt. Nicht notwendig ist diese bei seiner Lieblingstour, die er "blind" kennt: Durch den Strullendorfer Tiergarten Wald nach Friesen, zur Warte und zurück über Wernsdorf; meist in gut 90 Minuten. Er sammelte auch in Bike Parks und auf Festivals wie dem Glemm-Ride in Saalbach überregionale Erfahrung. Sein Ziel: Die Liga "Enduro One"!bwa

"Ich will mich fit halten und draußen in der Natur sein"

Jutta Werthmann (Hirschaid, 60 Jahre): Was die Flugbegleiterin mit dem Rad zurücklegen kann, erledigt sie mit ihrem Mountainbike oder Rennrad, so gehört die Strecke Hirschaid - Bamberg (am Kanal entlang, Hain) zu ihrer Hauptroute. "Ich will mich fit halten und draußen in der Natur sein. Ich bin keine Sportskanone und mache auch keine Wettkämpfe", gibt sich die wetterfeste Ganzjahres-Fahrerin bescheiden. Seit über 30 Jahren ist sie mit dem Rad unterwegs, von Jahr zu Jahr wird es immer mehr.

Im letzten Jahr sage und schreibe 6 000 Kilometer, darunter viele Rundfahrten im Landkreis ("bis zu 80 Kilometer") und natürlich ihre Lieblingsroute: Hirschaid - Seußling - Willersdorf - Adelsdorf kurz vor Höchstadt Richtung Saltendorf nach Pommersfelden - Herrnsdorf - Röbersdorf - und zurück nach Hirschaid: Das sind am Ende gute 40 Kilometer. bwa