Im Grunde genommen kann es jeden treffen, der von seinem Chef zum Fußball oder Basketball eingeladen wird: Man freut sich über aufregende Momente in der Loge, über das Catering und die ungewöhnlichen Einblicke in eine Sportarena - wer denkt da schon an das Finanzamt?

Tatsache ist: Besucht ein Arbeitnehmer ein Spiel auf Einladung seiner Firma, muss der Mitarbeiter unter Umständen Steuern bezahlen. Oder laden Unternehmen Geschäftspartner in VIP-Logen ein, müssten die Beschenkten das der Finanzbehörde melden. Im Kern scheint es auch das zu sein, was im Zusammenhang mit dem deutschen Basketball-Meister Brose Baskets derzeit geprüft wird.

Der Bayerische Rundfunk hat es in dieser Woche gemeldet: Bei dem Verein sollen im Zuge einer Steuerfahndung Unterlagen der Franken 1st GmbH sichergestellt worden sein, Geschäftsführer Wolfgang Heyder spricht dagegen von einer üblichen Betriebsprüfung.


Wem entsteht ein Vorteil?

Im Fokus der Prüfung sollen jedoch weniger die Brose Baskets stehen, als vielmehr die Sponsoren, die VIP-Tickets vom Verein erhalten haben. Ist dadurch ein steuerlicher Vorteil entstanden, muss das dem Finanzamt gemeldet werden. Nur, wem kann ein Vorteil entstehen?

Grundsätzlich gilt: Erhält jemand Karten für ein Sportereignis, spielt meistens auch das Finanzamt mit. Das regelt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums, das kurz vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zur "steuerlichen Behandlung von Aufwendungen für VIP-Logen in Sportstätten" aufgesetzt wurde.

"Der steuerliche Vorteil liegt immer bei dem, der eingeladen worden ist", erklärt Roland Ismer, Professor für Steuerrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg. Letztlich hat also der Mensch, der die Leistung empfängt, für die Versteuerung zu sorgen. Ausnahme: Ein Arbeitnehmer fällt unter eine Freigrenze, die bei 44 Euro liegt. Für Unternehmen entsteht allerdings das Problem, dass auch sie jede Ausgabe und Einnahme steuerlich erklären müssen. Wenn also ein Sponsor einem Fußballverein 10 000 Euro überweist, wirbt der Verein im Gegenzug mit dem Namen der Firma auf dem Trikot. Der Sponsor kann den Geldbetrag steuerlich absetzen. Bekommt er zusätzlich VIP-Karten, müssen diese wieder als Einnahmen verbucht werden - das mindert den steuerlichen Vorteil zunächst.

Meistens behalten die Unternehmen die Karten aber nicht, sondern geben sie weiter. Ob dies wieder als Betriebsausgabe verbucht werden kann, hängt stark von demjenigen ab, der ins Stadion geht. Ist das also ein Arbeitnehmer, ein Geschäftspartner oder ein privater Bekannter, der sich in der VIP-Loge bei einem Spiel vergnügen will?

Privater Besuch ist steuerpflichtig

Fakt ist: Vom Unternehmer privat genutzte VIP-Karten als Betriebsausgaben auszuweisen ist illegal. Wird die Karte an Geschäftspartner oder Arbeitnehmer weitergegeben, muss der "geldwerte Vorteil" laut Experte Ismer von demjenigen versteuert werden, der den privaten Spaß beim Basketball- oder Fußballspiel hatte. Da bleibt der Torjubel im Hals stecken. Am besten nimmt man zum nächsten Spiel den Steuerberater mit.