Markus Pflaum ist seit Jahren das sportliche Aushängeschild der Bamberger Schiedsrichtergruppe. Der 42-Jährige war schon in der 2. Bundesliga als Linienrichter im Einsatz, leitete Partien in der 3. Liga und pfeift in dieser Saison in der Regionalliga Bayern.

Gerade bei seinen Einsätzen im Profigeschäft ist er mit den zwei elementaren technischen Schiri-Hilfsmitteln in der heutigen Zeit in Berührung gekommen: Headset und Funkfahne. Jedoch hält er diese nicht in allen Klassen für sinnvoll.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Spiel als Schiedsrichter erinnern?

Markus Pflaum: Das ist lange her. Das war - soweit ich mich erinnere - ein Jugendspiel in Reckendorf. Ich war selbst einer, der gegenüber dem Schiedsrichter nie den Mund halten konnte. Das war dann eine ganz andere Geschichte, als man auf der anderen Seite stand.

Technische Hilfsmittel waren damals wahrscheinlich noch kein Thema.

Abgesehen von Fußballschuhen gab es keine Hilfsmittel. (lacht)

Wann sind Sie zum ersten Mal damit in Berührung gekommen?

Das erste technische Hilfsmittel waren die Funkfahnen. Die haben einen Knopf, der ein Funksignal auslöst und an einen Kasten am Oberarm des Schiedsrichters sendet. Der vibriert und gibt einen Pfeifton ab.

Wann genau drückt der Linienrichter diesen Knopf?

Das hängt von der Absprache des Schiedsrichtergespanns ab. Es gibt Situationen, wie bei gelben oder roten Karten, wo der Linienrichter so durch bestimmte Signale kurz seine Einschätzung weitergeben kann - wenn man nicht über Headsets verbunden ist.

Sie haben es angesprochen: Die Headsets gehören in den Profiligen mittlerweile zur Grundausstattung. Wie genau unterstützen die?

Ich bin ja noch in diese Headset-Generation hineingewachsen und war am Anfang sehr, sehr skeptisch. Mittlerweile ist das eine perfekte Geschichte: Man kann sich verbal austauschen - gerade bei Foulspielen, die der Schiedsrichter bei der Spielgeschwindigkeit vielleicht nicht so genau wahrnehmen kann. Zum Beispiel, wo genau der Treffer war, ob oberhalb oder unterhalb des Knöchels. Man muss aber sagen, dass ein Schiedsrichtergespann mindestens eine halbe Saison braucht, um damit miteinander richtig arbeiten zu können. Es geht da um kurze, prägnante Hinweise.

Gehen wir doch eine Beispielsituation durch: Der Linienrichter beobachtet ein Foulspiel. Was passiert dann?

Ohne Headset wird das Foulspiel mit der Fahne angezeigt und dabei der Signalton ausgelöst. Ganz unspektakulär. Mit Headsets kann schon zuvor die Wahrnehmung mitgeteilt werden: Was hat man gesehen? War es ein Tritt, ein Halten? Der Schiedsrichter kann schnell antworten: "Für mich nicht." Dann kommt auch keine Fahne. Oder er sieht es genauso, dann wird es auch mit der Fahne angezeigt. Es wird mit dem Headset kurz abgestimmt, welche Entscheidung auf dem Platz getroffen wird.

Funkfahnen sind auch in den Amateurligen gängig. Der Verband stellt den Schiedsrichtern auf den unteren Ebenen frei, auch Headsets anzuschaffen und zu benutzen. Würden Sie dazu raten?

Es ist ein Hilfsmittel. In der ersten, zweiten und dritten Liga hat das Spiel in den vergangenen Jahren enorm an Geschwindigkeit gewonnen. Auch in der Regionalliga wird schnellerer Fußball gespielt. Alles, was darunter ist, ist aber mit der Fahne und durch Absprache im Team zu lösen. Für mich ist es befremdend, wenn in der Bezirksliga ein junges Gespann mit Headsets unterwegs ist. Wenn es dann zu Entscheidungen kommt, die vom Publikum nicht angenommen werden, gibt das auch mehr Kritik als ohne Headset.

Das klingt nicht restlos begeistert. Nutzen Sie selbst ein Headset, wenn Sie ein Spiel leiten?

In der Regionalliga trage ich es nicht. Wenn man bei Greuther Fürth II vor 50 Leuten pfeift, macht man sich dadurch nur unnötig angreifbar. Es wirkt einfach übertrieben.

Mittlerweile haben Schiedsrichter in Bayern die Möglichkeit, über das Smartphone Spielereignisse direkt in den elektronischen Spielbericht einzutragen. Befürworten Sie das oder sind Sie eher ein Freund des Notizblocks?

Wenn jemand damit umgehen kann und das zuverlässig funktioniert, dann ist das ein tolles Hilfsmittel. Wer sagt, er kommt mit der Technik so schnell nicht zurecht in Stresssituationen, der kann ja weiter auf den Block zurückgreifen. Für die junge Generation, die mit 13 oder 14 Jahren heute die Neulingslehrgänge macht, ist das leichter zu handhaben als für den 70-Jährigen, der es gewohnt ist, die Sachen auf den Block zu schreiben.

Welche Bereiche gibt es im Schiedsrichterwesen noch, wo technische Hilfsmittel eine Unterstützung wären?

Man sieht es ja jede Woche, Stichwort Videobeweis: Der ist in vielen Bereichen hilfreich, wie bei Notbremsen oder nicht gegebenen Toren. Damals in Hoffenheim hätte Felix Brych das gerne gehabt, glaube ich. (Anm. d. Red.: Am 18. Oktober 2013 beförderte Stefan Kießling für Leverkusen durch ein Loch im Außennetz den Ball ins Tor. Brych gab den Treffer trotzdem.) Das Problem ist jetzt aber noch, das zu justieren. Für den Amateursport ist das in dieser Form natürlich undenkbar. Aber vielleicht wird es mal die Möglichkeit geben, dass der Schiedsrichter über das Handy und das Material der Videokameras, die es an einigen Amateurplätzen gibt, schnell Situationen checken kann. Oder dass die Trainer das Recht haben, eine oder zwei Situationen nachzuschauen.

Wann hatten Sie zuletzt eine Situation, in der Sie sich den Videoassistenten gewünscht hätten?

Ob ich mir den gewünscht hätte, weiß ich nicht. (lacht) Aber es gibt immer die eine oder andere Situation, gerade bei Strafstößen, wo man denkt, das könnte man eigentlich noch mal überprüfen. Ob dann dabei die richtige Entscheidung rauskommt, wenn der Videoassistent da sitzt, ist eine andere Frage. Aber man sieht mittlerweile eben auch in der Regionalliga übers Fernsehen hinterher, ob man richtig oder falsch gelegen hat.

Das Gespräch führte unser

Redaktionsmitglied Jann Weckel.