Andrea Trinchieri, der Vulkan an der Seitenlinie bei den Brose Baskets, blieb für seine Verhältnisse relativ ruhig, als seine Mannschaft am letzten Sonntag im Dreier-Hagel der Ulmer schon im ersten Viertel unterzugehen schien: "Wir waren nicht gut, aber wenn eine Mannschaft acht Dreier trifft, darunter zwei von ihrem größten Spieler und drei aus zehn Metern, dann muss man dem Gegner auch Respekt entgegenbringen. Klar hätten wir besser verteidigen können, aber die Ulmer haben in diesen zehn Minuten einfach hervorragend getroffen." Und zusammen mit seinen Jungs ist es dem Bamberger Trainer schnell gelungen, einen Weg zu finden, den 13:33-Rückstand wettzumachen. Das zweite Viertel gewannen die Bamberger 33:15 und am Ende die Partie mit 95:88. Wie schon zwei Tage zuvor beim 89:77-Heimsieg gegen die Artland Dragons unterstrichen die Bamberger ihre Qualität, nach deutlichen Rückständen zurückzukommen und Spiele für sich zu entscheiden.

Darauf angesprochen, dass seine Mannschaft von einer Konstanz über 40 Minuten weit entfernt ist, entgegnete der Italiener: "Wer schafft das schon? Wenn du so viele Spiele hast, ist es schwer, 40 Minuten die Partie zu kontrollieren. Das wurde am Sonntag auch im letzten Viertel in München deutlich. Alba führte 35 Minuten und hat am Ende verloren."

Blick geht nach vorn

Ganz entspannt blickt Trinchieri auf das letzte Heimspiel der Hauptrunde am Donnerstag (20 Uhr) gegen den Nachbarn aus Bayreuth. Das Derby birgt weder für das Medi-Team noch für die Brose Baskets Brisanz. Die Mannschaft von Trainer Mike Koch hat nach einem enttäuschenden Saisonverlauf mit vielen Verletzungen den Klassenerhalt in der Tasche. Und für den derzeitigen Spitzenreiter richtet sich der Blick schon nach vorn, denn am Sonntag (17 Uhr) wird in der Berliner o2-World im Nachholspiel des 24. Spieltags entschieden, wer das Rennen um den ersten Platz gewinnt.

"Wir hatten in den letzten Wochen viele Spiele und werden versuchen, die Minuten gut zu verteilen. Aber wir spielen zu Hause und wollen auf jeden Fall gewinnen. Teams, die nichts zu verlieren haben, sind immer gefährlich. Der Ball geht ihnen leicht von der Hand und leicht in den Korb. Für uns geht es darum, in diesem Spiel die Konzentration hochzuhalten", fordert Bambergs Coach.

Bayreuther Fanclub boykottiert das Oberfrankenderby

Der Fanclub Bayreuth Bats boykottiert übrigens das Derby, weil im letzten Jahr die Zusage der Bamberger, dass die Bayreuther auf einer eigenen Tribüne stehen würden, nicht eingehalten worden sei. "Die nachfolgende Beschwerde blieb unbeantwortet", teilte Vorstandsvorsitzender Karsten Wollschläger in einer Email Anfang der Woche mit.

"Am Sonntag folgt ein großes Spiel. Das Ziel ist, einem Team, das den besten Coach, den wertvollsten Spieler und den besten Defensiv-Akteur in seinen Reihen hat, Paroli zu bieten. So hat jedenfalls das Experten-Gremium entschieden. Sie sind also die absolut Besten. Aber wir werden uns zur Wehr setzen", betont Trinchieri, dem offensichtlich etwas aufgestoßen ist, dass seine Jungs bei den Auszeichnungen der Liga mit zweiten Plätzen vorliebnehmen mussten. Brad Wanamaker landete sowohl bei der zum MVP- als auch bei der Wahl zum besten Offensiv-Akteur auf Rang 2, Trevor Mbakwe wurde Zweiter bei den besten Abwehrspielern, und Scharfschütze Ryan Thompson wurde in die zweite Fünf der besten Akteure in der Hauptrunde gewählt.

Mentale Stärke gibt Ausschlag

Sind die Brose Baskets für die Play-offs gerüstet? "Das war eine lange Saison für uns, aber auch für die anderen. In den Play-offs ist die Anpassung an den Gegner und die mentale Stärke gefragt - nichts anderes. Nur wenn du in die Knie gehst, wird es schwierig. Aber wir sind nicht auf den Knien", betont Trinchieri, der darauf hofft, dass sich seine Jungs am Sonntag in Berlin Rang 1 sichern.

Gibt es einen Wunschgegner für das Viertelfinale? "Ja, ich hätte einen Gegner, auf den ich gerne treffen würde. Aber ich verrate ihn nicht. Ich halte es mit Konfuzius: Ich sitze am Ufer des Flusses und warte bis die Leichen meiner Feinde vorbeischwimmen", antwortet der Italiener mit den Worten des chinesischen Philosophen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Brose Baskets, Michael Stoschek, blickt den kommenden Aufgaben nach dem Umbruch vor Beginn der Serie zuversichtlich entgegen: "Wir sind viel schneller an einen sehr guten Tabellenplatz gekommen, als wir gedacht haben. Jetzt müssen wir das nur zu Ende bringen. Doch da bin ich ganz zuversichtlich."