Sechs Jahre nach der Pleite des FC Eintracht Bamberg scheint dessen mittlerweile ebenfalls hochverschuldeter Nachfolgeverein FC Eintracht Bamberg 2010 dem "Vereinstod" doch noch entgehen zu können. Im Gegensatz zum Vorgänger, dessen Insolvenzantrag damals mangels Masse abgelehnt wurde, wird ein Insolvenzverfahren für den FC Eintracht 2010 eröffnet.

Dies ist ein wichtiger Schritt zum möglichen Erhalt und einer Sanierung des Fußball-Bayernligisten, der aufgrund eines Schuldenbergs von 440 000 Euro Ende März einen Insolvenzantrag gestellt hatte.

"Mit einem Insolvenzplan kann der Verein einen Weg aus der Krise vorschlagen, über den die Gläubiger in einer gemeinsammen Versammlung abstimmen", erklärte der vom Amtsgericht bestellte Gutachter Volker Böhm von der Anwaltskanzlei Schultze & Braun.
Der Fachjurist aus Nürnberg wird nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wohl auch als Insolvenzverwalter die Geschicke des FC Eintracht 2010 lenken. "Der Vorteil ist, dass bei einer Sanierung mittels Insolvenzplan der Verein als Rechtsträger erhalten bleibt - und damit auch die Spielgenehmigungen", meinte Böhm.

Der FC Eintracht 2010 war in den letzten Wochen fieberhaft auf der Suche nach 80 000 Euro. Diese Summe war nötig, um einerseits den Spielbetrieb bis Saisonende aufrechtzuerhalten und andererseits die für das Insolvenzverfahren anfallenden Kosten stemmen zu können. Mehrere Unterstützer hätten nun zugesichert, dafür die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. "Ich bin darüber sehr glücklich, denn die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist genau das, was wir erreichen wollten", sagte Jörg Schmalfuß. Der Interimsvorsitzende steht seit dem Rücktritt von Mathias Zeck an der Spitze des Bayernligisten und arbeitet fieberhaft an der Rettung des Vereins. Der 30 Jahre alte Sportökonom erklärte, dass einige Privatpersonen, die dem Verein nahe stünden, "teilweise hohe vierstellige Beträge" zur Verfügung gestellt hätten. Der Rest der benötigten 80 000 Euro sei aus dem bisherigen Sponsorenpool geflossen.

Voraussichtlich zum 31. Mai wird das Insolvenzverfahren nach Angaben von Schmalfuß eröffnet. Darauf hätten sich alle Beteiligten verständigt. Auch der Bayerische Fußball-Verband sitze mit im Boot. Denn vom Zeitpunkt hängt auch verbandsjuristisch einiges ab. So bleiben die Punkte der ersten Mannschaft auf jeden Fall in der Wertung, da die Bayernliga-Saison mit dem 34. Spieltag am 21. Mai zu Ende geht. Vom Tabellenplatz unabhängig steht der FCE aber als Verein in Insolvenz als sportlicher Absteiger fest. Allerdings könnte es sein, dass das Team von Trainer Petr Skarabela noch ein Relegationsspiel bestreiten muss, wenn es nach dem letzten Spieltag nicht den letzten Tabellenplatz einnimmt. Derzeit sind die Bamberger (29 Punkte) mit zwei Zählern Vorsprung vor dem Schlusslicht VfL Frohnlach, bei dem sie heute antreten, Drittletzter.

Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, beginnt für den Insolvenzverwalter sowie die Vereinsführung der nächste steinige Abschnitt auf dem Weg zu einer Entschuldung und einem dauerhaften Erhalt des Vereins. Der Insolvenzverwalter muss mittels des Insolvenzplans die Gläubiger dazu bewegen, auf einen hohen Teil ihrer Ansprüche zu verzichten. Laut Schmalfuß liegt die Zahl der Gläubiger bei rund 30, wobei der Verein zur Hälfte des Schuldenbetrags bei Finanzamt und Sozialkassen in der Kreide stehe.

"Natürlich ist es schwierig, Privatpersonen davon zu überzeugen, dass sie durch das Insolvenzverfahren auf Geld verzichten müssen. Das ist sehr bedauerlich, aber nun mal nicht zu vermeiden, zumal die neue Vereinsführung das nicht zu verantworten hat", sagte der Interimsvorsitzende, der in Absprache mit Gutachter Böhm bereits an der Finanzierung der kommenden Saison für alle Abteilungen des Vereins arbeitet. In dieser will der FCE mit einer Mannschaft in der Landesliga Nordwest an den Start gehen. Schmalfuß: "Voraussetzung für eine Umsetzung des Plans ist, dass uns unsere Sponsoren treu bleiben. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass der Wille dafür vorhanden ist."