Egal, ob die Brose Baskets ein schweres oder ein leichtes Spiel haben, einer schwitzt immer: "Freaky", das plüschige Maskottchen. Kein Wunder, Freaky kommt ja nicht mal bei einer Auszeit zum Durchschnaufen. High-Five hier, Radschlagen dort, ein paar Dribblings mit dem Ball und Dreier-Versuche, Flirten mit dem Dance Team, auf Tuchfühlung mit den Fans - und das alles im dicken Pelz. Da muss die körpereigene Klimaanlage Schwerstarbeit leisten.

Vor allem in der Play-off-Zeit, also im Sommer, herrschen im Kostüm Zustände wie in der Sauna. Auch die Tatsache, dass das Dach der Bamberger Arena vor einigen Jahren gedämmt wurde, und sich die so genannte "Frankenhölle" bei Sonnenschein nicht mehr so schnell in einen Brutkasten verwandelt wie früher, hilft wenig. "Wenn ich nach zwei Stunden aus dem dicken Fell schlüpfe, bin ich tropfnass", erzählt Benjamin, der seit 2011 das weiße Jersey mit der Rückennummer 99 samt Fell trägt - drunter nur Shorts und T-Shirt. Zwei Liter Wasser zum Ausgleich trinkt er während eines Spiels, wenn nicht mehr.

Man muss ein echter Fan sein

Ein Praktikum brachte den angehenden Sportökonomen zu den Bamberger Basketballern, die damals mit marketing-strategischen Straßen-Aktionen vor allem in Studentenkreisen Aufmerksamkeit erregen wollten und jemanden brauchten, der Freaky mimt. "Offenbar bin ich da gut angekommen und deshalb dann auch bei den Spielen zum Einsatz gekommen", sagt der Mitt-Zwanziger aus dem Landkreis Bamberg, der sich den Freaky-Job mit seinem Studienkollegen und Mitbewohner Michael teilt.

Ein bis zwei Einsätze fliegt jeder der jungen Männer pro Woche als tierischer Anheizer, der neben Akrobatik, Showtalent und Unterhaltungswert auch eine gewisse Ernsthaftigkeit mitbringen muss. "Viele können sich das nicht vorstellen, aber was wir machen, ist wirklich anstrengend. Man muss Spaß daran haben und echter Fan sein, um dabeizubleiben", erklärt Benjamin, der eigentlich vom Ringen kommt und Basketball erst als Freaky für sich entdeckte. Dafür genießt er auch die Vorteile - ist ganz nah dran am Team und sitzt bei den Spielen in der ersten Reihe. Zwar ist er gezwungen, ständig den Kopf zu drehen, um das Geschehen zu verfolgen, weil die Sehschlitze im Bärenkopf nur eine eingeschränkte Sicht ermöglichen, "doch daran gewöhnt man sich schnell".
Ärgerlicher ist es, wenn Freaky aus dem gleichen Grund ein Kind übersieht, das mit dem Maskottchen abklatschen will. "Das kommt ab und zu vor, ist aber keine Absicht", versichert der Student.

Ein weiterer Nachteil des Kostüms könnten die Schuhe werden - vor allem im Falle einer Meisterfeier. "Die haben leider überhaupt kein Profil. Da muss ich höllisch aufpassen", erklärt Benjamin. Eine Sektpfütze könnte den Hallenboden für ihn in Glatteis verwandeln. Ansonsten ist er mit seiner zweiten Haut aber zufrieden. "Es ist bequem, man bleibt beweglich und bekommt gut Luft. Andere Maskottchen haben es da schwerer."

Der Kommissar geht um

Freaky hat keinen festgelegten Show-Fahrplan, agiert meist spontan - dann aber mit vollem Körpereinsatz. "Manchmal studieren wir etwas mit dem Dance Team ein oder machen etwas Ausgefallenes, wie mit dem Fahrrad in die Halle zu fahren." Aber abgesehen von den Marketing-Aktionen wie dem WWK-Ball, die einem festen Schema unterliegen, geschieht das meiste aus dem Bauch heraus. Nach vier Jahren weiß Benjamin jedoch genau, wann und was er machen kann. Da wird ein Kind im Publikum mit der Pranke gekitzelt, einem Fan die Fahne gemopst, um einen gegnerischen Freiwerfer zu irritieren, selbst die Pompoms der Tänzerinnen sind vor Freaky nicht sicher.

Ab und zu kann sich der Bamberger Bär sogar einen Spaß mit den Schiedsrichtern erlauben, doch wenn er über das Ziel hinausschießt, tritt der Kommissar auf den Plan, der den technisch einwandfreien Ablauf einer Partie überwacht. Alles, was nach Unsportlichkeit riecht, könnte eine Geldstrafe für den Verein nach sich ziehen, "und dann handle ich mir auch mal einen Rüffel von oben ein. Aber das passiert halt im Eifer des Gefechts", berichtet Benjamin. Und Freaky sollte seinem Namen schließlich gerecht werden.