"Tanit" hieß das Sturmtief, das am Freitagabend des 11. April 2008 mit heftigem Wind und Regen über Nürnberg hinwegzog. Dumm nur, dass ausgerechnet just zu dem Zeitpunkt, als die Wetterkapriolen kurz vor ihrem Höhepunkt standen, im Frankenstadion das Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem Club und dem VfL Wolfsburg ausgetragen werden sollte.

Fünf Minuten vor dem Anpfiff ging über dem fränkischen WM-Stadion ein kräftiger Wolkenbruch ab. Es goss wie aus Kübeln, nach etwa 20 Minuten hatten sich auf dem Rasen zahllose riesige Pfützen gebildet. Die Profis hatten von Minute zu Minute mehr mit den widrigen Verhältnissen als mit dem Gegner zu tun. Pässe und Schüsse auf das Tor blieben in den Pfützen hängen, Erinnerungen an die Wasserschlacht zwischen Deutschland und Polen bei der WM 1974 in Frankfurt/Main wurden wach.

"Wenn es für uns nicht um so viel gegangen wäre, hatte das Spiel auch eine Gaudi sein können, denn solche Platzverhältnisse erlebst du als Fußballer nicht oft. Aber wir steckten mitten im Abstiegskampf und brauchten die Punkte aus diesem Spiel dringend, deshalb war der Spaßfaktor für uns eher gering", erinnert sich Andreas Wolf. Der heute 38-Jährige, der in seiner Profikarriere 173 Spiele für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga und der 2. Liga bestritt, stand damals als Innenverteidiger in der Startformation des Clubs. In die Partie gegen die siebtplatzierten Wolfsburger waren die Franken als Tabellen-Vorletzter gegangen. Sie trennten aber nur zwei Punkte vom ersten Nichtabstiegsplatz.

Saenko schießt den Club in Führung

Und der Club war an diesem Abend auf gutem Weg, den Sprung aus der Abstiegszone zu schaffen. Die widrigen Platzverhältnisse verhalfen ihm zur 1:0-Führung. Am Strafraum-Eck hielt Stürmer Ivan Saenko in der 35. Minute einfach mal drauf - und dem Schweizer Nationaltorwart Diego Benaglio flutschte der glitschige Ball nach dem Schuss des Russen im Nürnberger Team durch die Finger. Kurz zuvor hatte Wolf nach einem Foul an Edin Dzeko die Gelbe Karte gesehen. "Ich weiß zwar nicht mehr, warum. Aber ich glaube nicht, dass die schlechten Platzverhältnisse damit zu tun hatten. Ich war eben kein Kind von Traurigkeit", sagt der frühere Innenverteidiger, der keinem Zweikampf aus dem Weg ging, lachend.

Nach einer 45-minütigen Schlammschlacht, bei der auch Sturmböen Werbebanden zum Umkippen brachte und auf das Spielfeld blies, schickte Schiedsrichter Jürgen Drees beide Mannschaften zur Pause in die Kabine. Die zweite Halbzeit pfiff er nicht mehr an.

Der Unparteiische gab dem Stadionteam um Rasenmeister Conny Vester zunächst eine dreiviertel Stunde Zeit, um das Spielfeld von den Pfützen zu befreien. Mit Harken, Schiebern und sogar Bier-Tischen und -Bänken schippten die Helfer das Wasser vom Rasen. Zudem wurden Löcher gebohrt, um es im Boden versickern zu lassen. Auch eine motorisierte Wasserwalze kam zum Einsatz. Drees telefonierte unterdessen mit dem örtlichen Wetteramt, das aber keine Entwarnung gab. Weitere Regenwolken waren im Anmarsch. Der Schiedsrichter entschied sich um 22.16 Uhr daraufhin , das um 20.30 Uhr angepfiffene Spiel abzubrechen.

Sehr zum Unmut der Nürnberger und deren Anhänger. "Natürlich wollten wir weiterspielen. Aufgrund der Platzverhältnisse hatten wir uns gute Chancen ausgerechnet, das Spiel gegen die favorisierten Wolfsburger zu gewinnen", sagt Wolf. Er gibt aber auch zu: "Es waren irreguläre Bedingungen. Wir haben zwar versucht, uns im Kabinengang irgendwie warmzuhalten. Aber es hat ja nicht aufgehört zu regnen. Es war absehbar, dass nicht weitergespielt werden konnte."

Trainer und Fans sind sauer

Der Club-Anhang sah das aber anders. Mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten die 35 000 Zuschauer den Spielabbruch. Thomas von Heesen war ebenfalls sauer. Der Ex-Profi sah sich um den ersten Heimsieg als Club-Trainer gebracht. "Wenn wir nach der Pause ganz normal weitergespielt hätten, wären wir jetzt durch", schimpfte von Heesen, der im Februar 2008 Nachfolger von Hans Meyer geworden war, nach dem Abbruch.

Am Tag nach dem großen Regen schien über dem Frankenstadion wieder die Sonne. Genauso wie eine Woche später beim Wiederholungsspiel, das beim Stand von 0:0 neu angepfiffen wurde. Auch da ging der Club in Führung, diesmal aber erst in der 79. Minute. Der tschechische Nationalspieler Jan Koller, der beim Regenspiel noch auf der Ersatzbank geschmort hatte, schoss die Franken nach Zuspiel von Tomas Galasek in Führung. Der knappe Vorsprung hatte bis zum Schlusspfiff Bestand. Der Club jubelte über den ersten Heimsieg seit dem 9. Dezember 2007 und darüber, dass er den Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf zwei Punkte verkürzt hatte.

Siebter Abstieg in die 2. Liga

Den Sprung ans rettende Ufer sollten die Nürnberger aber nicht mehr schaffen. Im Jahr nach dem überraschenden DFB-Pokaltriumph stiegen sie in die 2. Liga ab - zum insgesamt siebten Mal in der Vereinsgeschichte.

Kuriose Spielabbrüche in der Fußball-Bundesliga

Ein Spiel dauert 90 Minuten - diese Fußball-Weisheit gab einst Bundestrainer Sepp Herberger zum Besten. Manchmal wird aber auch schon vorher abgepfiffen. Nämlich dann, wenn ein Spiel abgebrochen werden muss. Und das passierte in der Bundesligageschichte acht Mal. Schuld daran war meist das Wetter. Hier eine Auswahl der kuriosesten Spielabbrüche.

7. Dezember 1963 Das erste Spiel, das in der Bundesliga abgebrochen werden musste, fand im Hamburger Volksparkstadion statt. Trotz einer dichten Nebeldecke pfiff der Schiedsrichter das Spiel gegen Borussia Dortmund an. Doch von Minute zu Minute wurde die Nebelsuppe dichter. Als der Schiedsrichter nicht einmal mehr seine Linienrichter sehen konnte, brach er das Spiel in der 61. Minute beim Stand von 1:2 ab. Das Wiederholungsspiel gewann der HSV mit 2:1.

3. April 1971 Als "Pfostenbruch vom Bökelberg" ging das Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen in die Geschichte ein. Der Bremer Torwart Günter Bernard verhedderte sich bei einer Parade im Tornetz. Als er sich am Netz hochziehen wollte, gab ein Pfosten nach, und das Tor brach in sich zusammen. Alle Versuche, es wieder aufzustellen, scheiterten. Die Partie wurde schließlich in der 88. Minute beim Stand von 1:1 abgebrochen. Die Wiederholung gewann Werder mit 2:0.

1. April 2011 Einen schlechten Aprilscherz erlaubten sich die Fans des FC St. Pauli im Heimspiel gegen Schalke 04. Beim Stand von 0:2 traf ein voller Bierbecher den Schiedsrichterassistenten im Nacken, woraufhin der Schiedsrichter das Spiel beendete. Bereits im Vorfeld wurden Feuerzeuge und Münzen auf das Spielfeld geworfen. Ein Wiederholungsspiel fand nicht statt, das Ergebnis 2:0 für Schalke wurde gewertet.