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Johan Roijakkers soll's richten

Der Niederländer wird neuer Trainer bei Brose Bamberg. Der 39-Jährige soll drei Jahre beim früheren Serienmeister wirken.
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Johan Roijakkers hat ab der kommenden Saison das sportliche Sagen bei Brose Bamberg. Foto: Daniel Löb
Johan Roijakkers hat ab der kommenden Saison das sportliche Sagen bei Brose Bamberg. Foto: Daniel Löb

Johannes Cornelius Maria Josef - kurz Johan - Roijakkers wird neuer Trainer von Brose Bamberg. Dies teilte der Basketball-Bundesligist am Mittwoch mit. Der 39-jährige Niederländer kommt von der BG Göttingen und unterschrieb einen Vertrag über eine Laufzeit von drei Jahren. Er folgt damit dem Belgier Roel Moors nach, der vergangene Woche mit seinem Assistenten Thomas Crab trotz laufenden Vertrages bis 2021 freigestellt wurde.

Fünf Kandidaten standen für die Moors-Nachfolge in der engeren Auswahl. "Den Ausschlag gab letztlich, dass Johan Roijakkers Erfahrung in der Bundesliga besitzt und Deutsch spricht", sagte Brose-Sportdirektor Leo de Rycke. "Er schaffte es zwar nie in die Play-offs, arbeitete aber stets mit einem niedrigen Budget", fügte De Rycke an, was angesichts des eingeschlagenen Brose-Sparkurses wohl ein mit ausschlaggebendes Auswahlkriterium gewesen sein dürfte. In Göttingen arbeitete Roijakkers seit 2012, stieg 2014 mit dem Verein aus der 2. Liga in die Bundesliga auf und schaffte stets den Verbleib im deutschen Oberhaus.

Suche nach neuer Identität

Der Niederländer wollte nicht auf die hohe Trainerfluktuation der vergangenen drei Jahre mit sechs Headcoaches eingehen. "Ich habe das gesehen", sagte Roijakkers in seinem bekannten deutsch-niederländisch-englischen Sprachen-Mischmasch. "Ich habe aber auch gesehen, dass Bamberg mit Chris Fleming und Andrea Trinchieri auch Kontinuität auf der Trainerposition bewiesen hat. Bamberg ist auf der Suche nach einer neuen Identität. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit und mit meinem Staff, den ich mitbringe, Bamberg eine Identität von Fanbindung, Leidenschaft und Niemals-Aufgeben verleihen kann und somit eine langfristige Zusammenarbeit gelingt."

Roijakkers möchte seine Assistenten aus Göttingen, Assistenztrainer Hylke van der Zweep und Julian Meier sowie Athletiktrainer und Teammanager Domenik Theodorou, mit nach Bamberg bringen, sagte er in der Video-Pressekonferenz. Details dazu sollen demnächst geklärt werden. Den Abschied des Trios hatte die BG Göttingen am Dienstag bereits verkündet.

Günthner und Bencardino offen

Über den Verbleib des bisherigen Brose-Assistenten Dominik Günthner und Athletiktrainer Sandro Bencardino gab es vom Geschäftsführer der Bamberger Basketball GmbH, Arne Dirks, keine konkreten Auskünfte. Man rede mit beiden.

Sowohl der gebürtige Bamberger Günthner (seit 2015) als auch der Italiener Bencardino (seit 2014) haben noch laufende Verträge und sind bis auf Individualtrainer Stefan Weissenböck die letzten Verbliebenen der Trainer-Ära Andrea Trinchieri. Keine weitere Zusammenarbeit wird es mit dem bisherigen Teammanager Ivan Djerman geben, dessen Vertrag zum Saisonende auslief.

"Brose Bamberg ist ein Traditionsverein mit einer tollen Arena und grandiosen Fans - oder wie man sagt - einfach ein geiler Verein", schwärmte Roijakkers gestern von seinem neuen Arbeitsort. Ziel für ihn sei es nun, Spieler zu finden, die zu den Fans passen, Leidenschaft und Emotionen zeigen. Das habe zuletzt gefehlt. "Mit der Verpflichtung von Christian Sengfelder im vergangenen Jahr hat der Verein schon den richtigen Weg eingeschlagen."

Erfolge könne man aber nicht nur mit Meisterschaften messen, philosophierte der 39-Jährige. "Jeder will Meister werden. Man kann auch Erfolg mit kleinen Schritten haben, wie etwa Spieler besser machen", sprach er über die Talente, die in Bamberg "rumlaufen".

Talente sollen bleiben

De Rycke bestätigte diesbezüglich den Verbleib von U18-Nationalspieler Elias Baggette (bisher in Baunach) und Kay Bruhnke, der aber wohl nach zweijähriger Verletzungspause verliehen werden und noch nicht gleich ins kalte Wasser Bundesliga geworfen werden soll. Ebenfalls in Bamberg sollen Moritz Plescher und Marvin Heckel, die beim Finalturnier in München zu Einsätzen kamen, gehalten werden.

Mit den anderen Talenten vom abgemeldeten Drittliga-Farmteam Baunach werden Gespräche geführt, betonte der Sportdirektor.

Ob Roijakkers auch Spieler aus seiner ehemaligen Göttinger Mannschaft mit nach Bamberg bringt, ließ er offen. "Bennet Hundt oder Dominic Lockhart sind Optionen. Aber es gibt in Deutschland auch andere Spieler, die das können", sagte er.

Er sei einer, der einen Klub liebt. "Ich komme nicht nach Bamberg als einer, der seinen nächsten Job sucht. Ich will auch hier nicht den Resetknopf drücke, sondern einen anderen, einen neuen Weg beginnen, mit neuer und positiver Energie."

Dass die Trennung von Moors und Crab Geld gekostet habe, bestätigte Geschäftsführer Dirks: "Dennoch haben wir uns entschieden, diesen Weg zu gehen. Die Entscheidung damals für Moors war vernünftig, doch hat es mit ihm nicht funktioniert."

De Rycke zitierte die Mechanismen, die im Sport herrschen: "Wenn das Resultat nicht passt, muss jeder Trainer gehen, ob er Trinchieri heißt oder Aito von Alba Berlin. Den negativen Trend konnte Moors leider nicht stoppen."

Einen Kommentar zur Lage bei Brose Bamberg lesen Sie hier

Zur Person Johan Roijakkers

Geboren am 15. September 1980 in Deume (Niederlande) Spielerkarriere Johan Roijakkers war Profi in den Niederlanden (Deurne und Eindhofen) und Belgien (Bree), Trainerkarriere Seine Laufbahn begann Roijakkers in Bree als Jugendcoach. Als Assistent des Männerteams wurde er mit 23 Jahren interimsmäßig zum Chef befördert. Auch für den belgischen Verband war Roijakkers als Jugendnationaltrainer tätig. Aus seiner Zeit in Belgien dürfte Sportdirektor Leo De Rycke den neuen Trainer sehr gut kennen. In der Saison 2010/11 war er beim NBA-Farmteam in Houston, den Rio Grande Valley Vipers, als Co-Trainer angestellt. In der Folgesaison wurde er beim slowakischen Klub Priedvidza Meister und Trainer des Jahres in der Slowakei. Mit diesen Referenzen wurde er 2012 von der BG Göttingen eingestellt.

Spielweise "Ich bin nicht auf ein System festgelegt", sagt Roijakkers, "es ist wichtig, jederzeit Anpassungen vornehmen zu können. Allerdings: die Verteidigung ist das zentrale Element. Offensiv muss jeder wissen, was der andere tut. Da geben wir den Spielern Freiheiten, damit sie sich entfalten können, wichtig gerade bei jungen Spielern".

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