Beide kennen sich bestens. Itoudis assistierte dem Serben 13 Jahre lang bei Panathinaikos Athen. Obradovic gewann zwischen 1999 und 2012 mit den Griechen alles, was es in Europa zu gewinnen gab, machte den Klub zu einer Dynastie im europäischen Basketball. Jetzt will ihm ausgerechnet sein ehemaliger Schüler im Finale ein Schnippchen schlagen.


Obradovic: "Wie ein kleiner Bruder"

Der erfolgreichste Basketball-Lehrer des Kontinents freut sich bereits auf das Aufeinandertreffen: "Wir haben ein sehr spezielles Verhältnis, waren 13 Jahre zusammen. Ich habe ihn nie als einen Assistenten behandelt. Er ist wie ein kleiner Bruder für mich. Natürlich freue ich mich für ihn, dass er mit seinem Team im Finale steht. Das ist keine Überraschung für mich, denn er arbeitet hart.
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Itoudis: Beim Spiel sind wir Profis

Auch der Grieche, übrigens Obradovic" Trauzeuge, macht aus seiner Bewunderung für seinen Lehrmeister keinen Hehl: "Wenn man die ganze Geschichte erzählen müsste, würde das zu lang dauern. Nach 13 Jahren gibt es viele Erinnerungen, viele Sachen, die wir teilen. Im Finale sind wir Profis und helfen unseren Teams, zu gewinnen. Wenn der Ball in die Luft geworfen wird, denkt keiner mehr darüber nach, was war."


Nationaler Auftrag für Fenerbahce

So sieht"s auch Coach Zeljko Obradovic, der sogar einen nationalen Auftrag für die Türkei im Finale sieht: "Das erste Mal in der türkischen Geschichte, steht ein Team im Finale der Euroleague. Nur darüber denke ich nach, nicht über persönliche Geschichten. Das ist nicht wichtig. Wichtig sind die Menschen, die hinter Fenerbahce stehen. Das sind rund 30 Milllionen Fans - ein unglaubliche Zahl. Wir haben das schon im Halbfinale gesehen und werden es im Endspiel sehen. Die dominierende Farbe wird gelb sein, das wird uns helfen."
Leicht angefressen reagierte Obradovic auf die Frage eines türkischen Journalisten, warum kein Türke im Halbfinale bei Fenerbahce auf dem Feld stand. "Erst einmal -Bobby Dixon ist türkischer Nationalspieler. Wir sind hier mit 15 Spielern, in der Saison hatte einer eine sehr wichtige Rolle. Wir sind aber hier, um das Beste herauszuholen und zu gewinnen, nicht um jemanden zufrieden zu stellen. Das Spiel mit einem anderen zu vergleichen, ist sinnlos. Ich versuche das Beste für das Team, egal welcher Spieler auf dem Feld steht."


Moskau stark, wenn Fans gegen das Team sind

Dem 45-jährigen Itoudis auf der Gegenseite ist klar, dass es ein Auswärtsspiel für sein Team wird, macht aber hier auf Understatement: "Klar wird Fenerbahce die Mehrheit der Fans auf seiner Seite haben. Aber unsere 1000 Fans werden alles geben. Wir hatten schon bei unseren Heimspielen zum Teil 10 000 Zuschauer. Wenn man weiß, dass Basketball in Russland nicht die Nummer 1 ist, ist das schon beachtlich. Auf der anderen Seite spielt mein Team immer gut, wenn es das Publikum gegen sich hat."
Wie ZSKA-Trainer Dimitris Itoudis seine Jungs motiviere, um fokussiert zu bleiben, meinte der smarte Grieche, der auch Doktor des Sport genannt wird: "Das sind zwei Aspekte. Die Mannschaft zu motivieren und ihnen zu erzählen, fokussiert zu bleiben. Zum ersten: Wer für dieses Spiel nicht motiviert ist, ist hier fehl am Platz. Ich glaube nicht, dass es eine Extra-Motivation braucht, um eine Finale der Euroleague zu spielen. Alle sind motiviert, höchst motiviert. Wir müssen die Emotionen kontrollieren und uns auf unseren Plan fokussieren. Psychologie und Taktik sind wichtig, aber das Spiel ist live, während des Spiels müssen wir Lösungen auf verschieden Situationen finden, agieren und reagieren zur selben Zeit.


Obradovic 16. Final Four

Sein Gegenüber, Zeljko Obradovic steht bereits zum 16. Mal als Trainer in einem Final Four, hat sechs verschiedene Klubs hierher gelotst, kann seinen neunten Titel als Head Coach gewinnen. Die Ehrfahrung spricht für Obradovic.
Sein Team ist auf den großen Positionen besser besetzt. Mit Ekpe Udoh, Jan Vesely und Pero Antic hat Obradovic starke Männer unter dem Korb, die aber nicht nur unter dem Brett, sondern auch von außen gefährlich sind.
Moskau stellt die klar besseren Guards mit Nando de Colo, Cory Higgins und Milos Teodosic, der bei seinem siebten Euroleague-Final-Four-Auftritt endlich seinen ersten Titel anstrebt.