Der 8. Januar 2016 ging als historischer Tag in die Erfolgsgeschichte der Brose Baskets ein: Mit dem triumphalen 96:63-Erfolg gegen Zalgiris Kaunas gelang dem deutschen Meister nach 21 vergeblichen Anläufen der erste Sieg im Euroleague-Top-16 überhaupt. Zudem beendeten die Bamberger die schwarze Serie gegen den litauischen Topklub nach zuvor acht - teils schmerzhaften - Pleiten. Wieder einmal ist die Partie am Freitag (18.45 Uhr) in der Basketball-Hauptstadt Litauens ein Schlüsselspiel für die Mannschaft von Andrea Trinchieri. Wollen die Brose Baskets weiter vom Viertelfinal-Einzug träumen, würde ein Erfolg "die Flamme am Lodern halten", betont Bambergs Erfolgstrainer, nachdem sich seine Jungs in der letzten Woche gegen Real Madrid trotz einer starken Leistung eine 86:90-Heimniederlage geleistet haben.

Mit drei Siegen und fünf Niederlagen rangieren die Brose Baskets derzeit auf Rang 6 in der Gruppe F - sind aber nur einen Sieg hinter Khimki Moskau und dem FC Barcelona (jeweils 4:4) zurück. Die Katalanen beanspruchen derzeit Platz 4, der zum Einzug in die Play-offs berechtigt, für sich.

"Wir müssen eine super solide Leistung abrufen. Kaunas spielt unter Saras (Anm. der Redaktion: Sarunas Jasikevicius) mit großem Selbstvertrauen, insbesondere vor heimischem Publikum", warnt Trinchieri vor dem Gruppen-Schlusslicht (1:7 Siege), das nach der Niederlage in Bamberg seinen Trainer Gintaras Krapikas entließ und die litauische Basketball-Legende Jasikevicius (u.a. vier Mal Euro-league-Sieger und Europameister) vom Assistenten zum Cheftrainer beförderte.


Aufbauspieler verpflichtet

Neben den routinierten Topwerfern Paulius Jankunas (11,7 Punkte im Schnitt) und Ian Vougioukas (11,4), dem Ex-Ulmer, warnt der Italiener aber auch vor den vielen Talenten im Team von Zalgiris. Außerdem hat Kaunas in Weltenbummler Jerome Randle, der zuletzt in Adelaide (Australien) im Einsatz war, einen neuen Aufbauspieler verpflichtet. Bei seinem Debüt in der heimischen Liga steuerte er gleich 19 Punkte, fünf Assists und fünf Rebounds zum 109:101-Auswärtssieg des Spitzenreiters beim Tabellenachten Pieno Zvaigzdes bei. Bei der 57:67-Niederlage im Pokalfinale gegen den großen Rivalen Lietuvos Rytas Vilnius eine Woche zuvor hatte Randle noch gefehlt.

"Wenn wir den nächsten Schritt gehen wollen, dann ist der Schlüssel dazu ein Sieg in Kaunas. Nikos Zisis, der schon öfters in Kaunas gespielt hat, erzählte mir, dass in der Zalgirio Arena immer eine tolle Atmosphäre herrscht und es schwer ist, dort zu bestehen. Aber so lange wir fokussiert sind und unser Spiel durchziehen, denke ich, besitzen wir eine gute Chance", hofft Bambergs Kapitän Brad Wanamaker in der 2011 eröffneten und über 15 000 Zuschauer fassenden größten Multifunktionshalle im Baltikum auf den vierten Bamberger Auswärtssieg in dieser Königsklassen-Saison.


Am Sonntag in Hagen gefordert

Sollte dieser gelingen, bleibt den Bambergern einmal mehr keine Zeit zum Feiern, denn bereits 42 Stunden nach der Schlusssirene in Kaunas steht am Sonntag (15 Uhr) die Bundesliga-Auswärtspartie bei Phoenix Hagen auf dem Programm. Die Feuervögel, die vor zwei Wochen einen 91:71-Heimsieg gegen Würzburg feierten und zuletzt in Oldenburg eine 86:103-Niederlage hinnehmen mussten, stehen derzeit auf Platz 11 und rechnen sich noch Chancen auf das Erreichen der Play-offs aus.

In der altehrwürdigen Ischeland-Halle sind die Hagener, die beim Hinspiel in Bamberg mit 63:93 unter die Räder gerieten, aufgrund ihres unorthodoxen Spielstils mit schnellen Würfen und ihrer lautstarken Fans nicht ungefährlich. Der Spitzenreiter darf sich deshalb trotz der Reisestrapazen keine Auszeiten gönnen, wenn die Serie von 14 Bundesliga-Siegen in Folge ausgebaut werden soll.

Pikantes Thema am Rande: Wolfgang Heyder, der lange Jahre erfolgreich die Geschicke des Bamberger Basketballs lenkte, sitzt seit Weihnachten im Aufsichtsrat von Phoenix Hagen und will neben seiner Haupttätigkeit als Manager des Handball-Zweitligisten HSC Coburg den Westfalen helfen, in Zukunft im Ruhrgebiet etwas Großes aufzubauen. Am Sonntag geben die Feuervögel zudem die Zusammenarbeit mit dem FC Schalke 04 bekannt.