Nur einen Sieg mehr als Medi Bayreuth haben die Bundesliga-Basketballer von Brose Bamberg in der Tabelle zu Buche stehen. Das ließe von der Papierform her für den Mittwochabend (20.30 Uhr, live bei Magenta-Sport) ein spannendes Oberfrankenderby erwarten.

Doch der Trend spricht eindeutig für die Bamberger, die im Dezember in der Bundesliga drei Siege bei nur zwei Niederlagen gegen die beiden deutschen Euroleague-Starter Alba Berlin und Bayern München feierten. Dazu kamen die beiden Erfolge gegen Karsiyaka in der Champions League.

Vier bittere Niederlagen für Medi

Bei den Bayreuthern folgten nach der unglücklichen 69:71-Heimniederlage gegen Berlin zum Dezemberbeginn ein 92:89-Sieg in Vechta und dann zwei bittere Wochen mit herben Pleiten gegen Braunschweig, Frankfurt, Würzburg und zuletzt zu Hause gegen das bis dato sieglose Schlusslicht Gießen. Gegen die vier nicht gerade als Topteams eingeschätzten Gegner kassierte die Truppe von Trainer Raoul Korner im Schnitt fast 100 Punkte. Allerdings erzielte das Team um Topscorer Frank Bartley (16,7 Punkte im Schnitt pro Spiel) auch rund 88 Zähler in diesen Begegnungen.

Doch was ist aus der Medi-Truppe, die zum Saisonstart im Pokal München noch mit 95:89 geschlagen hat, passiert? Nach der zweiwöchigen Corona-Quarantäne hat das Team um Kapitän Bastian Doreth seine Form nur phasenweise wiedergefunden. Ob ausgerechnet im Derby die Trendwende gelingt?

Galewski fühlt mit seinem Ex-Arbeitgeber

Brose-Geschäftsführer Philipp Galewski, der von 2014 bis 2017 in gleicher Funktion bei Medi Bayreuth tätig war, hofft das nicht. "Wobei ich nicht ausschließe, dass wir gegen die Bayreuther auch verlieren können. Doch hoffe ich, dass wir sie mit einer ordentlichen Packung nach Hause schicken. Danach können sie wieder gewinnen."

Der 34-Jährige fühlt ein wenig mit seinem ehemaligen Arbeitgeber. Galewski glaubt, dass die Ostoberfranken derzeit nur "einfach eine schlechte Phase durchlaufen. Raoul Korner ist ein guter Trainer, der bringt das Team wieder auf Vordermann." Man merke aber schon, dass auch in Bayreuth der Etat geschrumpft sei und die Mannschaft anfangs über ihren Möglichkeiten gespielt habe, meint der Brose-Geschäftsführer.

Medi Bayreuth trennt sich vor dem Derby von Woolridge

Vom Medi-Team aus dem Vorjahr hatte Korner lediglich die langfristig gebundenen Säulen Doreth und Andreas Seiferth übrig. Aus dem deutschen Guard Philip Jalalpoor und sechs neuen Ausländern muss Korner ein funktionierendes Kollektiv schaffen. Eine große Baustelle ist die Aufbauposition. Am Tag vor dem Derby trennten sich die Bayreuther von ihrem jungen US-Amerikaner Ryan Woolridge (24). "Wir haben bis zuletzt alles versucht, um Ryan ins Team zu integrieren. Das ist leider nicht gelungen, weshalb dieser Schritt die logische Konsequenz und gleichzeitig beste Lösung für alle Beteiligten ist", sagte Korner. Auch deshalb bekam Doreth kaum Pausen auf der Bank, weil ohne den Kapitän die Ordnung im Spiel verloren ging.

Bamberg liegt in Statistiken meist vorn

Der Blick auf die Teamstatistiken sieht die Bamberger in fast allen Kategorien vorn. Die Achillesferse der Gastgeber sind die Ballverluste. Im Schnitt 15,5 Mal werfen Bennet Hundt, Devon Hall & Co. im Spiel den Ball weg - zweitschlechtester Wert der Liga nach Chemnitz. Bayreuth erlaubt sich drei Turnovers weniger. Das Medi-Team hat nur noch bei der Freiwurfquote (82 Prozent, Bamberg 76) und den Offensivrebounds (9,3/8,8) die Nase vorn. Die Zahlen sprechen also für die Männer von Coach Johan Roijakkers.

Brose-Baustellen mit Larson und Odiase

Der Brose-Trainer muss weiter auf den verletzten Aufbauspieler Tyler Larson verzichten. Der Amerikaner fällt nach sechs Wochen Pause ab Januar zumindest dem Budget nicht mehr zu groß zur Last. "Falls sich sein Ausfall noch länger hinzieht, haben wir die Möglichkeit nachzujustieren und uns nach einer Nachverpflichtung umzusehen", sagt Galewski. Das gilt auch für Norense Odiase. Der 25-jährige Liga-Neuling aus den USA trete auf der Stelle und entwickle sich nicht so wie erwartet, so Galewski, der in Aussicht stellt, dass "im Januar noch was passieren wird. Wir sondieren den Spielermarkt."

Der Center nutzt seine Chancen, die er von Roijakkers bekommt, nur selten zu guten Leistungen. Galewski betont jedoch, dass ein Wechsel nur sinnvoll sei, wenn man sich auf der Position verbessere.