Nach neun Testpartien steht für die Bamberger Brose-Basketballer am Samstagnachmittag das erste Pflichtspiel der Saison an. Mit dem Duell gegen Ratiopharm Ulm fällt um 15 Uhr in der Weißenfelser Stadthalle der Startschuss zum dreiwöchigen Pokalwettbewerb, der der Bundesliga-Spielzeit 2020/21 vorgelagert wurde. Weitere Gegner der Bamberger in der Gruppe C sind am kommenden Wochenende - dann in Ulm - die MHP Riesen Ludwigsburg und s.Oliver Würzburg. Im Interview nimmt Trainer Johan Roijakkers Stellung zu den schwankenden Leitungen seines Teams in den Testspielen, zur Trennung von Gerry Blakes und seinen Zielen für den Pokalwettbewerb.

Was lief gut, was lief schlecht in der Vorbereitungsphase?

Johan Roijakkers: Wir müssen noch an allem arbeiten, im Moment spielen wir noch nicht unseren besten Basketball. Einige Spieler hatten eine lange Corona-Pause. Zudem gab es bei dem einen oder anderen kleinere Verletzungen. Daher haben wir uns nicht von Woche zu Woche gesteigert, sondern es ging etwas auf und ab. Die letzten beiden Spiele gegen Ostende haben wir auf beiden Seiten des Spielfelds aber richtig gut gespielt. Von daher bin ich eigentlich zufrieden, in welcher Verfassung die Mannschaft jetzt vor dem ersten Pflichtspiel ist. Es gibt keine größere Baustelle, an der wir dringend arbeiten müssten.

Die vielen Neuzugänge scheinen sich allmählich auf dem Feld zu finden. Nur bei Norense Odiase scheint noch die Bindung zu seinen Teamkollegen zu fehlen. Täuscht dieser Eindruck?

Das stimmt. Aber er war nach dem Spiel gegen Bayreuth für drei Wochen verletzt. Daher kann die Abstimmung mit seinen Teamkollegen noch gar nicht so gut sein. Aber ich habe in dieser Woche im Training gesehen, dass das richtig besser wird.

Sie haben mehrfach gesagt, es fehlt noch ein Anführer im Team. Das war schon in der Vorsaison ein großes Manko. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Vielleicht wird Tyler Larson ja noch ein echter Anführer. Aber ich denke, wir müssen das als Mannschaft lösen und dürfen das nicht auf einen Spieler abwälzen.

Das heißt, dass der Ersatz für Gerry Blakes nicht zwingend Leaderqualitäten mitbringen muss?

Das wäre zwar schön, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir so einen Spieler bekommen werden. Dafür können wir zu wenig zahlen.

Der Verein hat sich von Blakes getrennt, weil dieser sich nicht mit der Rolle, für die er vorgesehen war, identifizieren konnte. Hätte man das nicht schon vor seiner Verpflichtung abklären können?

Natürlich klärt man das im Vorfeld ab. Aber der Spieler hatte dann offenbar andere Vorstellungen, als er hier aus dem Flugzeug gestiegen ist. Das passiert manchmal. Wir wussten, dass Blakes der Spieler war, bei dem wir das größte Risiko eingegangen sind. Leider hat es nicht funktioniert.

Derzeit füllt Elias Lasisi als Trainingsgast die Lücke, die Blakes hinterlassen hat. Ist er eine Option für eine Dauerlösung?

Am Samstag wird er wie schon gegen Ostenende wieder für uns spielen. Für beide Seiten ist das eine Win-Win-Situation. Für uns ist es gut, dass wir einen hochmotivierten Spieler im Team haben. Für ihn ist es gut, dass er uns, aber auch anderen Vereinen, zeigen kann, was er drauf hat. Er ist auf jeden Fall eine Option für uns als Blakes-Ersatz.

Brose Bamberg spielt im Pokalwettbewerb in einer Gruppe mit Ulm, Ludwigsburg und Würzburg. Wie schätzen Sie die drei Gegner ein?

Ich habe mich bislang nur auf Ulm konzentriert, die anderen beiden Mannschaften habe ich noch nicht spielen sehen.

Und wie wollen Sie die Ulmer knacken?

Wenn man ihren Center Dylan Osetkowski nicht stoppt, wird es schwer, Ulm zu schlagen. Am Mittwoch im Eurocupspiel gegen Boulogne fand Osetkowski nicht ins Spiel, und prompt geriet Ulm in Schwierigkeiten und verlor die Partie. Die Ulmer haben aber auf jeden Fall den Vorteil, dass sie schon drei Pflichtspiele (im Eurocup; Anm. d. Red.) bestritten haben und wir noch keines. Daher gehen sie als Favorit ins Spiel. Zudem haben sie uns im ersten Testspiel, als sie komplett waren, klar geschlagen. Aber wir werden gut vorbereitet sein und wissen, was wir an beiden Seiten des Feldes machen müssen.

Welchen Stellenwert hat der Pokalwettbewerb für Brose Bamberg?

Einen großen. Es ist schön, dass wir uns in den nächsten drei Wochen ganz auf den Cup konzentrieren können. Wir wollen beim Final Four in München dabei sein, von daher ist die Aufgabe für uns sehr einfach: Wir sollten die nächsten drei Spiele gewinnen.

Der Basketball-Pokalwettbewerb

Teilnehmer: Den Pokalwettbewerb bestreiten 16 der 18 Bundesligamannschaften. Die Hamburg Towers als Letztplatzierter der im März abgebrochenen Bundesliga-Hauptrunde und die Niners Chemnitz als Aufsteiger dürfen nicht um den Cupsieg mitspielen. Vorrunde: Die 16 Teams sind in vier Gruppen aufgeteilt. Im Modus "Jeder gegen jeden" wird an vier Standorten, zwei im Norden und zwei im Süden, gespielt. Die vier Gruppensieger qualifizieren sich für das Top-Four-Turnier. Die Gruppe A (Telekom Baskets Bonn, EWE Baskets Oldenburg, Alba Berlin, Basketball-Löwen Braunschweig) spielt in Bonn, die Gruppe B (Rasta Vechta, Gießen 46ers, BG Göttingen, Frankfurt Skyliners) in Vechta, die Gruppe C (Ratiopharm Ulm, Brose Bamberg, MHP Riesen Ludwigsburg, s.Oliver Würzburg) in Weißenfels (1. Spieltag) und Ulm (2./3. Spieltag) und die Gruppe D (Mitteldeutscher BC, Crailsheim Merlins, Bayern München, Medi Bayreuth) in Weißenfels. Der 1. Spieltag: Samstag, 15 Uhr: Ulm - Bamberg; Samstag, 18 Uhr: Bonn - Oldenburg, Vechta - Gießen; Samstag, 20.30 Uhr: Weißenfels - Crailsheim; Sonntag, 15 Uhr: Ludwigsburg - Würzburg, Göttingen - Frankfurt; Sonntag, 18 Uhr: Braunschweig - Berlin; Sonntag, 20.30 Uhr: München - Bayreuth Top-Four-Turnier: Sonntag, 1. November (Halbfinale), und Montag, 2. November (Spiel um Platz 3 und Finale), im Münchner Audi-Dome