39 Minuten, 59 Sekunden und neun Zehntelsekunden lagen die Brose Baskets am Mittwoch in München nicht in Führung und feierten durch den Treffer von Dawan Robinson im allerletzten Moment in einer denkwürdigen Partie dennoch einen 80:78-Erfolg. Der Jubel bei den Bamberger war grenzenlos - ein Sekundenbruchteil veränderte die komplette Finalserie zwischen dem amtierenden Meister und dem Herausforderer gravierend. Hätten die Bayern gewonnen, hätten sie bereits am Sonntag (19 Uhr im Liveticker) in der Bamberger Frankenhölle im dritten Spiel der best-of-five-Serie die Titelverteidigung perfekt machen können. Nach diesem glücklichen Bamberger Erfolg wendete sich aber das Blatt: Die Brose Baskets sind nach der 73:84-Heimpleite in Spiel 1 mit dem Erfolg wieder mitten im Geschäft und können sich am Sonntag mit einem Erfolg in der Frankenhölle den ersten Matchball sichern.

"Fans haben an uns geglaubt"
"Die Nummer 1 im Land sind wir" und "nur noch zwei" Siege freuten sich die begeisterten Anhänger aus Freak City bereits auf die siebte Meisterfeier. "Wow - ich weiß selber nicht, wie der Film jetzt abgelaufen ist. Wir haben von Minute zu Minute, von Sekunde zu Sekunde den Rückstand abgebaut, an uns geglaubt. Der Coach hat an die Mannschaft geglaubt, die Fans auch. So stell' ich mir Basketball und so stell' ich mir Unterstützung vor. Super - vielen Dank dafür", atmete Geschäftsführer Rolf Beyer spürbar auf und bedankte sich bei den 300 mitgekommenen Fans, die im Audi Dome auch noch eine Viertelstunde nach der Schlusssirene mächtig Stimmung machten.
 
Interview: Michael Stoschek vom Erfolg der Brose Baskets überrascht

Zuvor sahen sie und die 6400 Unterstützer aus München eine Partie mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten: Vor der Pause dominierten Djedovic & Co. eindeutig, lagen aber "nur" mit 49:35 vorn. Die Bamberger präsentierten sich an beiden Enden des Feldes desolat und ergaben sich beinahe ohne Gegenwehr in ihr Schicksal.

"Das Heimspiel war schon eines der schlechtesten Spiele in dieser Saison. Wir kommen nach München und wollten es anders machen. Aber es war wieder grauenvoll. In der Halbzeit haben wir uns gesagt: Das geht so nicht weiter. Coach Trinchieri hat in der Kabine gefragt, wer ist bereit zu spielen? Wer das will, soll aufstehen, seine Hand heben. Und das war das Zeichen an alle. Alle sind aufgestanden und haben gesagt, so können wir uns in einer Finalserie nicht präsentieren", schilderte später Daniel Theis den Weckruf des Italieners, der in den zweiten 20 Minuten Wirkung gezeigt hatte.

Theis hat ein gutes Gefühl
"Es tut unglaublich gut, das Gefühl zu haben, in der Finalserie angekommen zu sein. Der Heimvorteil sagt nicht alles aus, beide Teams haben auswärts gewonnen. Aber wir gehen mit dem guten Gefühl, dass wir eine unglaublich gute zweite Halbzeit gespielt haben, in die Partie. Wir haben nach der Pause nur 29 Punkte zugelassen, das ist unser Spiel: Gute Defensive und schnell spielen. Das müssen wir am Sonntag auch machen", sagt Theis, der mit 15 Punkten, 13 davon in Hälfte 2, 8 Rebounds, 2 Assists und 2 Blocks maßgeblichen Anteil am Comeback der Bamberger besaß.

"Basketball ist ein Spiel von Läufen und Rhythmus. In der ersten Halbzeit lief es sehr, sehr gut für uns - aber genauso lief es sehr, sehr schlecht für Bamberg. Sie sind Hauptrunden-Erster, stehen in den Finals, deshalb ist es klar, dass sie nicht ein ganzes Spiel so spielen. Gleichzeitig ist es auch schwer für uns, das durchzuhalten", wies Bayerns Aufbauspieler Heiko Schaffartzik auf den Kräfteverschleiß der Bayern hin. Und jetzt kommt noch der Ausfall von Anton Gavel wegen einer Hüftverletzung hinzu. Aber Nihad Djedovic, der nach 15 Punkten in Halbzeit 1 nach der Pause leer ausging, betonte, dass die Bayern keineswegs klein beigeben werden: "Wir sind klar das bessere Team. Nur durch unsere Fehler ist Bamberg zurück gekommen. Wir haben die Stärke, wieder in Bamberg zu gewinnen."

Genau das will der überragende Brad Wanamaker, der mit seinem genialen Pass in der Schlusssekunde den Erfolg ermöglichte, verhindern: "Am Sonntag werden wir mit der gleichen Einstellung wie in der zweiten Halbzeit ins Spiel gehen und versuchen, mit der Unterstützung unserer Fans erneut zu gewinnen."


Die Finalserie im Überblick
Brose Baskets - Bayern München 1:1
(Sonntag, 19 Uhr, Brose Arena/Public Viewing auf dem Bamberger Maxplatz oder im Liveticker)
Bamberg Wanamaker (15 Punkte in Spiel 1/19 in Spiel 2), Thompson (7/5), Robinson (5/11), Strelnieks (10/7), Mbakwe (4/10), Theis (10/15), Miller (10/10), Harris (10/3), Tadda (2/0), Obst (-/-), Bagaric (-/0)

München Djedovic (5/15), Bryant (12/16),Savanovic (14/9), Taylor (14/7), Stimac (16/12),Gavel (5/6), Micic (-/0), Schaffartzik (10/10), Benzing (6/3), Jagla (0/-), Staiger (-/0), Zipser (2/0), Idbihi (-/-)

Die nächsten Spiele Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr: München - Bamberg; - falls erforderlich: Sonntag, 21. Juni, 15 Uhr: Bamberg - München

Die bisherigen Saisonspiele Bundesliga: Brose Baskets - Bayern München 80:63, Bayern München - Brose Baskets 96:90
Eurocup-Zwischenrunde: Bayern München - Brose Baskets 87:63, Brose Baskets - Bayern München 52:90
Finalserie - Spiel 1: Brose Baskets - Bayern München 73:84, Spiel 2: Bayern München - Brose Baskets 78:80