Auf die Frage, was er von seinem Trainer Andrea Trinchieri hält, antwortet Dawan Robinson mit einem breiten Grinsen: "Er ist verrückt!" Dabei spricht er nicht etwa vom ersten Eindruck, den der jüngste Neuzugang der Brose Baskets von seinem künftigen Coach gewonnen hat.

Denn beide kennen sich schon länger. Im Jahr 2009 verpasste der amerikanische Aufbauspieler mit dem von Trinchieri trainierten italienischen Zweitligisten Prima Veroli nur knapp die Meisterschaft. Sechs Jahre später geht der 32 Jahre alte Robinson, den die Bamberger in dieser Woche als Nachfolger von Josh Shipp verpflichtet haben, nun erneut unter Trinchieri auf Korbjagd.

Debüt am Sonntag

Es ist nicht der einzige Kreis, der sich für Robinson in diesen Tagen schließt. Denn sein Debüt für die Bamberger gibt er am Sonntag (15 Uhr) im Bundesliga-Spiel in Frankfurt.
Bei den Skyliners stand der US-Amerikaner von 2012 bis 2013 unter Vertrag. Während der Saison nachverpflichtet, hatte er wesentlichen Anteil daran, dass die Hessen den Klassenerhalt schafften. Nach der Trennung von Muli Katzurin hatte Robinson unter dem neuen Trainer Gordon Herbert einen wesentlich schwereren Stand.

Differenzen mit Herbert, so wurde seinerzeit kolportiert, führten zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung. Vor seiner Rückkehr nach Frankfurt hege er gegenüber seinem Ex-Verein keine "schlechten Gefühle", meint Robinson. Viel lieber spricht er aber über sein neues Team - und Trinchieri. "Er verlangt viel von seinen Spielern. Aber er ist immer ehrlich. Und bei allem, was er macht, verfolgt er einen bestimmten Plan. Er ist der beste Coach, mit dem ich bislang gearbeitet habe", meint Robinson.

Deutliche Worte von Trinchieri

Das 1,88 Meter große und 88 kg schwere Kraftpaket gilt als guter Verteidiger. In diesem Teilbereich des Spiels ist bei den Brose Baskets jegliche Verstärkung willkommen. Das offenbarte sich am Mittwoch bei der 81:86-Heimniederlage im Eurocup gegen Dijon in der zweiten Halbzeit, für die Trinchieri deutliche Worte findet: "Es ist nicht die Zeit für Reaktionen. Es ist Zeit, zu verstehen. Zu verstehen, dass 57 Punkte in einer Halbzeit zuzulassen, wie gegen Dijon, zu viel ist. Es geht um Verteidigung, und die kann jeder spielen: Verteidigung ist eine Frage der Konzentration, der Leidenschaft und des Willens."

Diese Tugenden sind am Sonntag vonnöten, denn die Skyliners sind nach einem schlechtem Saisonstart deutlich im Aufwind. Seit der 62:81-Hinspielniederlage in Bamberg am 16. November vergangenen Jahres haben sie nur noch zweimal verloren, dafür sieben Siege eingefahren. Auch ihre beiden Zwischenrundenspiele in der Eurochallenge, dem dritten internationalen Wettbewerb, haben sie gewonnen. Für Trinchieri ist der Tabellenachte "im Moment eines der besten Teams der Liga". Von seinem Neuzugang erwartet er, dass er "dem Team hilft und so schnell wie möglich versteht, was die Mannschaft von ihm braucht".

Und Robinson brennt darauf, zu zeigen, was er kann. Seinen bisherigen Klub, Pallacanestro Varese, hat er zu Wochenbeginn verlassen. Obwohl er bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 31 Minuten mit 16,2 Punkte, 4,4 Assists und 4,1 Rebounds gute Werte aufwies, verpflichtete der Tabellenzwölfte der 1. italienischen Liga mit dem ehemaligen NBA-Akteur Eric Maynor einen neuen Aufbauspieler. "Sie wollten in eine andere Richtung gehen. Ich dachte, ich ziehe dabei den Kürzeren", sagt Robinson. Er handelte schnell. Seine Verlobte und die fünfjährige Tochter kehrten zurück in die USA, er stieg in den Flieger nach Deutschland.