Die Sensation, die die Brose Baskets beim amtierenden Euroleague-Champion Real Madrid vor zwei Wochen noch knapp verpasst haben, gelang am späten Freitagabend beim dreimaligen Titelträger Olympiakos Piräus. Der deutsche Meister aus Bamberg, der letzte Woche mit dem 96:63-Kantersieg gegen Zalgiris Kaunas seinen ersten Erfolg überhaupt in der Top-16-Runde der Königsklasse gefeiert hatte, setzte sich in der griechischen Hauptstadt überraschend mit 77:72 (39:26) durch und darf bei weiterhin konstant guten Leistungen nun davon träumen, vielleicht sogar ein Wörtchen bei der Vergabe der Play-off-Plätze mitzureden. Um ins Viertelfinale einzuziehen, ist in der Achter-Staffel mindestens Platz 4 erforderlich. In der Bundesliga geht es für den Spitzenreiter bereits am Sonntag (17 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Tabellen-17. BG Göttingen weiter. In der Euroleague folgt am nächsten Freitag die Auswärtspartie bei Khimki Moskau.
In den Anfangsminuten lief bei beiden Teams offensiv wenig zusammen: Bamberg brauchte zweieinhalb Minuten, Piräus sogar noch 60 Sekunden länger für die ersten Punkte. Und die Brose Baskets ließen in der Verteidigung nicht locker - ganze zehn Punkte gelangen dem hohen Favoriten im ersten Viertel. Auf Seiten der Gäste traf vor allem Darius Miller sehr sicher. Aber auch Janis Strelnieks und Brad Wanamaker waren aus der Distanz erfolgreich, sodass der deutsche Meister zum Viertelende mit 18:10 vorne lag.
Bis zur Mitte des zweiten Durchgangs kämpften sich die Gastgeber auf 24:25 heran. Doch der Lette Strelnieks konterte wieder einmal eiskalt und sorgte zusammen mit Leon Radosevic dafür, dass die Bamberger nach 17 Minuten erstmals zweistellig in Front lagen. Nach dem dritten Dreier von Strelnieks betrug die Führung 13 Punkte - und die hatte auch zur Pause (39:26) noch Bestand.
Bei den Bambergern, die sehr geduldig im Angriff agierten und immer den freien Mann fanden (9 Assists) lief der Ball wie am Schnürchen. Spanoulis und Co. dagegen fanden gegen das Brose-Bollwerk keinen Rhythmus. "Jetzt wird es regnen, und ich weiß nicht, ob wir die richtigen Schirme dabei haben", befürchtete Bambergs Coach Trinchieri, dass Piräus mit gehöriger Wut im Bauch aus der Kabine kommen würde.
Doch die Gäste ließen sich auch zu Beginn der zweiten Hälfte nicht beirren: Dank der sechs Radosevic-Punkte und zwei Zählern von Nicolo Melli baute der deutsche Meister die Führung auf 47:26 aus. Nach den beiden Dreiern von Miller und Strelnieks (55:31) trieben die Fans Olympiakos aber nach vorne - vor allem Georgios Printezis nutzte die Bamberger Ballverluste. Olympiakos gestattete dem Gast jetzt keine einfachen Würfe mehr. Miller stoppte dann den 16:2-Lauf der Griechen mit zwei verwandelten Freiwürfen. Würde das 59:47 zum Sieg reichen?


Am Ende noch gezittert

Zu Beginn des Schlussviertels jedenfalls bestimmten wieder die Bamberger den Rhythmus. Beim 64:47 kam die nächste Auszeit der Gastgeber. 2:45 Minuten vor dem Ende begann die Zitterpartie - Piräus verkürzte mit jedem Angriff. Spanoulis setzte 11,5 Sekunden vor dem Ende den Dreier zum 72:74, doch Brad Wanamaker versenkte die Freiwürfe nach taktischem Foul sicher. Spanoulis verfehlte danach zwei Mal und Melli machte an der Freiwurflinie die Sensation perfekt.


Reifeprüfung endgültig bestanden

Der deutsche Meister war in Athen in allen Belangen besser: Sowohl die Trefferquote (49:41 Prozent) als auch das Reboundverhältnis 37:28 sprach für die Gäste, die auch fünf Vorlagen (15:10) mehr verteilten. Mit diesem Erfolg im Spitzenspiel der Gruppe F bei den zuvor ungeschlagenen Griechen haben die Brose Baskets endgültig die Reifeprüfung in der europäischen Königsklasse bestanden.

Brose Baskets: Miller (23 Punkte/4 Dreier), Strelnieks (15/4), Radosevic (14), Wanamaker (8/1), Melli (7), Zisis (4), Heckmann (4), Theis (2) / Olympiakos Piräus: Strawberry (15/2), Spanoulis (11/1), Printezis (10/1), Hackett (10/2), Papapetrou (10/1), Odom (5/1), Athinaiou (3/1), Mantzaris (2), James (2), Agravanis (2), Hunter (2), Milutinovic,