Man habe "das Beste draus gemacht" findet Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Konrad Gottschall. Aus seiner Sicht als Bauherr hat die gläserne Erweiterung zur Hainstraße hin das Gebäude am Schönleinsplatz aufgewertet. Er hoffe, sagte er im FT-Gespräch, "dass es die meisten auch so sehen".
Die meisten - damit meinte er die nicht wenigen Kritiker des Millionen teuren Vorhabens. Mit einer 8:5-Mehrheit hatte die Planung im Mai 2012 den Bausenat passiert, anschließend beantragten 14 Stadträte beim Oberbürgermeister eine "Nachprüfung" des Beschlusses. Die Gegner wollten eine Aufweichung der Baugrenzen verhindern, warnten vor negativen Auswirkungen auf das Stadtbild am Schönleinsplatz, wenn der Anbau bis an die Grundstücksgrenze und somit an den Gehsteig heranrückt.

Nachdem der Anbau so entstanden ist, wie ihn der Architekt der Sparkasse entworfen hat, sehen sich die Kritiker bestätigt.
Es sei eingetreten, was sie befürchtet habe, sagt eine von ihnen, Ursula Sowa (GAL): Entstanden sei "ein absoluter Fremdkörper, der weh tut". Gewünscht hätte sie sich eine Architektur, die einen Mehrgewinn für's Stadtbild darstellt. Sie findet sogar: "Vorher war's besser."

Alt-OB Herbert Lauer (Freie Wähler), der die Phalanx der Gegner einer großzügigen Befreiung der Sparkasse vom Bebauungsplan angeführt hatte, findet das Erscheinungsbild dagegen "akzeptabel". Er habe sich mehr aus Prinzip als wegen der Optik gegen das Vorhaben gewehrt. Lauer hätte den Anbau gern zurück gesetzt gesehen.
"Nicht ganz so schlimm" wie er es nach den damals bekannten Plänen befürchtet hat empfindet Jörg Händler, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft "Alt Bamberg" das Ergebnis der Sparkassen-Modernisierung. Gelungen ist sie nach seinem Dafürhalten aber nicht. Die gläserne Konstruktion sei vom Schönleinsplatz aus gesehen "städtebaulich eine absolute Katastrophe"; sie mache das Entrée der Hainstraße zunichte.

"Städtebaulicher Skandal"

Der enger gewordenen, vorher trichterförmigen Öffnung der Hainstraße zum Platz hin trauert auch Stadtrat Michael Bosch (Bamberger Realisten) nach. Eines Urteils über die Architektur enthält er sich, weil das auch Geschmacksache sei. Aber dass die Sparkasse ihre Grünanlage bis zur Grundstücksgrenze Hainstraße überbauen durfte, hält er "nach wie vor für einen städtebaulichen Skandal". Namentlich Bosch bedauert sehr, dass das Sparkassen-Vorhaben bereits im Bau war, als der Stadtrat einen so genannten Rahmenplan für das Hain-Viertel verabschiedet hat, mit dessen Hilfe künftig Bausünden verhindert werden sollen. "Ein Schuft, wer Böses dabei denkt", so der BR-Stadtrat.

Gottschall verteidigt den Um- und Erweiterungsbau gegen Kritik. Die eigentliche "Sünde" an dieser Stelle sei 1955 passiert, als das historische Schützenhaus einem Neubau der Sparkasse wichen musste. Schön findet der Vorstandsvorsitzende das in den 1980er Jahren umgestaltete Haus auch nicht, gibt aber zu verstehen, dass jetzt mit vertretbarem Aufwand nicht mehr machbar gewesen sei. Die Investition wäre sonst noch höher ausgefallen. 12 bis 13 Millionen Euro lässt sich die Sparkasse die Reaktivierung ihrer Immobilie am Schönleinsplatz kosten - eine umfassende energetische Sanierung des Altbestandes und der Bau eines Gas betriebenen Blockheizkraftwerks inbegriffen.

Das Gebäude war bis zur Fusion von Stadt- und Kreissparkasse im Jahr 2000 zur Sparkasse Bamberg der Hauptsitz der Stadtsparkasse. Nach dem Zusammenschluss hatte man alles auf die ehemalige Kreissparkasse in der Langen Straße konzentriert und ein neues Rechen- und Steuerungszentrum an der Carl-Meinelt-Straße gebaut. Das Haus am Schönleinsplatz sollte verkauft werden.

Ein Umdenken setzte ein, als sich die Idee eines Einzelhandelsquartiers zwischen Lange Straße und ZOB/Promenade verfestigte. Die Sparkasse kaufte Zug um Zug Grundstücke dazu und besitzt heute dort etwa 5500 Quadratmeter. Von der Absicht, das Areal selbst zu entwickeln, ist sie abgerückt. Weil aber das Gebäude Lange Straße Teil des Projekts wäre, fasste der Sparkassen-Vorstand wieder die Immobilie am Schönleinsplatz ins Auge und beschloss, es wieder selbst zu nützen.

Über die Zukunft des Areals beim ZOB, das seit 17 Jahren erst als "Citypassage", später als "Quartier an der Stadtmauer" beplant und diskutiert wurde (und schließlich am Veto der Denkmalpflege scheiterte), könnte 2014 die endgültige Entscheidung fallen. Die Sparkasse wird laut Gottschall den Stadträten im ersten Bausenat des Jahres, Mitte Januar, die Konzepte von zwei potenziellen Investoren vorstellen. Es seien die letzten Käufer, die noch im Rennen sind. Wenn die Politik ihnen kein klares Signal und eine gewisse Planungssicherheit über die Stadtratswahlen hinaus gibt, sagt Gottschall dem Vorhaben das Ende voraus: "Wenn es sich jetzt zerschlägt, wird in den nächsten Jahren nichts mehr passieren". - Am Rand des Quartiers, in zweiter Reihe der Hellerstraße, saniert die Sparkasse selbst gerade ein altes Haus. Noch heuer sollen darin Wohnungen für Studenten und Familien bezugsfertig werden.