Wüsste man es nicht besser, möchte man meinen, dass der Sparkassen-Altbau in der Langen Straße vor der Instandsetzung steht. Das kürzlich aufgestellte Gerüst könnte zu diesem Schluss führen. Tatsächlich wurde der Komplex für den Abbruch eingerüstet, der im Januar beginnen soll.

Vorbereitend werden laut Pressesprecher Mathias Polz zunächst die Sandsteinfassade abgebaut, die Fenster ausgebaut und die Dachziegel entfernt. Diese Arbeiten würden überwiegend "händisch" vollzogen.

Der eigentliche Abbruch der beiden Häuser wird nach Angaben des Sparkassen-Sprechers von einem Statikbüro begleitet. Ob und in welcher Weise die direkt angrenzende Nachbarbebauung dabei gestützt werden muss, steht angeblich noch nicht fest. Das werde durch den Generalunternehmer, den Statiker und die Abbruchfirma vor Ort und individuell festgelegt, so Polz. Er versichert: "Der Schutz der Nachbargebäude hat höchste Priorität."


Nachbarhäuser sind viel älter

Zu beiden Seiten grenzen unter Denkmalschutz stehende Geschäfts- und Wohnhäuser an den Komplex an, der in Kürze fallen wird. Die Nachbarbebauung entstand in ihrer heutigen Form im 18. Jahrhundert und ist damit ist wesentlich älter als die Sparkasse-Immobilien aus den 1970er Jahren.

Kein Wunder, dass die Besitzer der Einzeldenkmäler und ihre Mieter dem Abbruch mit gemischten Gefühlen entgegen sehen. So verspürt Benedikt Dümig, Eigentümer des Anwesens Lange Straße 23, ein "gewisses Bauchgrummeln", wenn er an die nächsten Baustellen-Wochen und -Monate denkt. Der Bamberger attestiert der Sparkasse und den von ihr beauftragten Firmen zwar eine gute Informationspolitik und lobt auch deren Vorgehensweise beim Abbrechen der hinteren Gebäude: Dank des Einsatzes einer umgebauten Schneekanone, die feinste Wassertropfen versprüht hat, sei die Staubentwicklung nicht so schlimm gewesen, wie befürchtet.

Allerdings erinnert sich Dümig noch gut an die Zeit vor rund 40 Jahren, als die Sparkasse in der Langen Straße neu gebaut wurde. Damals muss es viele Probleme gegeben haben. Vor allem die Tiefbohrungen für die Bodenplatte hätten Ärger und Schäden bei den Nachbarn und ihren Häusern verursacht. Für ihn ist es deshalb eine gute Nachricht, was man ihm bei der Sparkasse gesagt hat: Die Bodenplatte bleibe erhalten und werde für den Neubau genutzt.

Dümig hofft außerdem, dass es diesmal keine Probleme mit der Außenwand seines Anwesens gibt. Als die Nachbarbebauung in den 70er Jahren fiel, hatte man feststellen müssen, dass die Häuser eine gemeinsame Wand besaßen. In der Folge sei darüber gestritten worden, wem der Giebel gehört. Die Sparkasse habe schließlich eine eigene Außenwand errichten lassen. Nun wünscht sich Dümig, dass diese stehen bleiben kann. Es wäre ein gewisser Schutz für seine Immobilie.

Auch östlich des Bauzauns, im Anwesen Lange Straße 31, sieht man der heißen Phase des Abbruchs leicht angespannt entgegen. Wie Dümig lobt auch Anne Dornisch-Dähndel, die im Erdgeschoss ein Schuhgeschäft betreibt, die bisherige Informationspolitik der Bauherrin. Man fühle sich mitgenommen und es gebe einen Ansprechpartner, der für sie tatsächlich immer erreichbar gewesen sei. Nur vereinzelt hätten sie in den vergangenen Monaten die draußen präsentierte Ware vor Staubwolken in Sicherheit bringen müssen.


Umsatzeinbußen in Grenzen

Der Bauzaun führt nach den Beobachtungen der Schuhhändlerin dazu, dass viele Fußgänger gleich die andere Straßenseite nehmen. Trotzdem scheinen sich die Umsatzeinbußen, die sie mit der Baustelle in Verbindung bringt, in Grenzen zu halten.

In der Bauabteilung der Sparkasse geht man davon aus, dass der Abbruch sich drei bis vier Monate hinziehen wird. Der Bauschutt soll hauptsächlich über die Franz-Ludwig-Straße und Promenade abtransportiert werden, also über die schon weitgehend frei geräumten Grundstücke für das künftige "Quartier an der Stadtmauer" hinter der Langen Straße.

Auf dem Baufeld waren zuletzt vor allem Archäologen tätig. Überraschende Entdeckungen haben sie wohl nicht gemacht. Gefunden worden seien zu erwartende Dinge wie alte Keramik und Werkzeuge, heißt es.

Das noch nicht geräumte Grundstück an der Langen Straße mitgerechnet, umfasst das Gelände für das neue "Quartier an der Stadtmauer" rund 5000 Quadratmeter. Bis 2018 sollen zwischen der Langen Straße und der Franz-Ludwig-Straße Wohnungen, Einzelhandel, Büros und ein Hotel entstehen.