Uwe Weier, der Betriebsleiter der Bamberger Bäder, steht dort, wo vor kurzem noch gekrault und getaucht wurde. Heute ist nicht nur das Wasser aus dem großen Becken des Bambados verschwunden. Das 20 Meter breite und 50 Meter lange Riesenplantschbecken ist auch seines Fliesen-Schutzes beraubt. Das ist dem ersten Anschein zum Trotz ein gutes Zeichen.

Denn es zeigt, dass der größte Sanierungsfall der Bamberger Bädergeschichte doch noch ein glimpfliches Ende nehmen könnte. Dieses Hoffnung hat man vor allem bei den Stadtwerken. Sie wollen unter allen Umständen vermeiden, das Familien- und Freizeitbad dreieinhalb Jahre nach der Eröffnung bereits wieder für eine längere Zeit zu schließen. "Wir sind heilfroh, dass wir eine außergerichtliche Einigung mit der Fliesenlegerfirma erreicht haben", sagt Sprecher Jan Giersberg.

Die Einigung "in letzter Sekunde" bedeutet, dass die Stadt finanziell aus dem Schneider ist. Denn das aus Ostdeutschland stammende Unternehmen, das die Fliesen in der gesamten Beckenlandschaft des Bambados verlegt hat, hat sich bereit erklärt, die Mängel auf eigene Kosten zu beseitigen.

Aufatmen bei den Stadtwerken

Doch es geht nicht nur ums Geld. Es geht auch um die Zeit. Denn durch die Vereinbarung wird ein möglicherweise langwieriges Beweissicherungsverfahren mit einem gerichtlich bestellten Gutachter vermieden. Das Aufatmen bei den Stadtwerken ist groß.

Seit dem 19. Juli ist das Schwimmerbecken im Bambados nicht mehr zugänglich; seit Anfang letzter Woche haben Arbeiter mit Hochdruck begonnen, 700 Quadratmeter Steinzeugfliesen aus dem Bad zu klopfen. Als wir am Freitagmittag das Bambados betreten, erinnert das Bad bereits wieder an einen Rohbau. Mit Ausnahme der Schrägfläche und des Hubbodens liegt der Betonboden offen. Er muss nun getrocknet werden, ehe zum zweiten Mal die Oberflächen behandelt und dann die Badfliesen verklebt werden. In zwei Monaten, am 29. September, zwei Wochen nach Schulbeginn, soll das Bad wieder öffnen.

Glück im Unglück: Bei Haftdruckprüfungen hat sich herausgestellt, dass die Beckenwände und ebenso die Fliesen in den anderen Becken stabil sind. Hier bleibt also alles beim Alten.

Ralf Balke aus dem Raum Coburg hat Jahrzehnte lange Erfahrung in der Fliesenbranche. Als das Bambados gebaut wurde, hat er bei der Firma "Deutsche Steinzeug" gearbeitet, dem Lieferant der Bambados-Fliesen. Dass Fliesen mal ausgetauscht werden müssen, kommt laut Balke gelegentlich vor. Doch ein Fall von den Dimensionen wie im Bambados ist ihm bislang nicht untergekommen.

Fliesenkanten weggeflext?

Was sind die Ursachen für den Riesenärger? "Am Material liegt es definitiv nicht", sagt Balke, ohne eine Ferndiagnose stellen zu wollen. Beim Einbau der Fliesen im Freizeitbecken konnte er aber beobachten, dass an einigen Ecken Fliesenkanten weggeflext wurden... "Gute Fachfirmen haben eben ihren Preis", sagt Balke. Auch Stadtwerke-Mitarbeiter haben Beobachtungen gemacht: "Es war beim Ausbau der Fliesen unübersehbar, dass die Fliesen nicht vollflächig eingeklebt waren, sondern sehr lückenhaft", sagt Uwe Weier.

Das würde auch die Vermutung bestätigen, die Hans-Jürgen Drescher, Obermeister der Fliesenlegerinnung Bamberg vor kurzem angestellt hatte. Für ihn hat der Fall Bambados auch politische Dimensionen, denn er zeigt, wozu es führen kann, wenn bei einer europaweiten Ausschreibung nur der Preis entscheidet. "Es gibt in unserer Branche unheimlich viele unqualifizierte Firmen."

Defizit im Bambados bleibt hoch

Für Drescher bleibt die Sanierung im Bambados auch nach dem Beginn der Arbeiten "eine heiße Kiste". Der Zeitdruck sei so extrem, dass sich leicht neue Fehler einschleichen könnten. Vor allem sei zu beachten, dass die Abdichtung nicht beschädigt werden dürfe und der Boden völlig ausgetrocknet sein müsse.
Hört man die Stadtwerke, wird dies nicht dem Zufall, sondern einem Gutachter überlassen, der die Erneuerungsarbeiten ständig überprüft.

So oder so wird die zweimonatige Zwangspause die Besucherzahlen des Bambados nicht gerade beflügeln. Dies ist umso ärgerlicher, als nach Informationen aus der letzten Aufsichtsratssitzung die Besucherzahl auf der Badeplatte 2013 gegenüber dem Vorjahr um über 32 000 eingebrochen ist. Das führt dazu, dass trotz stark wachsendem Saunageschäfts das Bambados-Defizit 2013 zum zweiten Mal weit über dem angepeilten Ziel von 1,7 Millionen Euro lag.





Besucherzahlen Bambados:


2012:

237 792 (Badeplatte ohne Schul- und Vereinssport)
38 125 (Sauna)

2013:

205 577 (Badeplatte ohne Schul- und Vereinssport)
52 744 (Sauna)