Die Aron-Gesellschaft lädt zum 70. Todestag von Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu einer Gedenkfeier. Doch ganz unproblematisch ist die Beziehung Bambergs zu dem bekanntesten Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 nicht.
Zum 70. Todestag Hans Wölfels gab es eine Feierstunde. Die wertschätzende Erinnerung an diesen Widerständler gegen das braune Regime fällt leicht. Für Claus Schenk Graf von Stauffenberg plant die Willy-Aron-Gesellschaft am 21. Juli eine Gedenkfeier im Kulturraum St. Johanniskapelle am Oberen Stephansberg, in der auch Bürgermeister Christian Lange (CSU) sprechen wird.
Mit dieser Gedenkfeier tut sich mancher schwerer. Damit beschreibt Bamberg kein Ruhmesblatt. Die Stadt Bamberg komme, so der Veranstalter, um eine Gedenkstunde - die nicht nur rückblickend, sondern auch zukunftsgerichtet sein soll - nicht herum. Schließlich lebte Stauffenberg viele Jahre in der Stadt, gilt weltweit als der Protagonist des Widerstands im Dritten Reich.
Der gebürtige Schwabe begann 1927 seine militärische Laufbahn im 17. Reiterregiment in Bamberg. Dort legte Stauffenberg auch seine Offiziersprüfung ab. 1933 heiratete er in der St. Jakobskirche Nina Freiin von Lerchenfeld, mit der er fünf Kinder bekam. Bis zu seiner Hinrichtung nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hatte Stauffenberg seinen Lebensmittelpunkt in Bamberg. Seine Witwe lebte bis wenige Jahre vor ihrem Tod 2006 in ihrem Elternhaus in der Schützenstraße.
Keine Heldenverehrung
Die Willy-Aron-Gesellschaft initiierte ein Mahnmal für Widerstand und Zivilcourage. Dieses Mahnmal - geschaffen von Bildhauer Albert Ultsch - verknüpft politischen, militärischen und kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Willy Aron, Hans Wölfel und eben Stauffenberg sind die historischen Bildgeber des Denkmals. Die Initiatoren machen klar, dass es mit dem Denkmal nicht um "Heldenverehrung" geht, sondern die Möglichkeit geboten werden solle, über die Zeit des Nationalsozialismus in der Region nachzudenken.
"Was konnten Menschen tun, wenn es darum ging, sich für Menschlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen, Zivilcourage zu zeigen?", fragt Daniel Dorsch, Vorsitzender der Aron-Gesellschaft. Aron, Stauffenberg und Wölfel seien Stellvertreter für alle Bamberger, die Widerstand leisteten und vorlebten.
Für Bürgermeister Christian Lange ist das Mahnmal dazu geeignet, "die Erinnerungskultur zu pflegen und zugleich ein Signal gegen Neonazis zu setzen". Der Bürgermeister, unterstreicht die Unterstützung der Stadt für dieses Mahnmal.
Der Weg dorthin war allerdings schwierig; auch da sich an der Person Stauffenberg heftige Kritik entzündete. Für Stauffenbergs Familie war das ein Affront. Wie sie sich überhaupt verärgert zeigt über die Art, wie die Stadt Bamberg mit der Erinnerung an einen ihrer bedeutendsten Bürger umgehe.
Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des Hitler-Attentäters, ist es unbegreiflich, "wie die Stadt die Art des Gedenkens an der häufig beschmierten Tafel mit dem Namen Stauffenberg am Alten Rathaus vereinbaren kann". Der 76-Jährige, der in Kirchlauter bei Bamberg lebt, wehrt sich genauso dagegen, dass seinem Vater ein "Damaskus-Erlebnis" unterstellt wird: "Er wurde im Blick auf seine Einstellung zum NS-Regime nicht vom Saulus zum Paulus", wenn er auch erst im Lauf der Jahre, und zwar ab 1938, zum Widerstand gegen Hitler gekommen sei.
Mehr will Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg zur Rolle seines Vaters nicht sagen: "Wir Stauffenbergs sind keine Berufshinterbliebenen und äußern uns nicht öffentlich zum Widerstand unseres Vaters am 20. Juli 1944." Allerdings nimmt die Familie Stauffenberg an der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin zum 70. Jahrestag des Attentats teil.
Empfindlich reagierten die Nachkommen auch auf die Pläne der Universität Bamberg, eine Stauffenberg-Stiftungsprofessur für politische Ethik einzurichten. Das mag auch an dem studentischen Protest gelegen haben, der Stauffenbergs Entschluss zum Widerstand moralische Überlegungen absprach. Jedenfalls gab die Familie Stauffenberg kein grünes Licht für eine solche Professur. Sehr zum Ärger der Universität laut Professor Christian Illies, der diese Stiftungsprofessur ins Leben rufen wollte.
Mit verhaltener Freude über einen gedeihlichen Ausgang "hinhaltender Amtsverfahren und ablenkender Bekundungen" erwartet die Familie Stauffenberg die Aufstellung des Widerstands-Mahnmals. Jedenfalls finden der Harmoniegarten als Domizil im öffentlichen Raum und die gesamte künstlerische Gestaltung ihre Zustimmung.
Die GedenkfeierDie Aron-Gesellschaft lädt am 21. Juli, 17 Uhr, zur Gedenkfeier für Claus Schenk Graf von Stauffenberg in die St. Johanniskapelle, Oberer Stephansberg 7, ein.