Der schwere Wohnmobil-Unfall Ende Juli mit einem Toten und zwei Schwerstverletzten auf der A3 steckt allen noch in den Knochen. Bei Unfällen auf dieser Autobahn im Bereich rund um Schlüsselfeld kommen so gut wie immer die Aktiven der Schlüsselfelder Feuerwehr zum Einsatz. Seitdem die Arbeiten zum sechsspurigen Ausbau vor etwa einem halben Jahr begonnen haben, häufen sich die Einsätze.

Doch an diesem Abend haben die Männer von der Wehr Glück und Zeit für das Gespräch mit dem FT. Erster Vorstand Thomas Messingschlager, Erster Kommandant Georg Krug, Rainer Butterhof, Peter Fischer, Michael Ranze und Oliver Schell müssen heute nicht ausrücken.

Feuerwehrtechnisch alles "alte Hasen" und zum Teil in weiteren Feuerwehren aktiv. "Jedes Jahr ein Toter auf der A3, mindestens", fasst der Kommandant die persönliche Bilanz von fast vier Einsatzjahrzehnten zusammen. Noch eine Erkenntnis: Mittlerweile sind die Autos sicherer geworden, so dass selbst Unfälle mit hoher Geschwindigkeit noch verhältnismäßig glimpflich ausgehen können. "Nur wenn Laster im Spiel sind", ergänzt Messingschlager, "dann wird's schlimm."


In vier Minuten da

In circa vier Minuten sind die Schlüsselfelder mit ihren Einsatzfahrzeugen auf der Autobahn: Eingeklemmte Menschen, Massenkarambolagen, Brände bei Lkw und Pkw, ausgelaufene Betriebsmittel. Die Einsatzleitstellen in Bamberg, Nürnberg und Würzburg - je nach Zuständigkeitsbereich entlang der Strecke - rufen die Schlüsselfelder auf den Plan. "Dass wir überhaupt nicht mit rauskommen, gibt es nicht", so der Kommandant. Weil sie eben oft zu vielen schlimmen Unfällen auf die A3 müssen, ist die seelische Belastung nicht zu unterschätzen. Die Schlüsselfelder Wehr schätzt sich glücklich, in der Stadt mit Diakon Georg Paszek einen hervorragend ausgebildeten Notfallseelsorger (für psychosoziale Nachversorgung) zu wissen. Weil man ihn kennt, fällt die Hemmschwelle gerade auch bei den Jüngeren weg, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Aber auch denen, die schon viele Einsätze auf dem Buckel haben, gehen Unfälle wie der eingangs zitierte nach. Es war gut, dass man an diesem Wochenende als Veranstalter der Spanischen Nach gefordert war, ist sich die Runde einig.

Wütend werden die Männer aber, wenn es um das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer geht. Stichwort Rettungsgasse. Da hat man schon viel erlebt. Nicht umsonst steht auf der Heckscheibe des Schlüsselfelder Feuerwehr-Kombis: "Rettungsgasse bilden - und freihalten!"

Und dann ist da das immer ungeheuerlicher werdende Problem der Gaffer. Seit dem Jahr 2000 besitzt die Wehr ein spezielles (rotes) Zelt, mit dem Unfallopfer vor Gaffern geschützt werden. "Wir schauen, dass wir unsere jungen Leute nicht die ganz schlimmen Sachen sehen lassen", erklärt Krug. Und auf der anderen Seite beobachten sie immer öfter Väter, die ihre Kinder an Unfallstellen aus dem Fenster halten, damit die wirklich alles sehen.
Mit dem sechsspurigen Ausbau der A3 wird die Arbeit sicher nicht weniger werden für die Schlüsselfelder Feuerwehr, mutmaßen die Aktiven.

Warum tun sie sich das an? "Weil es ein gutes Gefühl ist, zu helfen", sagt Peter Fischer, er ist bereits die vierte Generation in Feuerwehrdiensten. Auch Oliver Schell steht voll hinter der Wehr, dabei opfert er nicht nur Freizeit. Als Inhaber eines Aschbacher Wohnmobil-Herstellers nimmt er immer auch noch Angestellte zu Einsätzen mit. Damit will er vorbild für andere Arbeitgeber sein. "Die A 3 gehört nun mal zu unseren Aufgaben." Etliche Dankesschreiben bezeugen das große Engagement der Wehr.