Den Berufseinstieg hatte sich Ansgar Sauren anders vorgestellt, aber er will sich nicht beschweren. Als festangestellter Schauspieler sei er zu Zeiten einer globalen Pandemie in einer unglaublich privilegierten Lage. Und dennoch: Seine Arbeit fehlt ihm sehr und er hofft, dass das Publikum des E.T.A-Hoffmann-Theaters Bamberg ihn und seine Schauspielerkollegen ebenso vermisst.

Der 28-Jährige fragt sich, welche Konsequenzen die Pandemie längerfristig für die Kulturlandschaft haben wird: "Die Frage ist nicht, wie kommen wir, so schnell es geht, zur Normalität, sondern an welchem Punkt sind wir jetzt, was sind die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren, wie können wir diese Zäsur jetzt nutzen, wie können wir den Bruch fruchtbar machen? Das ist die Chance, die wir als Theater haben."

Ein gutes Gefühl

1992 in Aachen geboren, wuchs Ansgar Sauren im tiefsten Rheinland auf. Zunächst wollte er Medizin studieren, am Ende entschied er sich für ein Schauspielstudium. In der Oberstufe war er Teil der Theater-AG, wo er auch seine erste große Rolle spielte: den Andri in Max Frischs "Andorra" . Nach dem Besuch einer privaten Schauspielschule in Köln arbeitete er mehrere Jahre frei als Schauspieler , spielte viel für wenig Geld. 2016 begann er an der Folkwang-Universität der Künste in Bochum und Essen sein Schauspielstudium. Noch vor Ende seines Studiums Anfang 2020 wurde er nach Bamberg zum Vorsprechen eingeladen, hatte dort ein gutes Gefühl - und entschied sich für Bamberg .

Im "Kirschgarten" und beim Liederabend "Schöne Aussichten" in der Regie von Intendantin Sibylle Broll-Pape stand er im Oktober 2020 erstmals auf der Bamberger Bühne. Zuvor hatte er sich bereits in der Stadt bewegt, durch die Stadt, mit der Stadt. Ansgar Sauren erzählt davon, wie sich Oberfranken von Rheinland unterscheidet: sprachlich, kulturell und historisch. Er habe sich willkommen gefühlt, von der Stadt und ganz besonders auch von seinen Kollegen.

Noch bevor Ansgar Sauren in Bamberg ankam, hatte sich schon das halbe Ensemble bei ihm gemeldet: "Wir freuen uns, dass du kommst, und darauf, dich kennen zu lernen und mit dir zu arbeiten. Wenn Du ein paar Geheimtipps brauchst oder Hilfe beim Umzug, oder dich auf dem Balkon treffen möchtest - fühl dich eingeladen." Nach seiner Ankunft in Bamberg habe sich gezeigt: Das waren keine leeren Floskeln.

Ansgar Sauren empfindet das E.T.A-Hoffmann-Theater als einen familiären Betrieb. Die Schauspieler und die Kollegen aus den Gewerken kommen aus den unterschiedlichen Teilen des Landes.

Die Vielfalt der Biografien ist groß. An den fränkischen Dialekt hat er sich schnell gewöhnt. Ohnehin hegt Sauren eine Faszination für Dialekte und Akzente: "Ich finde es schade, dass Dialekte verschwinden und aussterben. Meine Familie ist im Rheinland verwurzelt und wenn meine Großeltern und mein Papa sich zusammensetzen und sich unterhalten und Aachener Platt miteinander sprechen, habe ich es schon als Kind geliebt und es hat mich fasziniert, dass ich kein Wort von dem verstehe, was die da sagen."

Was ihn an Theater interessiere, frage ich ihn. Ansgar Sauren spricht konzentriert darüber, wie jeder Vorgang auf der Bühne erst mal mit dem Körper verwachsen muss: "Wie bewegt sich eine Figur, was für Eigenheiten hat sie? Wie verändert sich die Sprache, wenn sich der Körper, die Imagination und die Bewegung verändern?"

Spielen ist Handwerk

Bei seiner Ausbildung zum Schauspieler war ihm die Stärkung der eigenen künstlerischen Persönlichkeit wichtig sowie das Erlernen von schauspielerischem Handwerk, um über einen Werkzeugkoffer zu verfügen und so abrufbare Fähigkeiten zu erwerben, die ihm helfen, auf der Bühne zu stehen. Neben dem Theater reizen ihn auch Film, Fernsehen sowie Radio und Hörspiel . Er spricht davon, wie die Tendenz in der Film- und Fernsehlandschaft vermehrt mutige Projekte zu wagen, sein Interesse geweckt hat.

Spannende Drehbücher lägen vermutlich in Schubladen von Produktionsfirmen, von Autoren , die bereit sind, größere Risiken einzugehen, jüngere und offenere Formate zuzulassen, andere Themen in den Vordergrund zu stellen und Geschichten neu zu erzählen. So "ein ganz kleines bisschen" sehe er diese Entwicklung auch an den Theatern.

Bis mindestens Ende Februar wird es keinen Spielbetrieb am Theater geben, dann sind die Proben für "Der Riss durch die Welt" angesetzt.

Unterwegs im

Dann erzählt Ansgar Sauren noch, dass die Corona-Krise ihm zeige, dass man sich bewusster aufeinander einlasse und es gut tue, beieinander zu sein - und sei es, um an den Bildschirmen gemeinsam ein Bier zu trinken.

Ohne die Entschleunigung zu glorifizieren, habe ihm der Alltag mit der Pandemie gezeigt: Drei Stunden Spazierengehen im Wald ist auch schön.