Es sei dahingestellt, ob der Respekt vor Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und seinen mitgebrachten hochkarätigen Referenten der Stadtverwaltung jegliche Diskussionen im Keim erstickte. Jedenfalls wurden in der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Bug 1972 e.V. aus den prognostizierten Wogen lediglich sanfte Wellen: keinerlei Rückfragen, nur in einem Punkt eine kritische Anmerkung des Vereinsvorsitzenden Manfred Drescher.

Dabei bot die Tagesordnung Zündstoff genug: die marode Franz-Fischer-Brücke, die Zukunft der einstigen Jugendherberge Wolfsschlucht, der von den Stadtwerken gedrosselte Busverkehr. Alles Themen, welche die Buger seit geraumer Zeit umtreiben und sie befürchten lassen, vom Rest Bambergs abgehängt zu werden. "Wir sind das uneheliche Kind der Stadt Bamberg, das keine Liebe bekommt und nicht einmal Alimente!", fasste Drescher den Unmut im südlichen Stadtteil zusammen.

Dieser Beschreibung widersprach OB Starke natürlich, der ganz staatsmännisch die notwendigen Aufgaben der Stadt für das große Ganze auflistete und den erforderlichen "Interessenausgleich unter einem Dach" anführte. Es sei etwa "kein böser Wille", dass es "so lange mit der Buger Brücke gedauert hat", meinte der OB, sondern der "harte Sparkurs der Stadt", um die Verschuldung nicht steigen zu lassen. Nun sei nach einem einstimmigen Beschluss des Stadtrates "die Brücke auf einem guten Weg".


Buger Brücke ist jetzt dran

Finanzreferent Bertram Felix erläuterte dieses "große Infrastrukturprojekt für Bamberg" näher. In der Prioritätenliste "ist die Buger Brücke jetzt einfach dran". Er wolle jedoch keine Erwartungen wecken, die nicht erfüllt werden könnten, so Felix. Sein "Bauchgefühl" sage in der Umsetzung einer wirtschaftlich vertretbaren mittleren Lösung die Varianz von ein bis drei Jahren voraus. Allerdings dürfte es möglich sein, im Laufe des Jahres 2017 Zeitplan und Kosten mitzuteilen.

Fest stehe, dass die neue Brücke nicht mehr an der alten Stelle errichtet werde, sondern ein paar Meter weiter gen Norden, und dass der Straßenausbau entfalle sowie kein Quadratmeter privater Grund für den Neubau nötig sei. Der Finanzreferent konnte von einem "bereits angesparten Eigenanteil der Stadt Bamberg" berichten und betonte, dass der Buger Brückenneubau ohne Verschuldung absolviert werden solle.

Gabriele Kepic, Bereichsleiterin Familie, Jugend und Senioren der Stadt Bamberg, versuchte die von Vereinsvorsitzendem Drescher angesprochenen Ängste bezüglich künftiger Bewohner der Wolfsschlucht auszuräumen. Kepic machte klar, dass mit dem Träger Don-Bosco-Jugendwerk Bamberg "das Beste gefunden wurde, was wir bekommen konnten, Don Bosco hat das Know-how für das geplante erlebnispädagogische Kompetenzzentrum". Darin sollen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gemeinsam mit deutschen Jugendlichen aus zerrütteten Elternhäusern wohnen. Beide Gruppen - die Flüchtlinge wie die jungen Leute mit sozialpädagogischem Hilfebedarf - würden voneinander profitieren.

Die Jugendlichen seien nie allein, sondern würden rund um die Uhr von Betreuern umsorgt, die einen "normalen, strukturierten Tagesablauf" garantieren, führte Kepic weiter aus. Die ruhige Lage der Wolfsschlucht mit ihrer Nähe zur Stadt "ist gut". Darüber hinaus sollen die erlebnispädagogischen Angebote nicht nur für den geschlossenen Kreis gelten, sondern auch geöffnet werden "für die ganze Stadt".


Nur zu 15 Prozent ausgelastet

Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke, nahm Stellung zum geänderten Stadtbus-Fahrplan für Bug, der nur noch einen Stundentakt und Anruflinientaxi vorsieht. Er berichtete darüber, dass im Zuge einer stadtweiten Liniennetzoptimierung sämtliche Buslinien durch Sensorenmessung auf Auslastung untersucht worden seien. Bei der Datenüberprüfung habe sich herausgestellt, dass die Buger Linie lediglich zu 15 Prozent ausgelastet gewesen sei, die Fahrpläne also optimiert werden mussten.

Der bisherige Fahrplan habe zum Beispiel montags bis freitags 26 Fahrten vorgehalten, der neue jetzt 19 Fahrten. "Es ist also eine Minimierung des Angebots nach Nachfrage herausgekommen", erklärte Fiedeldey. Zudem sei das Anruflinientaxi ab 20 Uhr "ein recht guter Kompromiss".

Manfred Drescher hielt dem Stadtwerke-Chef entgegen, dass die "Hochrechnung reine Makulatur ist, weil nur 20 Prozent der Busse mit Sensoren zur Messung ausgestattet sind. Ich bezweifle Ihre Rechnung!" Zumal allein der Campingplatz in Bug jährlich fast 36 000 Besucher zähle, die bisher immer aufgefordert worden seien, den Bus zu ihrer Fahrt in die Innenstadt zu benutzen. Für diese Bemerkungen Dreschers gab es den einzigen Beifall des Abends aus der Versammlung mit den Referenten, mit Bürgermeister Christian Lange (CSU) und einigen Stadträten.


Seit 25 Jahren dabei

Nachdem diese gegangen waren, standen die üblichen Regularien auf der Tagesordnung: Rechenschaftsbericht und Mitgliederehrungen. So wurden für 25 Jahre Mitgliedschaft im Bürgerverein Bug Roman Jasinski, Isolde Schneider, Kunigunda Graf, Heidi Leicht und Christine Weimann ausgezeichnet.