Bamberg
Absage wegen Corona

Keine Sandkerwa in Bamberg: Gibt es eine "Wilde Kerwa" wie 2017? Das sagen Stadt und Polizei

2020 hätte in Bamberg die 70. Sandkerwa stattgefunden. Wegen der Corona-Pandemie und des Verbots von Großveranstaltungen fällt die traditionelle Kirchweih im Sandgebiet jedoch aus. Einige Menschen wird das vermutlich nicht daran hindern, der Sandstraße einen Besuch abzustatten. Doch befürchtet die Polizei deshalb eine "Wilde Kerwa", wie sie bereits 2017 stattgefunden hat? inFranken.de hat nachgefragt.
 

Jährlich strömen Ende August Hunderttausende Menschen durch das Bamberger Sandgebiet. Stehen gemütlich beisammen, lauschen einem der zahlreichen Musik-Auftritte oder feiern ausgelassen. Doch in diesem Jahr ist es anders: Die traditionelle Sandkerwa, für die Bamberg auch überregional bekannt ist, fällt 2020 aus. 

Die Corona-Pandemie und das Verbot von Großveranstaltungen machten alle Hoffnung auf die Traditionsveranstaltung, die in diesem Jahr bereits zum 70. Mal stattgefunden hätte, schnell zunichte. Die Entscheidung hätten Stadtverwaltung, Bürgerverein und Veranstalter gemeinsam getroffen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt aus dem April. "Wir alle bedauern diese Entscheidung sehr und sie fiel uns nicht leicht. Aber die Absage war zum Schutz der Bevölkerung unumgänglich", betonte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). "Die Gesundheit der Betreiber und der Besucher ist wichtiger als ein Volksfest."

Sandkerwa Bamberg: Gibt es eine "Wilde Kerwa" wie 2017?

Seit 1951 wird die Sandkerwa, so wie wir sie heute kennen, gefeiert. Dass die beliebte Kirchweih ausgefallen ist, gab es zuvor erst ein Mal. Das war 2017 und hatte vor allem finanzielle Gründe. Erheblich weniger los war in Bamberg jedoch nicht. Vor drei Jahren trafen sich zum eigentlichen Zeitpunkt der Sandkerwa trotzdem scharenweise Feierlustiger im Sandgebiet.

Zahlreiche Fans wollten den Ausfall offenbar nicht hinnehmen und feierten im August 2017 kurzerhand eine "Wilde Sandkerwa" in der Sandstraße. Befürchtet die Polizei durch den coronabedingten Ausfall der Sandkerwa 2020 ähnliche Szenen?

Vor drei Jahren gab es freilich keine Pandemie, dennoch werden wahrscheinlich auch am kommenden Wochenende einige Menschen den Weg in die Bamberger Innenstadt finden. Die Bamberger Polizei ist deshalb für das "Sandkerwa"-Wochenende gut aufgestellt.

"Stehbier-Verbot" und verstärkte Kontrollen der Polizei

Starke und der zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) weisen laut einer Mitteilung darauf hin, dass auch eine "Sandkerwa light" wegen der momentanen Corona-Auflagen nicht stattfinden kann. "Uns ist bewusst, dass die Bambergerinnen und Bamberger ihre Sandkerwa vermissen", räumten Starke und Glüsenkamp ein. Sie bitten die Bürger daher, sich die Gründe hinter der Absage bewusst zu machen. "Oberstes Ziel ist nach wie vor, das Infektionsgeschehen so gering wie möglich zu halten. Bitte strömen Sie deshalb in den kommenden Tagen nicht ins Sandgebiet", appellieren die Bürgermeister. 

Unabhängig von der Corona-Pandemie gibt es in Bamberg bereits seit dem Jahr 1972 eine "Sondernutzungssatzung", die besagt, dass der Verzehr von Alkohol in bestimmten Bereichen, besonders bei einem längeren Aufenthalt, eine unerlaubte Sondernutzung darstellen könnte. Das sogenannte "Stehbier-Verbot" gibt es in Bamberg also schon lange. Der Genuss von Alkohol in der Sandstraße oder auf der Unteren Brücke wurde jedoch lange Zeit geduldet.

Inzwischen gilt seit einigen Wochen eine Allgemeinverfügung, die es Wirten untersagt, an Tagen vor Feiertagen und am Wochenende im Sandgebiet nach 20 Uhr Alkohol außerhalb konzessionierter Freischankflächen zu verkaufen. Während der "Sandkerwa" gilt die Allgemeinverfügung allerdings von Donnerstag (20.08.) bis Montag (24.08.). Auch wenn dieses Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken eine "Wilde Kerwa" bereits im Vorfeld eindämmen könnte, werden Kontrollen der Polizei nicht ausbleiben. 

Befürchtet die Polizei eine "Wilde Kerwa"?

"Wir gehen davon aus, dass die Wirte und Besucher der Stadt Bamberg vernünftig sind", sagt Polizeisprecher Jens Fischer im Gespräch mit inFranken.de, "dennoch werden wir verstärkte Kontrollen durchführen, so wie an den vergangenen Wochenenden auch." Vor allem im Bereich der Sandstraße, die ja als Bambergs Partymeile gilt, sowie der Unteren Brücke werden die Beamten besonders präsent sein. Unterstützt wird die Bamberger Polizei dabei von der Breitschaftspolizei. 

Eine "Wilde Kerwa" wie vor drei Jahren befürchten die Polizeibeamten laut Jens Fischer nicht. Das würde für die Wirte und Gastronomen "echt teuer", wenn sie gegen das Außer-Haus-Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken verstießen, betont Fischer.

An die Vernunft der Besucher und Wirte zu appellieren ist zwar richtig und wichtig, allerdings bleibt es nicht immer dabei. Wie Jens Fischer erzählt, seien die Menschen in den vergangenen zwar gut mit der Pandemie umgegangen, bei wiederholten Verstößen und besonders uneinsichtigen Besuchern mussten die Beamten durchaus einschreiten. 

In der Regel werde versucht, die betreffenden Personen zunächst mündlich zu belehren und auf deren Einsicht zu setzen, sagt Fischer. Das klappte in den vergangenen Wochen auch meist sehr gut. Doch es gibt natürlich auch immer wieder Fälle, bei denen die Polizei drastischer einschreiten muss. Es folgen dann zum Teil Anzeigen mit entsprechenden Bußgeldern, Platzverweise, das Sicherstellen der Getränke und im schlimmsten Fall eine Gewahrsamnahme durch die Beamten.

Der Bürgerverein Sand wird am Wochenende trotzdem feiern: Am Sonntag findet im kleinen Kreis ein Gottesdienst statt, danach wollen die Vereinsmitglieder noch gemütlich beisammen sitzen.