Schmelzendes Eis, überflutetes Ackerland, Kämpfe um Wasserquellen, unter Hitzewellen leidende Menschen, Tiere und Pflanzen - kann eine kleine Kommune wie Bamberg, in der die Jahresmitteltemperatur ebenfalls seit Jahrzehnten steigt, etwas gegen die globalen Auswirkungen des Klimawandels tun?

"Ja", findet Riccardo Schreck vom Bamberger Klimaschutzbündnis (BKB): "Bamberg muss seiner Teilverantwortung gerecht werden." Zum Beispiel bei der Energie- und Verkehrspolitik könne eine einzelne Kommune viel erreichen. Etwa bei der Wärme- und Energieversorgung öffentlicher Gebäude, bei der Beratung von privaten Hausbesitzern und Bauherren, bei der Nutzung und Erzeugung erneuerbarer Energien oder bei der Förderung des Bus- und Radverkehrs.

1500 Unterschriften

Wichtig ist Schreck vor allem, "dass Strukturen entstehen, die den Klimaschutz mitdenken". Und deshalb wünscht sich das BKB, dass der Bamberger Stadtrat in der Klima-Sondersitzung am 13. Oktober den Klimanotstand ausruft und den Forderungskatalog des Bündnisses umsetzt, für den 1500 Menschen aus Stadt und Landkreis Bamberg unterschrieben haben. So sollen etwa der Klimavorbehalt bei Stadtratsbeschlüssen, die Anstellung eines städtischen Klimaschutzmanagers und die Einrichtung eines Klimaschutzbeirats von Stadt und Landkreis durchgesetzt werden. Die Forderungen übergab das BKB am Freitag im Rahmen des Klimastreiks am Bahnhof an Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU). Starke bedankte sich für das Engagement und verwies auf bereits etwa 50 eingegangene Fraktionsanträge zur Klima-Sondersitzung.

In einem davon will Grünes Bamberg einen Teil der BKB-Forderungen umsetzen. Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) geht mit einem klaren Ziel in die Sitzung: "Bamberg soll in den kommenden Jahren deutschlandweit zu den führenden Kommunen im Klimaschutz gehören." Die ersten Beschlüsse auf diesem Weg sollen am 13. Oktober fallen.

Glüsenkamp reagiert auf Kritik

Die Frage ist, welche konkret. Schreck vom Klimaschutzbündnis sei zwar "dankbar und hoffnungsvoll", weil die Sondersitzung auf Druck des BKB stattfände und das Bündnis dort auch sprechen dürfe. "Wir sind aber noch skeptisch und wären gerne mehr einbezogen worden", sagt Schreck. Gerade von den Grünen hätten sich die Klimaschützer mehr erwartet, etwa das Eingehen auf Verbesserungsvorschläge zum Antrag.

"Das BKB als zivilgesellschaftliche Organisation hat sicher die weitreichendsten Forderungen. Das ist auch gut und richtig so", reagiert Glüsenkamp auf die Kritik. "Meine Rolle ist aber das Organisieren von Mehrheiten."

Das wird wohl leichter als im vergangenen Jahr, als sich die Mehrheit im Stadtrat noch gegen die Ausrufung des Klimanotstands aussprach, die Bambergs Linke Liste in einem Antrag forderte. Nun herrscht ein anderes Klima. "Ich bin optimistisch, dass ein großer Teil der Forderungen umgesetzt wird", sagt Glüsenkamp, der mittlerweile die stärkste Fraktion hinter sich hat und wohl mit der Unterstützung von SPD, ÖDP, Volt und Linken rechnen kann.

CSU und BuB dagegen

Doch in der Sitzung sind auch Widerworte zu erwarten. So war BuB-Vorsitzende Daniela Reinfelder bereits im vergangenen Jahr eine erklärte Gegnerin der Ausrufung des Klimanotstandes. Daran hat sich nichts geändert - eher im Gegenteil: "In Zeiten knapper Kassen haben wir andere Prioritäten. Das Geld, dass die Einrichtung von Stellen und der Verwaltungsaufwand kosten würde, würde ich lieber anders verwenden - vor allem für Kindergärten und Schulen", sagt Reinfelder im Hinblick auf einen Fehlbetrag von etwa 40 Millionen Euro für das kommende Haushaltsjahr.

Klimaschutz müsse individuell passieren: "Jeder Bürger kann im Kleinen etwas tun." Reinfelder selbst habe sich etwa erst kürzlich eine Brennstoffzellenheizung angeschafft, die Wärme wie Energie erzeuge. Hier könne man die Bürger vielleicht besser informieren. "Aber was lässt sich mit dem Klimavorbehalt im Stadtrat ändern?"

Auch Peter Neller (CSU) verweist auf die schlechte finanzielle Lage der Stadt. "Wir haben wirklich andere Sorgen. Der Stadt geht es so schlecht wie schon lange nicht mehr und wir müssen schauen, wie wir unsere Pflichtaufgaben erfüllen", so der Vorsitzende der CSU-BA-Fraktion. Er sehe nur sinnlosen Verwaltungsaufwand. "Wenn die grün-rot-linke Mehrheit das Durchsetzen will, soll sie es machen. Aber nicht mit unserem Segen." Bamberg brauche keinen Aktionismus. "Was soll das auch bringen?"

Laut Glüsenkamp habe eine Studie gezeigt, dass rund 40 Prozent der kommunalen Beschlüsse Klimarelevanz hätten. Ein Klimamanager solle die Auswirkung städtischer Entscheidungen künftig entsprechend prüfen. Eine solche Stelle sei laut Glüsekamp für finanzschwache Kommunen zu 100 Prozent förderfähig. Mittelfristig wünscht sich der Grüne Bürgermeister eine Schulung von Verwaltungsmitarbeitern aus allen Fachsenaten, damit diese die Aufgabe später selbst übernehmen könnten. Besonders bei der Gebäudeplanung und -sanierung sehe Glüsenkamp Chancen, nachhaltiger vorzugehen, wenn entsprechende Strukturen entstünden.

Beispiel Muna

Der Klimavorbehalt hätte zwar keine bindende Wirkung und wäre nur eine Handlungsempfehlung an die in ihrer Entscheidung freien Stadträte. "Dadurch werden Projekte aber anders gedacht", ist Glüsenkamp überzeugt. Hätte es den Klimavorbehalt beispielsweise schon gegeben, als Gewerbeflächen auf der Muna diskutiert wurden, "wäre vielleicht schon früher anders geplant worden", schätzt Glüsenkamp.