Am Schönleinsplatz, wo in der Advents- und Weihnachtszeit das Christkind mit der Heiligen Familie, Ochs und Esel eine Unterkunft in der geräumigen Krippe finden, sollte zu Ostern auch ein Plätzchen für Osterhasen sein. Tatsächlich tummelt sich seit Mittwoch in der Früh' eine achtköpfige Hasengruppe auf der Rasenfläche. Die 80 Zentimeter großen Tiere sind ein ironisch-kritischer Kontrapunkt zu den gegenüber sitzenden acht roten Männern des chinesischen Künstlers Wang Shugang.

Während die chinesischen Männer mit offizieller Genehmigung der Stadt Bamberg herumhocken dürfen, sind die Hasen gewissermaßen illegal. Das Künstlerinnen-Duo "Ringelhoff & Bollermann" (Barbara Bollerhoff und Petra Ringelmann) hat sie in der Nacht zum Mittwoch aufgestellt. Sie beiden möchten mit ihrer Aktion einen Anstoß geben, über das Thema Vielfalt nachzudenken. Damit beschäftigen sich die beiden Bambergerinnen schon lange: Ausgehend von den Erfahrungen mit einem behinderten Kind entstanden vor Jahren die Kinderbücher in der Reihe "Der Hase mit dem blauen Ohr". Die roten Chinesen haben ihnen eine Steilvorlage geliefert, das Thema neu aufzugreifen. Die Chinesen, so sagen Barbara Bollerhoff und Petra Ringelmann, konterkarieren die Bedeutung von Vielfalt.

Ihre Hauptkritik an den roten Männern: Sie schauten nur nach innen in den Kreis und seien ausschließlich auf sich selbst bezogen. Die roten Hasen dagegen stünden für Offenheit, weshalb ein Exemplar immer aus dem Kreis herausschauen solle.


Einladung zur Interaktion

Allerdings: Die ordnungsliebenden Bamberger sind damit nicht unbedingt einverstanden. Immer wieder drehen Passanten den aus der Reihe tanzenden Hase um und bringen ihn auf Linie. Die Künstlerinnen sehen das gelassen und freuen sich, dass die leichten Kunststoffhasen, die sie bearbeitet und eingefärbt haben, zur Interaktion einladen. "Das ist doch cool!"

Die Stadt Bamberg hat auf die Hasen-Invasion auf dem Schönleinsplatz schon reagiert - zwiegespalten. Auf ihrer Facebookseite "Stadtportal Bamberg" findet Kulturbürgermeister Christian Lange es einerseits "ganz großartig, dass Wang Shugans Kunstwerk (die roten Männer) so etwas auslöst. Die intensive Beschäftigung der Menschen mit den hockenden roten Männern ist einzigartig." Außerdem lädt er die ihm gestern Morgen noch nicht bekannten Künstler ein, "mit uns ins Gespräch zu kommen". Gleichzeitig dämpft er Erwartungen, das Kunstwerk dürfe wie die roten Männer zur Dauereinrichtung werden. Solang es sich um eine temporäre Kunstaktion handle, werde man das Osterhasenmeeting "zum Beispiel bis Ostern" dulden. Sollte es länger stehen bleiben, müsse die Stadt es konsequenterweise abräumen.
 

 


Dazu wird es nicht kommen, denn Ringelhoff & Bollermann haben angekündigt, die Hasen am Donnerstag nächster Woche, 30. März, wieder in ihre Obhut zu nehmen. Die roten Hoppelmänner werden Teil einer neuen Kunstschau unter dem Thema "Vielfalt 17" im Atelierhaus 3A in der Suidgerstraße sein. Zur Eröffnung um 19 Uhr sind alle interessierten Bamberger willkommen.