Kurz vor 18 Uhr ging in der Lokalredaktion ein Anruf aus Berlin ein: Alexander Ochs-Barwinek ließ durch eine Mitarbeiterin seiner Galerie mitteilen, dass die "roten Männer" am Freitag ab 6 Uhr wieder am Schönleinsplatz hocken würden. Darauf habe er sich soeben mit Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) verständigt.

Vor einer Woche hatte er das Kunstwerk "Meeting" von Wang Shugang aus dem Stadtbild genommen. Nachdem der Stadtrat eine schnelle Standort-Entscheidung in seinem Sinn für den Schönleinsplatz traf, sollen die Figuren über Nacht zurück kehren.

Nächste Woche wollen Ochs, Galerist des chinesischen Künstlers Shugang, und eine Gruppe von Mitstreitern damit beginnen, Geld für den Ankauf der beliebten Installation zu sammeln.
Die Spenden-Akquise will man zu einer "Sache aller Bambergerinnen und Bamberger und ihrer Freunde und Gäste" machen.
240 000 Euro müssen zusammen kommen; große und kleine Spender sollen angesprochen werden.


Unterstützer-Kreis gebildet



Wie genau die Finanzierung der Skulpturen-Gruppe gelingen kann, will Alexander Ochs-Barwinek nächste Woche mitteilen. "Wir arbeiten an einem Konzept", sagte er der Lokalredaktion auf Anfrage.
So viel verrät er schon: Man möchte gezielt das Internet als Informationsmedium und Plattform für Paten und Interessierte nützen.

Die Stadt wird erklärtermaßen nur logistische Unterstützung, aber kein Geld beisteuern. Tatkräftige Hilfe kann Ochs nach eigenen Angaben von einer Reihe von Bürgern erwarten, die auch an einem breiten Diskurs über Kunst und Kultur in Bamberg interessiert seien.

Der Kontakt zu ihnen sei den Sommer über entstanden, als er - Wahl-Bamberger und Galerist in Berlin und Peking - seiner Heimatstadt die Ausstellung "Circles/Kreise" schenkte. Sie zieht weiter Kreise. Der jüngste nennt sich "Kreis Bamberger Bürger für Kunst und Kultur" und will beim Sammeln von Geld helfen.


Beginnt eine neue Platz-Debatte?



Namhafte und in der Spendenakquise erfahrene Leute wie Birgit Dietz gehören dazu. Die Architektin hat zum Beispiel 2001, damals gemeinsam mit Andrea Hochmuth, das Geld zum Ankauf der Mitoraj-Skulptur an der Unteren Brücke zusammen getragen.

Wenn sie sich jetzt für den "Meeting"-Erwerb engagiert, dann auch deshalb, weil ihr die Bamberger Plätze am Herz liegen, sagte sie auf Nachfrage. Die "roten Männer" hätten dem Schönleinsplatz etwas von seiner alten Vitalität zurück gegeben, er finde wieder mehr Beachtung, freut sich Dietz.
Sie erinnert an ihre Initiative "Auf die Plätze", die sie vor Jahren als damalige CSU-Stadträtin ins Leben gerufen hat und die heute zu ihrem Bedauern auf Eis liegt. Sie hegt die Hoffnung, dass das Plätze-Projekt durch die neu aufgelebte Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum vorankommt.

Ähnlich äußert sich Ochs-Barwinek. Er gewinnt dem, wie er es nennt, "Findungsprozess der Politik" um den richtigen Standort für die "roten Männer", durchaus Positives ab. Die neue Gruppe will demnach mit möglichst vielen Menschen über Kunst in der Stadt ins Gespräch kommen.
Dem Kreis gehören neben anderen der Architekturfotograf und Sänger Uwe Gaasch, Kunstvereins-Vorsitzende Barbara Kahle, "Rondo"-Wirt Francesco Rubiu und die Kunsthistorikerin und Domberg-Koordinatorin Birgit Kastner an.

Gemeinsam begrüßen sie, dass das "Meeting" wenn, dann am Schönleinsplatz dauerhaft installiert wird. Dieser habe die Funktion eines Platzes für die Bürger, sei ein Kristallisations- und Kommunikationspunkt.

Man sei sich einig, heißt es in der ersten Pressemitteilung der jungen Gruppe, "dass sich der Platz durch die Skulpturengruppe in heutiger Sprache seinem historischen Gestaltungsanspruch nähert und sich vor allem wieder dem Bürger öffnet".

Stadtrat Matthias Alt (FW/BR), der als Einziger gegen den Schönleinsplatz stimmte, argumentiert freilich ebenfalls mit der Bedeutung dieser Grünanlage für Bamberg. Er sieht es eher wie die Stadtheimatpfleger, die den Platz lieber frei gehalten hätten für andere temporäre Kunst.