Dass Abbas S. und Nuri H. (Namen geändert) am 19. Januar 2017 in der Asylbewerberunterkunft Unterleiterbach einen syrischen Landsmann brutal ermordet und beraubt haben, zweifelt auch der Bundesgerichtshof nicht an. Allerdings hatte er das Urteil des Landgerichts Bamberg hinsichtlich des Strafmaßes für den heute 24-jährigen Abbas S. aufgehoben. Denn es sei nicht ausreichend geprüft worden, ob der zu lebenslanger Haft Verurteilte Anspruch auf eine Art Strafbonus hat. S. hatte zur Aufklärung der Tat beigetragen, indem er seinen Mittäter benannte und die Polizei auch zu der Stelle führte, wo die eingesetzten Messer beseitigt worden waren. Weil der Bundesgerichtshof einer entsprechenden Revision der Verteidigung teilweise stattgab, wurde der Mordprozess noch einmal in einer sehr abgespeckten Variante mit nur noch einem Angeklagten vor dem Landgericht Bamberg verhandelt.

Mehr als zwei Stunden lang wurde dabei das Urteil des Landgerichts vom 22. Februar 2018 verlesen, dem eine umfassende Beweisaufnahme mit 54 Zeugen und fünf Sachverständigen vorangegangen war. In der Neuauflage wurden nur zwei Zeugen befragt: Ermittler der Kriminalpolizei berichteten über das Aussageverhalten von Abbas S.

Nach der Tat hatte sich dem Hausmeister des Asylbewerberheims ein Bild des Grauens geboten: Gefesselt und geknebelt fand er die Leiche eines 26-jährigen Syrers, dessen Körper von Stich- und Schnittwunden übersät war. Wenige Tage später standen zwei weitere syrische Asylbewerber als Täter fest, die sich jedoch auch im darauffolgenden Prozess vor dem Landgericht Bamberg gegenseitig die Schuld zuschoben. Am Ende glaubte die Jugendkammer der Version des heute 21-jährigen Nuri H., wonach Abbas S. der Haupttäter war, der die meisten Messerstiche und Schnitte ausgeführt hat.

Aber auch Nuri H., der zumindest den ersten Stich in den Hals des Opfers anbrachte, dieses mit festhielt und fesselte, hatte sich des Mordes schuldig gemacht. S. bekam eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, während H. zu zwölf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden ist. Das Gericht hatte zudem bei beiden eine besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das bedeutet im Falle von Abbas S., dass die Haft nach 15 Jahren noch keinesfalls beendet sein wird.

Die beiden Täter hatten den 26-Jährigen, der als freundlicher, hilfsbereiter und strebsamer Mann galt, zunächst in ein belangloses Gespräch verwickelt. Dann stachen sie insgesamt 18 Mal auf Hals, Brust und Bauch des Mannes ein, versetzten ihm Schnitte an den Unterarmen, bevor sie ihn noch fesselten und knebelten. Schließlich raubten sie ihm 1260 Euro und ein Zugticket. Eigentlich galten die Mordpläne an jenem Abend einem anderen Bewohner des Heims. Der kam nur durch glückliche Umstände mit dem Leben davon, weil er die beiden Mörder nicht in sein Zimmer ließ. Doch auch er leidet bis heute unter dem Geschehen.

Abbas S. war bald nach dem Verbrechen in Verdacht geraten, weil er einem Bekannten Dinge verriet, die nur ein Täter wissen konnte. Unter anderem, dass der Tote gefesselt war. Weil die Polizei zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass Nuri H. an jenem Abend mit S. unterwegs war, wurde auch H. vom Zeugen zum Beschuldigten. S. war es dann, der in der Vernehmung und auch später in der Verhandlung den Jüngeren als Haupttäter bezeichnete. Einer der Kripo-Beamten machte deutlich, dass man die Tatwaffen ohne S. wohl nicht gefunden hätte. Auf H. als Mittäter wäre die Polizei aber auch ohne die Aussage von S. gekommen - aufgrund von Fingerabdrücken am Tatort.

"Sie haben zu prüfen, ob sich die Aufklärungshilfe durch meinen Mandanten auf die Strafbemessung auswirken kann oder muss", erklärte Pflichtverteidiger Thomas Drehsen und forderte eine kürzere Haftstrafe. Oberstaatsanwalt Otto Heyder sah zwar einen Beitrag zur Tataufklärung, der genüge jedoch angesichts des verübten Verbrechens nicht für eine niedrigere Strafe: "Es wäre doch eigentlich absurd, wenn jemand, der seinen Mittäter fälschlich belastet noch eine Strafmilderung bekommt." Dem folgte auch die Strafkammer unter Vorsitz von Manfred Schmidt. Den Paragrafen 46 b des Strafgesetzbuches, der eine mögliche Strafmilderung für Hilfe bei der Aufklärung vorsieht, hätte man schon damals prüfen müssen. Aber angesichts der sonstigen Umstände falle die Aufklärungshilfe durch den 24-Jährigen nicht strafmildernd ins Gewicht.

"Die Tat hatte eine unglaublich brutale Prägung. Seit ich Vorsitzender bin, kann ich mich nicht an etwas Ähnliches erinnern", erklärte Schmidt. So blieb die Kammer bei der lebenslänglichen Strafe für Abbas S. und stellte erneut die besondere Schwere der Schuld fest. Abbas S. hatte in seinem letzten Wort noch um eine zweite Chance gebeten: "Ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe."

Für das Gericht ging es ihm aber weniger darum, zur Aufklärung beizutragen, als von der eigenen Schuld abzulenken und dafür auch "bewusst wahrheitswidrig" gegen H. auszusagen. Beiden Angeklagten wurde eine "gleichgültige Einstellung gegenüber dem Lebensrecht anderer Menschen" konstatiert. Denn schon am Tag nach der Tat gingen sie mit Freunden in einer Diskothek feiern, als ob nichts passiert wäre.