"Ich weiß nur, dass kein Buchhandel reinkommt." Mehr könne er dazu nicht sagen, antwortet Klaus Stieringer bedauernd auf die Frage zur Görres-Nachfolge am Grünen Markt. Auch Pius Schiele, der Sprecher der Interessengemeinschaft Lange Straße, muss passen: "Ich weiß gar nichts!"

Ungewöhnlich blank sind Bambergs sonst so gut informierten Kreise in diesem Fall. Obwohl seit einem halben Jahr bekannt ist, dass das alteingesessene Geschäft Weihnachten schließt, ist scheinbar nichts darüber durchgesickert, wie es am Grünen Markt 5 weitergeht.

Die Adresse steht für Bestlage: Fußgängerzone und ganz nah am Gabelmann-Brunnen, einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Touristen.
Das Anwesen gehört einem Krefelder, den die Lokalredaktion nicht erreichen konnte.

Attraktiver Standort


Der ausgesprochen attraktive Standort ist es zugleich, der den Citymanager zu der Annahme verleitet, dass sich wohl kein hiesiger Geschäftsmann dorthin verändern dürfte. Für die meisten inhabergeführten Läden sei die Fußgängerzone ein zu teures Pflaster.

Laut Stieringer werden in Bambergs Bestlage Mieten zwischen 50 und 70 Euro je Quadratmeter verlangt. Wahrscheinlicher ist, dass ein namhafter Filialist Görres nachfolgen wird. Stieringer berichtet von einer anhaltend hohen Nachfrage überregionaler Marken für Flächen im Herzen der Welterbestadt.

Nicht einmal die bisherigen Mieter wissen Näheres. Michael Genniges, zusammen mit Jürgen Reichert Geschäftsführer der Hübscher Görres GmbH, ist "sicher, dass der Hausbesitzer schon einen Nachfolger unter Vertrag hat" und "dass es dort ganz schnell weitergeht". Mit welcher Branche? Genniges rechnet "mit Textil". Jedenfalls wäre er sehr froh, wenn es kein Buchhaus würde, wie Stieringer zu wissen glaubt.

Als Online-Shop geht es weiter

Das würde den noch bestehenden Bamberger Buchhäusern Hübscher und Collibri das Überleben erleichtern. Dass Görres - aus dem 1874 gegründeten Ladengeschäft der Schmidt'schen Buchdruckerei am Holzmarkt hervorgegangen - aufgelöst wurde, ist eine Folge des heiß umkämpften Buchmarktes. Seit immer mehr Leute ihren Lesestoff über das Internet bestellen, sinken im Handel die Umsätze. Bezeichnend ist, dass Görres als Laden zwar nicht mehr existiert, der alteingesessene Firmenname aber als Online-Shop erst einmal erhalten bleiben soll.

Die Konkurrenz des Internets hat auch Klaus Stieringer im Blick, wenn er sich als Nachfolger für die Bücher am Grünen Markt 5 hochwertige Mode wünscht. Mit "Fashion" kann die Innenstadt seiner Meinung nach gegenüber der "grünen Wiese" und dem Online-Handel noch punkten, weil die Leute beim Kauf von Bekleidung immer noch liebe in "echte" Läden mit Umkleidekabinen gehen würden.

"Wir brauchen Geschäfte, die ziehen und nicht noch einen Filialisten mehr", sagt Pius Schiele auf die Frage, was er sich am bisherigen Görres-Standort wünschen würde. Von einem guten Sportgeschäft würde er sich einen Gewinn für Bamberg erwarten, Lage und Räumlichkeiten hält er für ideal.

Bücher aus Müllcontainer geholt

Der 24. Dezember war der letzte Verkaufstag bei Görres. Danach begann das Ausräumen, landeten auch Bücher im Abfall. Noch am Samstag sah man Passanten, die sich aus den Mulden bedienten, die vor dem Haus standen.

Genniges versicherte auf Nachfrage, dass nicht etwa im großen Stil Bücher weggeworfen worden wären. Nur beschädigte oder echte Ladenhüter seien entsorgt worden. Das übrige Warenangebot habe Hübscher übernommen - auch die theologische Literatur, auf die Görres traditionell spezialisiert war.

Übernommen wurden nach Auskunft des Geschäftsführers auch zwei der zuletzt sechs Mitarbeiterinnen, darunter eine Auszubildende, die bei Hübscher zu Ende lernen kann. Eine Ehemalige habe eine neue Anstellung, "für drei haben wir leider keine Lösung gefunden".

Für Einrichtungsgegenstände aus dem Laden fand man Abnehmer in Bamberger Pfarreien und sogar bei der Freiwilligen Feuerwehr. Letztere konnte Vitrinen für ihr Museum brauchen.