Die Brose Baskets marschieren Richtung Titel. Ihnen fehlt nur noch ein Erfolg zur siebten Meisterschaft. Nach dem Heimsieg gegen den amtierenden Champion Bayern München können die Jungs um Trainer Andrea Trinchieri am Mittwoch den Sack zumachen.

Tausende Fans verwandeln dann den Maxplatz beim Public Viewing zum Epizentrum von Freak-City. Und es verwundert wirklich nicht, wenn aus sonst eher ruhigen Promis aus Politik, Wirtschaft oder Kultur plötzlich mehr oder weniger heißspornige Fans und glühende Anhänger ihrer Brose Baskets werden.

So wie Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Er analysiert fundiert, warum sein Team den Erfolg verdient hat: "Der Neubeginn war einschneidend: neue Mannschaft, neuer Trainer, neues Management! Niemand durfte erwarten, dass sich das Team so schnell findet und mit einer attraktiven Spielweise die Herzen der Fans gewinnt. Dieser Teambasketball ist großartig und es wäre die Krönung einer tollen Saison, wenn sogar am Ende die Meisterschaft errungen wird. Besonders hervorheben möchte ich Andrea Trinchieri, der nicht nur ein charismatischer Coach ist, sondern mittlerweile auch ein begeisterter Bamberger: Grandissimo!"

"Wechsel ganz normal"

So eine Final-Serie offenbart neue Seiten. Wer hätte gedacht, dass etwa Bier-Kenner und Buchautor Markus Raupach ein echter Basketball-Experte ist. Für ihn ist klar: "Ich denke, die Brose Baskets haben die Meisterschaft aus zwei Gründen verdient: Erstens wegen ihrer wirklich grandiosen Energieleistung in München und zweitens, weil sie zeigen sollen, dass es auch ohne Heyder und Fleming klappen kann, ein Wechsel im Trainerstab und Management also ein ganz normaler Vorgang im Spitzenbasketball ist."

Als IHK-Präsident vertritt er die Unternehmen, doch sein Herz schlägt für den Basketball. Schon als Bub war Heribert Trunk von dem Spiel fasziniert und hat seit gut 15 Jahren kein einziges Spiel der Play-Off-Serien versäumt: "Der neue Trainer hat sein Konzept mutig und entschlossen ohne Top-Stars durchgezogen. Die Mannschaft steht nun über allem. So ein Denken ist auch ein tolles Signal für unsere Jugend. Die mannschaftliche Geschlossenheit ist das Ziel und keine egoistische Ellenbogen-Mentalität. Eine echte Werbung für unsere Region. Oder einfach gesagt: Die Brose Baskets haben in dieser Saison alle positiv überrascht und greifen nun zurecht nach dem Titel."

Außergewöhnliche Persönlichkeit

Uni-Kanzlerin Dagmar Steuer-Flieser stellt das einzigartige Team in den Mittelpunkt: "Die Brose Baskets haben den Sieg um die Deutsche Meisterschaft verdient, weil sie auch Dank der außergewöhnlichen Persönlichkeit des Trainers in so kurzer Zeit eine Mannschaft geworden sind." Und sie fügt noch einen Grund an: "Weil derjenige, der über die ganze Saison die meisten Spiele gewonnen und die wenigsten verloren hat, letztendlich auch Meister werden soll!"

Während des Finales verliert sogar Justitia ihre Unparteilichkeit. Das gesteht Gudrun Göller, Leiterin des Amtsgerichts, dem Fränkischen Tag: "Ich bin, glaube ich, zwar eine der ganz wenigen Bambergerinnen, die von Basketball keine Ahnung hat. Aber natürlich werde auch ich mich freuen, wenn die Bamberger Meister werden."

So eindeutig kann sich ein Innenminister nicht äußern. Joachim Herrmann (CSU) meint auf FT-Anfrage politisch korrekt: "Die Besseren haben den Sieg verdient."

Sein Amtskollege, Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU), wird deutlicher: "Ich drücke den Bambergern die Daumen. Im Fußball respektieren wir den Erfolg der Bayern, aber beim Basketball ist Franken dran."

Sogar die Finanzwirtschaft legt sich fest, warum die Domstädter vorne liegen werden. Sparkassen-Vorstand Konrad Gottschall: "Weil Basketball in Bamberg kein kurzfristiger Modetrend ist, sondern eine langjährig gewachsene Sportkultur hat, und begeisterte Fans diese Kultur Jahr für Jahr hochemotional und intensiv leben. So etwas gibt es nur in Bamberg, Freak-City." Einen Bogen von Tradition zum Sport knüpft Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe: "Mit seinem kulturellen Erbe spielt Bamberg seit Jahrzehnten auf Weltklasse-Niveau. Natürlich ziehen unsere Basketballer nach!" Bei soviel Euphorie und Unterstützung dürfte einem Happy End morgen Abend nichts im Weg stehen.