Am Tag der Europawahl wurde im 660 Autobahn-Kilometer entfernten Ivancna Gorica ein Straßenschild enthüllt, das die über 100 anwesenden Hirschaider mit Freude und Stolz erfüllte: Cesta obcine Hirschaid - Straße der Gemeinde Hirschaid, symbolträchtig dekoriert mit den slowenischen Farben Weiß-Blau-Rot und dem deutschen Schwarz-Rot-Gold.

Das ist ein markantes Wegzeichen einer nunmehr 15-jährigen Gemeindepartnerschaft. Und es weist in die Zukunft, denn diese von Altabt Anton Nadrah gesegnete Straße erschließt das moderne Schulzentrum von Ivancna Gorica. Die Lindenallee wird von vielen Besuchern des Kindergartens, der Grund- und der Mittelschule frequentiert, jungen Slowenen, denen so fast täglich die Vision von einer friedlichen und erfolgreichen Zukunft aller Völker dieses Kontinents begegnet.
Etliche dieser Schulkinder werden früher oder später Hirschaid kennenlernen, Freundschaften mit Franken schließen, ihren Horizont erweitern.

Grundsolide Freundschaft

An die beiden Hirschaider, die den Grundstein für diese Partnerschaft legten, Ingeborg und Hubert Patzelt, wurde bei den Veranstaltungen zum 15. Jahrestag der Besiegelung der Partnerschaft gerne erinnert: Das Ehepaar Patzelt stieß vor 40 Jahren bei Forschungen zum Zisterzienserkloster Ebrach auf dessen 1132 erfolgter Ausgründung in Sticna, einem Ortsteil der heute 18 000 Einwohner zählenden Gemeinde in der Region Unterkrain.

Den verarmten Mönchen zu helfen, entschloss sich dann auch Bürgermeister Andreas Schlund bei seinem ersten Besuch des in kommunistischer Zeit vernachlässigten, teilweise verfallsbedrohten Klosters. Sein damaliger Amtskollege Jernej Lampert ließ sich von der Idee einer Gemeindepartnerschaft überzeugen. Daraus erwuchs mit den Jahren eine grundsolide Freundschaft, die über offizielle Beziehungen zwischen den Kommunalpolitikern, Kirchen, Schulen, Feuerwehren und Vereinen bis in die private Ebene reicht: Hier wie dort wird schon mal das Elternschlaf- oder Kinderzimmer den Gästen aus der Partnergemeinde zur Verfügung gestellt.

Erfolge bleiben nicht aus

Gefördert von der Europäischen Union wird so auf vielen Ebenen die europäische Idee mit Leben erfüllt. Erfolge bleiben nicht aus. Mittlerweile kommen sogar Jugendliche aus Ivancna Gorica nach Hirschaid, um sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Der Freundeskreis für das Kloster Sticna wuchs auf über 300 Förderer.

Die neuen Bürgermeister der beiden Gemeinden, Dušan Strnad und Klaus Homann, sind willens, die Partnerschaft stets neu mit Leben zu erfüllen. Sie übernehmen diesen Auftrag aus voller Überzeugung von den beiden bisherigen Hauptakteuren Jernej Lampert und Andreas Schlund, die im Verlauf eines kulturell anspruchsvollen Festabends in der Sport- und Festhalle der Grundschule Stična zu Ehrenbürgern von Ivancna Gorica ernannt wurden. Gewürdigt wurden auch andere Aktive der Partnerschaft wie Romana Gensel, Norbert Rittmaier, Klaus Busch und Klara Ruderich.

Ivancna Gorica zählt zu den bestentwickelten Gemeinden Sloweniens, das vor zehn Jahren in die EU aufgenommen worden ist. Visitenkarte ist ein auf CD gebranntes, eindrucksvolles Gemeindeporträt von den "Zwölf Perlen", dem Dutzend weit verstreuter Ortsteile, die Einheimischen wie Gästen ein "angenehmes Zuhause" bieten. Sie macht richtig Lust, die in eine grüne Hügellandschaft gebettete Großgemeinde zu durchwandern. Man trifft auf äußerst gastfreundliche Menschen und eine vom Massentourismus noch verschonte Infrastruktur.

Auf ein Wiedersehen

Bereichert um einen Crashkurs in slowenischer Sprache, einer Vorlesung von Professor Alojzij Socan über den (mittelprächtigen) Stand der Europäischen Union, der Parodie auf eine Schulstunde aus der "guten" alten Zeit und der berührenden Eucharistiefeier mit dem Altabt des Klosters Sticna, Anton Nadrah, in der eindrucksvollen Josefs-Kirche fühlte jeder Hirschaider Gast die Wertschätzung wirklich liebenswerter europäischer Nachbarn.
Man bleibt sich treu und freut sich schon aufs Wiedersehen in Hirschaid!