Andreas Kunst, "Baujahr 1972", kann sich noch gut an seine ersten Autokino-Erfahrungen erinnern, im Alter von 18 Jahren am Marienberg in Nürnberg. "Im Auto hat man mit seiner Freundin mehr Zweisamkeit, als wenn neben einem einer Popcorn mampft. Es ist einfach intimer. Und ein besonderes Erlebnis", beschreibt er die grundsätzlichen Vorteile. Dazu kommen derzeit einfache Möglichkeiten, Abstand zu halten - weshalb auch trotz Corona während des Films keine Masken benötigt werden. Ein Grund, warum das Autokino nach seiner Hochphase in Deutschland in den 1960er- bis 80er-Jahren derzeit eine Renaissance feiert.

Nun wird auch der Forchheimer Messeveranstalter und Betreiber der Volksbank-Eventhalle selbst zum Organisator eines Autokinos: Ab 12. Juni gibt es vom eigenen Gefährt aus jeden Abend Filme auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Market Hallstadt zu sehen. Den Anfang macht auf der sechs mal zwölf Meter großen Leinwand der Klassiker "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino (1994), der sich in deutschen wie amerikanischen Autokinos nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Platz ist für bis zu 120 Autos. Karten und Naschpakete können im Internet vorbestellt werden, um Kontakte zu minimieren.

Idee aus der Not

Die Idee kam dem "leidenschaftlichen Kinogänger" Kunst vor einigen Wochen, als er noch coronabedingt in Südafrika festsaß und auf einen Heimflug wartete. Und die Idee kam nicht ganz freiwillig: "Bis März/April 2021 fallen alle Messen und Veranstaltungen aus. Mir fehlt also mindestens ein ganzes Jahr", erklärt Kunst. "Aber da muss ich durch. Mich gibt es lange genug, deshalb schaffe ich das." Allerdings müsse er sein Privatvermögen hernehmen, um die Firma durchzubringen. Die Ausfälle mit dem Autokino in Hallstadt auszugleichen, halte er für höchst unrealistisch. "Aber ich bin froh, dass ich meine Mitarbeiter beschäftigen kann."

Zunächst hatte es Kunst in Forchheim versucht, doch nach zwei Wochen intensiver Bemühungen kein passendes Gelände gefunden. Zunächst war das Annafest-Gelände angedacht, doch Anwohner befürchteten Lärm und wehrten sich dagegen. Nach weiteren vergeblichen Versuchen kam er auf Hallstadt - kein unbekannter Ort für Kunst: Er hat die Eröffnungsfeier des Einkaufszentrums Market im Jahr 2006 organisiert. Die Geschäftsführerin sei von der Autokino-Idee begeistert gewesen und habe schnell zugesagt.

Auch mit der Stadtverwaltung habe es keine Probleme gegeben. "So konnten wir das innerhalb von zehn Tagen auf die Beine stellen", freut sich Kunst. Auch Sponsoren habe er schnell gefunden - "weil sich das alleine vom Eintrittspreis nicht rechnet". Der liegt bei 22 Euro pro Auto.

Einen Vorteil von Hallstadt sieht er in der Nähe zur Autobahn. Das ist auch der Grund, warum Bürgermeister Thomas Söder (CSU) keine Lärmbelästigung für Anwohner fürchtet. "So lange die Leute über die Autobahn kommen und nicht durch das Wohngebiet fahren, sehen wir keine Probleme", sagt Söder. Er halte es "nach der schwierigen Zeit für eine schöne Wiederbelebung und Normalisierung".

In anderen Städten, etwa München, wehren sich einige Mitglieder der Grünen gegen Autokinos. Wie sieht es da in Hallstadt aus? Grünen-Fraktionsvorsitzende Verena Luche habe sich mit dem Thema noch nicht eingehend beschäftigt, ihre Parteikollegen noch nicht dazu befragt und könne so nur ihre eigene Meinung wiedergeben. "Ich persönlich bräuchte es nicht", sagt sie. "Aber so lange das Auto während des Films nicht laufen muss, also Energie und Ressourcen verbraucht, habe ich auch nichts dagegen."

Hier kann Veranstalter Kunst beruhigen: "Für das Autoradio reicht die Batterie in der Regel aus", sagt er. Falls Fahrzeugen doch der Strom ausgehen sollte, stünden Starthilfen bereit.

Das Autokino in Hallstadt auf einen Blick

Wann geht's los? Am Freitag, 12. Juni, ab 20.30 Uhr auf dem Parkplatz Market. Eröffnungsfilm ist "Pulp Fiction".

Wie geht's weiter? Zunächst ist eine Woche lang jeden Abend ein weiterer Film geplant. Weitere Veranstaltungen sind möglich. Das genaue Programm steht noch nicht fest. Wie funktioniert's? Tickets und weitere Informationen finden Sie online unter www.bamberger-autokino.de. Hier können auch Snack-Pakete (Popcorn, Getränke, Süßes und Salziges) bestellt werden. Die Tickets werden am Eingang kontaktlos gescannt. Dann wird das Fahrzeug geparkt und die Tonfrequenz im Autoradio eingestellt. Falls die Autobatterie nicht ausreichen sollte, sind Starthilfen vorhanden. Der Film wird über eine 12 mal 6 Meter große Leinwand übertragen. Der Eintritt kostet 22 Euro pro Auto - egal, wie viele Personen sich darin befinden. Es gibt 120 Plätze.