Einerseits: ein extrem breiter Gehsteig, auf dem keine Autos stehen dürfen. Andererseits: ganz schmale Gehsteige, die zur Hälfte zugeparkt werden. Angesichts dieser Ungleichbehandlung beim Parken verstehen die Anwohner am Theodor-Heuss-Ring in Bamberg-Ost die Welt nicht mehr. Unabhängig voneinander haben sich unsere Leser Leonhard Fehn und Armin Merz mit ihren Klagen an die Lokalredaktion gewandt.


Mehrfach Knöllchen verteilt

Leonhard Fehn ist empört: Seit 41 Jahren wohnt er am Theodor-Heuss-Ring in Bamberg-Ost. Vor seinem Haus erstreckt sich zwischen einer Wendeplatte und der 90-Grad-Kurve in Richtung Hans-Birkmayr-Straße ein Gehsteig, der die Bezeichnung "überbreit" verdient. Autos dürfen darauf aber nicht mehr parken. Mehrfach wurden in den letzten Wochen Knöllchen verteilt und somit die Autos der Anwohner auf die Fahrbahn gezwungen.


Sinnlos breiter Gehsteig

Der Unterschied zwischen der jetzt sehr eng gewordenen Fahrbahn und dem riesigen, in der Wohnsiedlung meist ziemlich leeren Gehsteig ist "unverhältnismäßig". So empfindet es Leonhard Fehn - und so ist auch der Eindruck, den man an einem trüben Dezembermorgen am Theodor-Heuss-Ring gewinnen kann. Stünden die Autos auf dem Gehweg, wäre nichts verloren: Immer noch könnten zwei Kinderwagen nebeneinander her geschoben werden - nur mal als Beispiel.

Bisher hat das ja auch funktioniert - "ohne jede Beanstandung", wie Leonhard Fehn berichtet. Das aber hat sich geändert: "Seit kurzem kommt regelmäßig ein Bediensteter der Stadt und bedenkt jedes Fahrzeug am Gehweg mit einer Ordnungsstrafe von 20 Euro. Nun parken alle Autos auf der Fahrbahn, was verkehrstechnisch nicht ganz ungefährlich ist."


Keine Schäden zu sehen

Fehn hat versucht, selbst eine Antwort auf dieses Vorgehen zu finden. Verursachen die stehenden Autos auf dem Gehsteig vielleicht Schäden, die es zu vermeiden gilt? Nein, meint er. Schäden seien nicht zu sehen. Dabei stünden häufig Handwerker mit viel schwereren Fahrzeugen auf dem Gehsteig.

Unabhängig von Fehn hat sich auch Armin Merz an die Lokalredaktion gewandt. Er spricht von einem Schildbürgerstreich, dabei hätten die Anwohner am Theodor-Heuss-Ring "sehr große Parkprobleme, die noch von den Schülern der naheliegenden Schulen vergrößert werden".

Was also ist der Grund für die Knöllchen? Aus dem Ordnungsamt hat Armin Merz auf seinen Beschwerdebrief eine knappe Antwort erhalten. Darin heißt es, das Gehwegparken "im Theodor-Heuss-Ring im Bereich der Anwesen 7-11" könne nicht befürwortet werden. "Der Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) als zuständiger Straßenbaulastträger befürchtet durch das Parken zu große Schäden am Gehweg und lehnt hier die Nutzung des Gehwegs zum Parken ab."

Eine sinngemäß gleiche Antwort kommt von der Pressestelle der Stadt Bamberg: "Wo und wie in der Stadt geparkt werden darf, wird laufend immer wieder überprüft. Im besagten Bereich Theodor-Heuss-Ring 7-11 hat der EBB dies als zuständiger Straßenbaulastträger aus technischen Gründen nicht mehr befürwortet. Erlaubt ist das Parken in den Parkbuchten sowie auf der Straße, wenn genügend Restfahrbreite gegeben ist.


Gespräche mit Anwohnern

Dies ist hier der Fall und die Anwohner praktizieren dies auch bereits, wie sich Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes...überzeugt haben. Das Parken auf der Straße hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass es geschwindigkeitsreduzierend wirkt - es handelt sich ja um eine reine Wohnstraße. Insgesamt hat es zu dem Thema mehrere ausführliche Gespräche mit Anwohnern gegeben." Soweit die Pressestelle. Armin Merz widerspricht der Behauptung der Stadt, parkende Autos würden den Gehsteig kaputt machen: "Richtig ist, dass vor drei Jahren sämtliche Versorgungsleitungen am Theodor-Heuss-Ring ausgewechselt wurden und die Straße teilweise nur über den Gehweg befahrbar war. Vom Pkw bis zum großen Müllfahrzeug wurde der Gehweg befahren. Sollten Schäden am Gehweg vorhanden sein, sind diese durch die Großbaustelle entstanden." Fehn und Merz appellieren an die Stadt, "mehr Bürgernähe" walten zu lassen.

Die derzeitige Situation - das Parken in der unübersichtlichen Kurve und das häufige Rückwärtsrangieren in der nur noch einspurig zu befahrenden Straße - sei gefährlich. Die Regelung zeuge "von einer nicht zu überbietenden Arroganz der Verwaltung gegenüber den Bürgern", so Armin Merz.



Kommentar: Nur Ehrlichkeit hilft

Es ist nur ein winziges Thema in einer kleinen Stadt mit einigen ziemlich großen Problemen. Warum also sollte sich die Zeitung um den Theodor-Heuss-Ring und seine Anwohner kümmern? Die Antwort: Weil die Stadt an diesem Beispiel lernen sollte, wie sie mit ihren Bürgern umzugehen hat. Ehrlich nämlich!

Das Argument des Entsorgungs- und Baubetriebs für das Parkverbot ("technische Gründe" ) mag verständlich sein. Aber warum werden die Bürger nur mit einem Teil der Informationen abgespeist, so dass sie misstrauisch werden müssen? Warum sagt die Stadt nicht klipp und klar, um welche Gründe es sich genau handelt und wer oder was sie verursacht hat. Gibt es Hoffnung auf Abhilfe oder nicht? Vielleicht hätten die Anwohner ja sogar Verständnis, wenn man ihnen die ganze Wahrheit sagen würden.