Über 7100 Kilometer weit entfernt ist Cincinnati. Um die 300.000 Einwohner hat die im späten 18. Jahrhundert gegründete Stadt in Ohio: Was sollte das über tausendjährige Bamberg mit "The Queen City" verbinden? "Aecht" Schlenkerla Rauchbier, eine Kettenbrücke nach alter fränkischer Manier und ein Messerschmidt, der mit seinem Erfindergeist möglicherweise den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entschied, wie Andreas Reuß recherchierte, der in Cincinnati auch auf einen längst verblichenen Namensvetter stieß.


Im Blickpunkt

Aber der Reihe nach, nachdem der Bamberger Autor tief schürfte, um die gemeinsame Geschichte der beiden Städte jenseits und diesseits des großen Teichs aufzuarbeiten. Angefangen bei der "Hauptsehenswürdigkeit von Cincinnati am Ohio River: der ,Suspension Bridge'". Zumal sich an diesem Gegenstück zur historischen Kettenbrücke das Panorama-Restaurant "Moerlein Lager House" befindet, das "Aecht Schlenkerla Rauchbier" bietet.

Gegründet wurde das Lokal im 19. Jahrhundert von einem Oberfranken: "Christian Möhrlein, der am 13. Mai 1818 in ,Truppach/Bavaria' als Sohn eines Schmieds mit Namen Conrad geboren wurde." Als armer Gesell kam der Emigrant in die "Neue Welt" und starb Jahrzehnte später als "millionenschwerer Braufürst". So hatte der Franke in seiner alten Heimat schon "in der Brauerei seines Onkels ausgeholfen, wenn's im Winter in der Schmiede nichts zu tun gab". Ein Grund für die heutigen Chefs des "Moerlein Lager House" neben anderen Biersorten Gerstensaft mit fränkischem Bezug anzubieten.

"Besonders in der Nacht glitzern die Lichter der Hängebrücke ins Restaurant hinein", schwärmt Reuß. Johann August Röbling, der aus Thüringen stammt, war ihr Erbauer. "In Berlin studierte er Ingenieurwissenschaften, besuchte aber auch die Vorlesungen des großen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel." Womit wir beim nächsten Bamberg-Bezug wären: "Röbling soll sogar Hegels ,favorite student' gewesen sein. Seine Gedankenwelt brachte ihn zum Aufbruch in die ,Neue Welt'." Und nachdem schon die Doktorarbeit des Ingenieurs stark von der alten Bamberger Kettenbrücke beeinflusst war, "baute Röbling nach ihrem Vorbild mehrere Hängebrücken in den USA: Allem voran die 1867 fertig gestellte Brücke von Cincinnati, die bis zum Bau der Brooklyn Bridge mit 322 Metern Spannweite die längste Hängebrücke der Welt war". 1865 hätte der Thüringer mit den Planungen für die Brooklyn Bridge begonnen, "deren Bild vor der Skyline wohl genauso berühmt wie New York selbst ist - alles beruhend auf dem Vorbild der Bamberger Kettenbrücke".



Bei Recherchen

Wie kam Andreas Reuß überhaupt auf die Idee, nach Verbindungen zwischen Bamberg und Cincinnati zu suchen? Alles begann mit einer Entdeckung, die der Franke mit Stefan Fröhling bei Recherchen zu einem gemeinsamen Buch vor Jahren machte. "Ein Gedenkstein an der Alten Kapelle zu Bad Kissingen verwies auf einen ,Andreas Reuß', der diesen Stein für seine Eltern und Schwester Gertrud gestiftet hatte. Unterschrift: ,Andreas Reuß, Piano-Fortemacher in Cincinnati, Ohio Nord=America. Gesetzt im Jahre 1836.'"

Tatsächlich handelte es sich um einen Verwandten, wie ein Vergleich der Kissinger Register mit dem Bamberger Familienstammbuch ergab. "Nach einigen Recherchen fand ich auch heraus, dass eines seiner Pianos im Smithsonian von Washington, dem größten Museum der Welt, erhalten geblieben war." Mit seiner Schwester machte sich Reuß auf den Weg in die USA, um sich das Exponat im Depot des Museums zeigen und erläutern zu lassen. "Danach gingen wir in die National Gallery und stießen auf eine Plastik Tilman Riemenschneiders, der bekanntlich das Bamberger Kaisergrab schuf."



Besuch auf dem Friedhof

Auf den Spuren des anderen Andreas Reuß fuhren die Franken von Washington aus nach Cincinnati. "Dort fanden wir den Gedenkstein, der an unseren Verwandten auf einem riesigen, parkartigen Friedhof, ungefähr sechzig Kilometer lang und ähnlich breit, erinnert." Um den Reuß-Gedenkstein herum etliche andere deutsche Namen. "Der Friedhof ist übrigens eine Hauptsehenswürdigkeit des US-Bundesstaates Ohio, zu der es auch eigens geführte Exkursionen für Ornithologen gibt."

Danach ein "Schlenkerla" an der Röbling-Brücke für die beiden Geschwister: "Wir haben's genossen, obwohl das Bier hier aus der Flasche kommt und ganze zehn Dollar kostet."


Den Bürgerkrieg entschieden

Auf noch eine ganze Reihe von Parallelen zwischen Bamberg und Cincinnati stieß Andreas Reuß, die er nun ebenfalls auf seiner Homepage abbilden möchte. Und in einer Ausstellung, deren Termin noch nicht feststeht. Auch einen autobiografischen Roman plant der Autor nach all den Recherchen. Bliebe nur mehr die Frage nach dem eingangs genannten Messerschmidt: "Ja, genau, auf den stießen wir im Museum der Deutsch-Amerikaner über ein auffällig langes Gewehr, das wir bestaunten", so Reuß. "Die Beschilderung besagte, dass es 1780 unter anderem von einem Jacob Messerschmidt aus Pennsylvania gebaut wurde." Ein Verwandter der Bamberger Messerschmitts, fragte sich der Stadtrat. "Das ist bislang aber noch unklar. Fest steht, dass genau dieses Gewehr mit seiner Treffsicherheit den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entschied."