Der niedrigste Stand der Heizölpreise seit sechs Jahren beschert den Brennstoffhändlern in Stadt und Landkreis Bamberg viel Arbeit. Gregor Fischer von Heinrich Fischer & Söhne bestätigt das: "Die Auftragsbücher sind voll." Derzeit bestünden Lieferzeiten von drei Wochen.

Das hat vor allem auch damit zu tun, dass keiner mit solch niedrigen Preisen im August rechnete: Fischer hat nicht alle Tankwagenfahrer zur Verfügung, da Urlaubszeit ist. Im April, als die Fahrer ihren Urlaub planten, habe noch keiner absehen können, was denn im Sommer passieren würde: ein Preissturz. Der Liter Heizöl liegt derzeit bei zirka 61 Cent (bei 3000 Litern Abgabemenge/Brutto-Preis) - mitten in der Urlaubszeit.


Vor einem Jahr noch gut 80 Cent

"Der Rohölpreis lässt sich nicht vorhersagen", heißt es von Benno Lieb. Bei der Firma könnte man auch im Zwei-Schicht-Betrieb das Öl zu den Kunden ausfahren, wenn sich nicht gerade ein Fahrer im Urlaub befindet. "Die Nachfrage ist da", so der Tenor aus dem Scheßlitzer Betrieb.

Dabei war das Rohöl im Januar bereits - damals wegen Währungsschwankungen - so günstig wie zu diesem Zeitpunkt. Dem Kunden wird's egal sein: Noch vor einem Jahr hat das Heizöl gut 80 Cent pro Liter gekostet. In diesem Sommer können Abnehmer gut 20 bis 25 Cent pro Liter sparen. Bei einer Abnahme von 3000 Litern sind das 600 Euro.

Viele Kunden verpassten dennoch oft den richtigen Zeitpunkt und kauften zu spät - wegen ein, zwei Cent. Meist lohne sich das aus Sicht der Experten bei Fischer und Benno Lieb jedoch gar nicht. Und auch in der kommenden Zeit blieben sie im Keller.


Notfälle werden sofort versorgt

Bei hoher Nachfrage müssen auch bei Lieb die Kunden länger warten. Doch hier wie bei Fischer heißt es: Wenn jemand dringend Öl braucht, da seine Tanks so gut wie leer sind, bekommt er das Öl auch kurzfristig geliefert.
Neben den Heizölkunden dürfen sich derzeit auch die Autofahrer weiter freuen: Das Benzin ist so billig wie lange nicht (Januar). Vor einem Jahr zahlten Autofahrer für Super-Benzin 1,46 Cent, momentan liegt der Preis gut zehn Cent darunter.


Benzin nachts und morgens teuer

Dennoch stellt der Betreiber der Total-Tankstelle in Memmelsdorf, Bringfried Schrüfer, fest: "Hamsterkäufe sind momentan noch nicht festzustellen." Auch Leser Alfred B. schreibt auf der Facebook-Seite unserer Zeitung, dass er schon immer die Strategie gefahren habe, dann zur Zapfsäule zu fahren, wenn der Kraftstoff günstig ist - egal, wie voll der Tank ist.

Der Stopp an der Zapfsäule ist eine Frage des richtigen Zeitpunkts: Das Benzin ist nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich günstig. Nachmittags und abends locken laut dem Nürnberger Tankstellenvergleichsportal clever-tanken.de die niedrigsten Preise. Spätabends ab zirka 21 Uhr und vor allem früh am Morgen schnellen die Benzinkosten auch an den Tankstellen in der Stadt und im Landkreis nach oben. Viele kleine und freie Tankstellen haben da bereits geschlossen.