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OB-Wahl in Bamberg: Redler will ans Ruder

Aus der Bamberger Allianz bewirbt sich die 37-jährige Ursula Redler um den Spitzenposten im Rathaus. Ein "weiter so" werde es mit ihr nicht geben.
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Im Rathaus sollen neue Prioritäten gesetzt werden, sagt OB-Kandidatin Ursula Redler.   Foto: Ronald Rinklef
Im Rathaus sollen neue Prioritäten gesetzt werden, sagt OB-Kandidatin Ursula Redler. Foto: Ronald Rinklef

Sie ist die Nummer acht in einer Reihe von Kandidaten, die wohl noch wachsen wird. Trotzdem lässt Ursula Redler aufhorchen. Die 37-jährige promovierte Juristin, die zusammen mit ihren Stadtratskollegen Dieter Weinsheimer, und Michael Bosch sowie mit Markus Ritter von der Bamberger Allianz in der Lokalredaktion ihre Kandidatur bekannt gibt, spart nicht an Kritik an der Stadtspitze: "Bambergs Oberbürgermeister und die Spitzen der GroKo haben uns das Ankerzentrum eingebrockt." Wohlwissend, dass es es sich um einproblematisches Abschiebelager handeln würde, habe man für zweifelhafte Geschenke ja zu einer Einrichtung gesagt, die in der Folge Bambergs Osten und die ganze Stadt seit Jahren belastet. Eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge wäre der bessere Weg gewesen. Redler weiß, wovon sie redet: Als frühere Sprecherin des Ombudsrates der Aufnahmeeinrichtung (AEO) hatte sie tiefe Einblicke in die Mechanismen des bei Linken wie Rechten gleichermaßen umstrittenen Lagers. Und als Richterin und Staatsanwältin muss sie sich mit den Folgen der Massenunterkunft herumschlagen. "Die Kriminalität in Bamberg ist stark gestiegen."

Das Resultat einer politischen Fehleinschätzung zeigt für Redler beispielhaft, was passiert, wenn machtpolitische Erwägungen die Oberhand gewinnen und Bürgernähe verloren geht. Wie oft das aus ihrer Sicht geschieht, habe sie in Sitzungen des Stadtrats, dem sie seit sechs Jahren angehört, immer wieder erlebt: "Wahlkampfgerede, persönliche Profilierung. Ich war oft einfach nur noch genervt." Was aber motiviert die Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes zur OB-Kandidatur? Eine klassische Politkarriere strebt sie nach eigenen Worten nicht an. Es gehe ihr um eine neue Prioritätensetzung in Bamberg. Dazu gehört laut Redler ein entschlossenerer Ausbau der Kita-Kapazitäten, mehr Geld für den ÖPNV, eine Verkehrspolitik ohne Missionierungsanspruch ebenso wie die neue Ausrichtung der Stadtbau GmbH. Die habe ihren Zweck, den sozialen Wohnungsbau, lange aus den Augen verloren. Auch beim "überbordenden Tourismus" will Redler auf die Bremse treten. "Wir wenden uns gegen die Total-Vermarktung unserer Stadt." Ein Dorn im Auge ist ihr der Personaleinsatz im Rathaus. "In der Pressestelle sitzen zehn Mitarbeiter, und im Allgemeinen Sozialdienst wissen sie nicht mehr, wie sie die Arbeit bewältigen sollen."

Kommentar des Autors:

Eine Stadträtin gibt Kontra

An Selbstbewusstsein mangelt es Ursula Redler nicht. Die Stadträtin der Bamberger Allianz hofft der rekordverdächtigen Kandidatenschwemme zum Trotz auf einen Überraschungscoup am 15. März 2020. So wie es 1994 Herbert Lauer gelang, auf der Plattform der Überparteilichen Bürgergemeinschaft den CSU-Bewerber auf die Ränge zu verweisen, so setzt die gebürtige Bambergerin auf die von ihr gefühlte Wechselstimmung vieler Wähler, die im Rathaus kein "Weiter so wie bisher" mehr wollen, sondern einen glaubwürdigen Neuanfang. Tatsächlich ist der 37-Jährigen einiges zuzutrauen. In der zu Ende gehenden Wahlperiode war sie keine Hinterbänklerin wie viele andere, sondern ein Aktivposten. Als Sprecherin des Ombudsrats des Ankerzentrums hatte sie keine Scheu, auch unbequeme Meinungen zu formulieren; als Richterin und Staatsanwältin ist sie nah dran an dem, was schief läuft in dieser Stadt. Ob das reicht, um die junge Frau in die Stichwahl zu tragen, wird man erst am Wahlabend wissen. Doch schon jetzt steht fest, dass die Kandidatur Redlers der Demokratie gut tut. Der Wettbewerb der Ideen kommt in Fahrt.

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