Die Bamberger sind durch das "Zelt der Religionen" schon daran gewöhnt, dass Juden, Christen und Muslime gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen. Dieses Zelt "ist ein neutraler Ort der Begegnung und des Austausches miteinander", sagt Pastoralreferent Hubertus Lieberth, Beauftragter für den interreligiösen Dialog im katholischen Dekanat Bamberg. Die am Sonntag beginnende "Woche der Brüderlichkeit" sei nun eine "ergänzende Chance, den jeweils anderen in seiner eigenen Welt, an seinem eigenen Ort zu besuchen und wahrzunehmen, und ganz unvoreingenommen einfach Gast sein zu dürfen", ergänzt Lieberth.

Er koordiniert die Veranstaltungen dieser Woche in Bamberg, die bundesweit von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verantwortet werden. Als Bamberger Besonderheit sind auch Muslime in den Programmreigen eingebunden: "In unbrüderlichen Zeiten sie wertzuschätzen, ist eine gute Gelegenheit", betont Pastoralreferent Lieberth.

Traditionell wird in dieser seit 1952 veranstalteten "Woche der Brüderlichkeit" der Fokus auf das Zusammenwirken von Juden und Christen gelegt. Die zentrale Eröffnungsfeier findet in der Frankfurter Paulskirche statt, während der auch die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen wird. In diesem Jahr wird die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK) ausgezeichnet.

Die Woche vom 5. bis 12. März steht unter dem Motto "Nun gehe hin und lerne". Es geht auf einen Ausspruch des jüdischen Schriftgelehrten Hillel zurück und verdeutlicht, dass Lernen als bleibender Auftrag zu begreifen ist. Das Motto unterstreicht, so Lieberth, dass es nicht reicht, in einmal Erkanntem und Erreichtem zu verharren, sondern diese in einem andauernden Prozess des Lernens zu vertiefen und zu erneuern: "Das gilt auch und gerade im Gespräch zwischen den Religionen."


Multireligiöse Feier

Den Auftakt in Bamberg bildet am Sonntag um 10 Uhr ein evangelischer Gottesdienst in der Auferstehungskirche (Pestalozzistraße). Am Montag, 6. März, gibt es eine multireligiöse Feier mit Grußwort der Stadt Bamberg, Schriftlesungen, Gedanken und Musik aus den drei Religionen in der Ditib-Moschee an der Coburger Straße. Um 20 Uhr lädt das Jugendcafé Immerhin (Dr.-von-Schmitt-Straße 20) zu einem Quizabend "Religionen" ein.
Hochemotional und fröhlich wird es am Mittwoch, 8. März, im Gemeindesaal der Israelitischen Kultusgemeinde (Willy-Lessing-Straße 7): Das Klezmer-Trio "Le Chajim" bietet ein Konzert Instrumentalstücke sowie Bearbeitungen von bekannten jüdischen Liedern und Ausschnitten aus Musicals.

"Es wäre schön, wenn auch Mitglieder der jüdischen und muslimischen Gemeinden an den christlichen Angeboten teilnehmen", erklärt Hubertus Lieberth gerade im Blick auf das halbstündige Morgengebet in St. Gangolf am Freitag, 10. März, um 6.30 Uhr, zumal es anschließend ein einfaches gemeinsames Frühstück im Pfarrsaal gibt. Auch weitere evangelische Gottesdienste stehen auf dem Programm: Am Sonntag, 12. März, um 9 Uhr in Buttenheim, und um 10.30 Uhr in St. Johannis Hirschaid, jeweils mit Pfarrerin Mirjam Elsel.

Interessierte sind natürlich auch zum Gottesdienst in der Synagoge (Willy-Lessing-Straße 7a) eingeladen: Die Mitfeier des Schabbateingangs mit Kurzansprache des Rabbiners beginnt am Freitag, 10. März, um 18 Uhr. Ebenfalls am Freitag, um 18.30 Uhr, kann der "Kabbalat Schabbat" mit anschließendem Kiddusch in der Gebetsgemeinschaft "Mischkan ha-Tfila" um Rabbinerin Antje Yael Deusel besucht werden (Schillerplatz 14). Den Abschluss der "Woche der Brüderlichkeit" bildet das muslimische Abendgebet in der Ditib-Moschee am Sonntag, 12. März, um 18.15 Uhr. "Das Tagzeitengebet ist ein wesentlicher Bestandteil der muslimischen Glaubenspraxis", erläutert Pastoralreferent Lieberth.