Bamberg
Aufruf

Nothelfer brauchen Hilfe

Das Seniorenbüro in der Hainstraße bietet ehrenamtliche Unterstützung von älteren Menschen in Bamberg. Der Bedarf ist hoch, und so suchen die Träger nach weiteren Helfern.
Inge Kunzmann (links) und Maria Haselmann (rechts) organisieren im Seniorenbüro Nothelfer den Einsatz von Ehrenamtlichen wie Monika Lamprecht. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Inge Kunzmann (links) und Maria Haselmann (rechts) organisieren im Seniorenbüro Nothelfer den Einsatz von Ehrenamtlichen wie Monika Lamprecht. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Drei Tage lang saß Martha Leisgang (Name von der Redaktion geändert) in ihrer kalten Wohnung. Die Heizung funktionierte nicht. Die frierende 90-Jährige wartete vergeblich auf die bestellten Handwerker. Schließlich setzte sich die betagte Dame mit dem "Seniorenbüro Nothelfer" telefonisch in Verbindung. Und das half prompt weiter: Binnen kurzer Zeit hatte ein handwerklich geschickter Helfer das Problem gelöst. Die Heizung musste lediglich entlüftet werden.

Natürlich lässt sich nicht alles so schnell regeln, was älteren Menschen Sorgen bereitet. Das räumen Inge Kunzmann und Maria Haselmann freimütig ein. Doch die beiden hauptamtlichen Managerinnen des Seniorenbüros wissen auch, dass ihre etwa 40 ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen keine Mühen scheuen, um Senioren das Leben zu erleichtern.
"Unsere Nothelfer geben alten Menschen die Chance, so lange wie möglich daheim bleiben zu können", erklärt Inge Kunzmann.

Monika Lamprecht ist eine dieser Ehrenamtlichen und schon seit 2004 dabei. Ein- bis dreimal in der Woche macht sich die 67-Jährige auf, um Hilfesuchende zum Arzt, zum Friedhof oder zum Einkauf zu begleiten oder ihnen einfach nur Gesellschaft zu leisten, wenn Angehörige etwas außer Haus erledigen müssen. "Oft laufen Hilfestellungen wie Essen eingeben nur am Rande, die Senioren brauchen mehr jemanden zum Reden", sagt Monika Lamprecht. Sie ist mit Herzblut bei der Sache und spricht von einer "erfüllenden Aufgabe": "Ich will als fitte Rentnerin nicht nur zu Hause sitzen, sondern etwas weitergeben", begründet die Nothelferin ihren Einsatz.


Empathie und Zeit mitbringen

Ihre Mitstreiter kümmern sich je nach persönlichen Fähigkeiten um Reparaturen im Haushalt, erledigen für Senioren Schreibarbeiten, füllen Formulare aus, stellen Anträge bei diversen Ämtern und Versicherungen, gehen mit ihren Schützlingen spazieren und ins Café, lesen ihnen vor oder besuchen sie im Altenheim. "Ein Helfer braucht eigentlich nur die Bereitschaft, Empathie und Zeit mitzubringen", wiegelt Anton Zahneisen mögliche Bedenken wegen vermeintlich zu hoher Anforderungen ab.

Anton Zahneisen vertritt die "Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs", die gemeinsam mit dem Kreisverband Bamberg des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Träger des Seniorenbüros ist. Michael Ruthrof, Abteilungsleiter Sozialarbeit beim BRK, führt als "kleinsten Nenner einmal in der Woche etwas Zeit" an, die jemand mitbringen sollte. Wobei jeder selbst den Wochentag festlegen könne. Es gebe sogar eine Aufwandsentschädigung von drei Euro pro Stunde, Tickets für die An- und Abfahrt mit dem Stadtbus sowie eine Unfallversicherung.


Auch Studenten

Anton Zahneisen und Michael Ruthrof wollen also weiteren Interessenten eine Mitarbeit im Nothelferteam schmackhaft machen. Denn bei dem hohen Bedarf an Unterstützung von Senioren brauchen die Nothelfer jetzt selbst Hilfe: "Wir suchen Ehrenamtliche gleich welchen Alters, es können auch Studenten sein", betonen die Trägervertreter. Wer mitmachen möchte, könne sich im Seniorenbüro melden.

Dort führen die beiden Organisatorinnen Inge Kunzmann und Maria Haselmann ein Aufnahmegespräch, in dem die Einsatzwünsche geklärt und die dazu passenden Senioren vermittelt werden. "Die Chemie muss stimmen", lautet ein Credo der Bürodamen.

Das Seniorenbüro Nothelfer befindet sich in der Hainstraße 19, Telefon 0951/9818922, Bürozeiten: Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.