Es ist eines von mehreren hundert illegalen Ferienappartements in Bamberg: Eine 50-Quadratmeter-Einliegerwohnung, wie es viele in Bamberg gibt - am Stadtrand, mitten in der Altstadt, aber auch in den Vorstadtbezirken. 300 Euro verlangt der Besitzer, der nicht genannt sein will, in einer Woche für die Zimmer. Im dazu gehörigen Haupthaus ist deutlich mehr Geld zu verdienen. Das Geschäft läuft seit Jahren sehr gut.

Die Wohnung und das Haus an Dauerbewohner zu vermieten käme für den Besitzer nicht in Frage. Ganz abgesehen von Arbeit und Ärger, den es aus seiner Sicht machen würde, etwa an Studenten zu vermieten. "Auch Ferienwohnungen werden gebraucht", sagt er. Viele der Bewohner seien Handwerker und andere Besucher auf Zeit.


Dem Wildwuchs begegnen

Petra Friedrich sieht die Sachlage nicht so entspannt. Die Stadträtin der GAL-Fraktion fordert, dass die Stadt mehr gegen den Wildwuchs bei Ferienwohnungen tut. "Bamberg benötigt dringend preisgünstigen Wohnraum für Familien und Studierende. Durch Umnutzung wird entsprechender Wohnraum verknappt und dem Markt entzogen", argumentiert Friedrich.

Der Blick auf die Zahlen scheint ihr Recht zu geben. Anfang 2016 gab die Stadt die Zahl der Ferienwohnungen in Bamberg mit 330 an. Nur eine Minderheit war genehmigt. Wie in der jüngsten Bausenatssitzung deutlich wurde, ist dieser Missstand nicht aus der Welt. Ganz im Gegenteil. Viele der durch die Sachlage überraschten Eigentümer versuchen, ihre illegalen Betriebe rein zu waschen. Stand Mai 2017 befanden sich 149 Ferienwohnungen im Genehmigungsverfahren.

Eine Kleinigkeit ist dieser Vorgang nicht. Die Behörde muss wie bei einem Bauantrag jeden Einzelfall prüfen. Eine Vielzahl von Gesichtspunkten wie etwa Brandschutz, Stellplatznachweis und auch planungsrechtliche Vorschriften geben den Ausschlag, ob eine Ferienwohnung rechtlich zulässig ist oder nicht. Trotz der Hürden ist klar: Die Mehrheit der Antragsteller kann mit einer Genehmigung rechnen. Es wird in Bamberg auch in Zukunft eine dreistellige Zahl von Ferienwohnungen geben.


Mehr als in München

Ob das nun wenig ist oder eher viel, darüber gehen die Meinungen auseinander. Im Bausenat wurde die Quote von 1,2 Prozent (Stand Anfang 2016) bei 28 000 Mietwohnungen in Bamberg als "relativ gering" bezeichnet. Der Vergleich der Zensuszahlen 2011 legt anderes nahe. Hier zeigt sich, dass Bambergs Ferienwohnungsquote deutlich über der von Touristenhochburgen wie München (0,78 Prozent) , Berlin (0,93 Prozent) oder auch Nürnberg (0,43 Prozent) liegt.

Bambergs Stadtrat ringt unterdessen noch mit sich selbst: Wie "restriktiv" soll die Politik mit dem Phänomen der Vermehrung von Ferienwohnungen, aber auch von Pensionen und Hotels umgehen? Sicher ist: Eine Zweckentfremdungssatzung, wie sie die grüne Stadträtin Petra Friedrich nach dem Vorbild der Stadt München vorgeschlagen hat, wird es in Bamberg wohl nicht geben: Sie zeichne sich durch hohen Personalaufwand und geringen Wirkungsgrad aus, urteilte die Verwaltung. In München sind derzeit 17 Mitarbeiter mit dem Vollzug dieser Satzung beschäftigt. Auf die Verhältnisse in Bamberg umgerechnet, würde dies bedeuten, dass sich zwei städtische Mitarbeiter um die Satzung kümmern müssten.

Einen kleinen Teilerfolg konnten die Befürworter von mehr Regulierung gleichwohl verbuchen: Der Stadtrat gab grünes Licht dafür, den Hebel gegen neue Touristenwohnungen beim Sanierungsrecht anzusetzen. Konkret heißt dies: Immobilienbesitzer in den Sanierungsgebieten Sand, Bamberg-Mitte und Kettenbrücke, Königstraße, Bahnhof müssen damit rechnen, dass ihre Anträge auf Umwandlung erst einmal abgelehnt werden.


Missstände verhindern

Einen Vorschlag, der in die gleiche Richtung zielt, machte Herbert Lauer von der BA-Fraktion. Sein Wunsch: Die Verwaltung soll prüfen, ob für das Gebiet des Weltkulturerbes oder Teilbereiche "unerwünschte städtebauliche Missstände" verhindert werden können, indem die Umwandlung von Wohnungen in Feriendomizile ausgeschlossen oder begrenzt wird. Ausnahmen für Ferienwohnungen sollen zudem in allgemeinen Wohngebieten nur noch dann zugelassen werden, wenn ihr Anteil an der Gesamtzahl der Wohnungen zum Beispiel fünf Prozent nicht überschreitet.

Ob das ein Weg sein kann, wird man frühestens im Herbst wissen. Dann steht das Thema Ferienwohnungen wieder auf der Tagesordnung.