"Stills" heißen in der Filmbranche Standbilder, Momentaufnahmen vom Set. Als eine etwas erweiterte Momentaufnahme vom erreichten Stand künstlerischen Schaffens möchte Norbert Kleinlein seine exakt so benamste Ausstellung im Kunstraum Kesselhaus verstanden wissen.

Denn der 1945 in Bamberg geborene und in der Zollnerstraße aufgewachsene gelernte Bildhauer sieht sich in Bewegung, auch nach etlichen Einzel- und Gruppenausstellungen, nach diversen Arbeitsstipendien in Worpswede, Italien und den USA. Dennoch sind die "Stills" in der ungeglätteten, ungeschlachten Umgebung des Kesselhauses für den Schweinfurter so etwas wie eine kleine Retrospektive. Ungemein vielseitig ist das Werk Kleinleins, der sich wie viele Bildhauer "eher als Handwerker" sieht und figürlich begonnen hat nach einem Studium der Gebrauchsgraphik und der Lehre beim Bamberger Bildhauer Robert Bauer-Haderlein. Ab 1970, als er den Wettbewerb für ein Denkmal Konrad Röntgens in Würzburg gewann, arbeitet er freiberuflich.

In vielen Genres. Nachdem er sich weit ins Abstrakte bewegt hatte, schlägt er wieder die Gegenrichtung ein und möchte "ein bisschen erzählen". Er tut das auch als Zeichner, Fotograf und Maler, stellt Installationen auf. Da ist das Kesselhaus natürlich Anregung und Herausforderung zugleich, "man muss gegen den Raum ankämpfen", sagt der Künstler. Beton und Ziegel treffen auf Holz, Stahl - und Vulkollan, eine Art dicke Plastikfolie, wie sie zur Verpackung feinmechanischer Geräte verwendet wird oder wie man sie sich als Gummischürze vorstellen könnte. Gleich am Eingang des Kunstraums stehen zwei mit dem gelblichen Material bedeckte Stühle: "Die Welt erklären" heißt die Installation. Zwei Gesprächspartner sind vorstellbar, dialektische Gegensätze. Kleinlein möchte dem Betrachter nichts vorschreiben, grundsätzlich jede Assoziation erlauben im Wechselspiel zwischen Betitelung und sich entwickelnden Gedankenspielen.

Das ist auch bei "Stille ist schwerelos" so, an der Wand verankerte Stahlplatten, die zu schweben, fliegen scheinen, wieder aufgrund der ätherischen Verwandlung durch den Kunststoff. Aber es geht auch massiver, wuchtiger. Gleich neben den scheinbar schwerelosen Platten steht eine Art Baukasten aus Stahlquadern und -platten, einfache Formen, die zum Spielen einladen. Das vielleicht zugänglichste Exponat ist "Broken
Heart", ein in der Tat dem Organ nachgebildetes Kompositum aus mehreren Metallkörpern, gleich neben dem Fragment eines Torsos, einem Bronzeguss. Massiv kommt auch "Eine Oktav tiefer" daher, die puzzleartige Platten in eine Trias aus schillernden Kugeln positioniert. Wer erkennte darin, in den drei Grundfarben, eine Auseinandersetzung mit der Goethe'schen Farbenlehre?

Ganz anders dagegen die klein- und großformatigen Zeichnungen, die den menschlichen Körper fragmentarisch zeigen, das Innere nach außen kehren. Im Keller des Ausstellungsraums wurden Leichen seziert, das ist ein - sicher unabsichtlicher - später künstlerischer Nachhall. Im kleinen Format und auf alten Papieren dann wieder Collagen, die Kleinlein "Tagebuchskizzen" nennt, ohne erkennbaren biografischen Bezug, Gefühle und Stimmungen festgehalten in Formen, die mannigfaltige Interpretationen zulassen und dies auch sollen.

Und wo bleibt das Autobiografische? Es steckt verklausuliert in zusammengezurrten Kisten an der Wand. Der Künstler erinnert sich an Bamberg-Ost in den frühen Fünfzigern, an seelenlose Kasernen, an Zinkblech, Stragula und Resopal. Die Suche nach der verlorenen Zeit einmal ganz anders.