"Ich hab' kein Auto und keinen Hubschrauber, aber essen muss ich auch." Deswegen ist der kleine Laden an der Hauptstraße für Maria Karbacher so wichtig. Ansonsten bringe ihr die Tochter das, was sie halt nicht nach Hause tragen könne, führt die 82-Jährige aus.

Auf rund 46 Quadratmetern findet sich bei Backwaren Hetzel in Burgwindheims Ortsmitte nahezu alles, was man auch in einem Supermarkt finden würde. Nur eben nicht in zigfacher Ausführung. Erstaunlich, was auf diesen 46 Quadratmetern alles an Lebenswichtigem oder Verschönerndem zusammengetragen ist. Fein säuberlich, alles komponiert nach einer Systematik, die auf kaufmännischen Erfahrungswerten basiert. Den vor Ort gewonnenen.

Im August 1980 hat Elisabeth Hetzel den Laden von Bäckersfamilie Süß übernommen, als blutjunge Unternehmerin. Heute hilft ihr an den besonders frequentierten Samstagen die Familie mit.

Welche Bedeutung dieses auf den ersten Blick unscheinbare Geschäft für die 1500-Seelen-Gemeinde hat erkennt derjenige, der sich einmal länger hier aufhält. Nachdem früh Kindergarten- und Schulkinder mit Pausen-Essen versorgt sind, trudelt danach die andere Kundschaft ein. Der Eindruck trügt nicht: Etwa 70 Prozent der Kundschaft sind über 60-Jährige. Viele, so wie Inge Beck (82) scheuen im Alter längere Autofahrten und sind froh, über eine kurze Anfahrt zu Lebensmitteln zu gelangen.

Zwar ist das Geschäft nicht offiziell als barrierefrei deklariert, aber die eine niedrige Stufe in den Laden ist relativ leicht zu meistern. Fußläufige Kundschaft kann den in der Ortsmitte und damit zentral gelegenen Laden gut ansteuern. Und wenn das nicht mehr geht? Elisabeth Hetzel bietet in manchen Fälle eine Art Bringservice, das heißt, sie nimmt nach Feierabend die eine oder andere Bestellung mit und fährt sie zu den Kunden, die sie nahezu alle mit Namen kennt. Was andere Super- und andere Märkte nicht bieten, hat Backwaren-Hetzel noch aus den guten alten Zeiten übernommen: das gelegentliche Anschreiben, wenn jemand gerade mal kein Geld dabei hat oder es noch vor Monatsende ausgegangen ist.

Der kleine Laden ist aber auch Treffpunkt und Kommunikationseinrichtung. "Hier trifft man immer mal jemanden," freut sich nicht nur Inge Beck. Karl weiß immer das Neueste und diskutiert es gerne mit der Inhaberin. Eine andere Dame bespricht das Speisemenu mit ihr, wieder ein anderer thematisiert aktuellste Sportereignisse. Konversation übers Wetter geht immer - zur Not kriegt man hier sogar einen Regenschirm oder Streusalz. Manche wollen aber auch nicht reden, sondern nur in Ruhe einkaufen. Oder sich vom Sortiment inspirieren lassen: Neben den aus Aschbach mehrmals täglich frisch gelieferten Backwaren gibt es hier Käse, Wurst, Eier, Obst, Tiefkühlkost, ein reichhaltiges Dosensortiment, Hygiene-Artikel, Getränke, Eis, Kaffee, Karten, Putzmittel, Saisonartikel - derzeit vom Kalender bis zur Kerze - gefühlt irgendwie alles in bis zu neun Etagen in den Regalen, zwei Gefriertruhen und Kühlschrank. Und was Kundschaft sonst noch möchte, wird bei entsprechender Nachfrage bestellt. Der Begriff Erlebniskauf drängt sich hier irgendwie auf.


Keine Pause

Auch weil die nicht mehr berufstätigen Menschen am Ort ihren eigenen Rhythmus haben, gibt es keine Mittagspause. Der kleine Dorfladen ist unter der Woche durchgehend von 7 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 7 bis 13 Uhr. Da muss dann die ganze Familie von Elisabeth Hetzel mithelfen.

"Wenn der Laden nicht mehr ist, haben wir ein Problem", stellt Erhard Kundmüller (68) schon jetzt fest. Die nächsten Märkte sind mindestens zwölf Kilometer entfernt. Die drei Kilometer von Oberweiler in den Kernort schafft der Rentner noch gut mit dem Auto. Nahezu täglich kauft er hier ein. Das sei wichtig, findet Bernhard Noppenberger (63). "Im Alter ist es schwierig, außerhalb Dinge zu besorgen," was er etwa bei seiner Schwiegermutter (90) erkannt hat. Er und seine Frau kommen regelmäßig. "Der Laden kann nur erhalten werden, wenn die Bürger das Angebot nutzen", steht für ihn fest. Denn dieses Geschäft "ist nur als wichtig, sondern sogar überlebenswichtig".