Jörg Hofbauer vom Internetfernsehen Bamberg TV 1 kam mit seinem Kollegen Dirk Peter am Mittwochabend gerade vom Dreh zurück. Da fiel ihm in der Schlesienstraße ein Mann mit Rucksack auf. Wenig später lief Hofbauer vom Büro nach Hause, als es auch schon knallte. Dann sah er das Feuer. "Schon wieder", war sein erster Gedanke, als ihm schon ein Autofahrer mit Lichthupe entgegenkam. Gemeinsam setzte man den Notruf ab.

Hofbauer ist fassungslos. Bestürzt. Zornig. Seit Wochen, ja seit Monaten brennt es immer wieder im Memmelsdorfer Gemeindeteil Lichteneiche.

Vor kurzem wurde eine 77-Jährige in Gewahrsam genommen, der mehrere Brände zur Last gelegt werden.

Wie Anne Höfer, Pressesprecherin am Polizeipräsidium Bayreuth gegenüber dem Fränkischen Tag bestätigt, ist die Frau weiterhin "untergebracht".

Das ist wohl auch in der Öffentlichkeit bekannt. Denn in den sozialen Netzwerken, in denen seit dem neuerlichen Brand heftig diskutiert wird, schließt man daraus, dass die Frau diesmal wohl nichts mit dem Feuer zu tun hat.

Die Polizei-Pressesprecherin mahnt indes zur Vorsicht. Sie will nicht von Brandstiftung sprechen. Es werde in alle Richtungen ermittelt, lässt sie wissen.

In großer Stärke vor Ort

Mittwochabend war die Polizei jedenfalls schnell in großer Stärke vor Ort und durchkämmte Lichteneiche. Wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, hat die Polizei ihre Überwachungsmaßnahmen hier verstärkt. Im aktuellen Fall wird dringend um weitere Zeugenhinweise zu Wahrnehmungen am Mittwochabend gebeten. Diese bearbeitet die Kriminalpolizei unter Telefonnummer 0951/9129-491.

Kurz nach 20.15 Uhr wurde jedenfalls das Feuer gemeldet: In Flammen standen für die Abholung bereitgestellte Plastiksäcken an einem Garagenhof in der Schlesienstraße, nahe der Gundelsheimer Straße. Es brannte neben einem Baum und vor einer Hecke, die dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Feuerwehren waren schnell vor Ort und löschten den Brand. Laut Polizei entstand kein Sachschaden. Fahndungsmaßnahmen nach verdächtigen Personen verliefen allerdings ohne Ergebnis.

Jörg Hofbauer hatte, als er das Feuer entdeckte, mehrere Personen wegrennen sehen. Aufgrund des Knalls waren etliche Anwohner aus ihren Reihenhäusern gekommen. Darunter viele Ältere. "Die haben Angst", sagt Hofbauer und "die wollen jetzt einfach mal ihre Ruhe haben."

"Was ist da nur los?", hat sich auch ein Feuerwehrmann gedacht, als er erneut zum Einsatz nach Lichteneiche ausrückte. "Das wievielte Mal eigentlich, vier ähnliche Fälle, fünf oder sechs?" Auf Anhieb weiß er es nicht, schätzt aber, "bestimmt eine handvoll waren es wohl ", innerhalb nur weniger Wochen. "Wenn du bei der Alarmierung hörst Lichteneiche, denkst du automatisch an die Schlesienstraße", sagt er.

Die Straße soll offenbar einfach nicht zur Ruhe kommen, mutmaßt der Memmelsdorfer Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos), der selbst in Lichteneiche wohnt. Er geht davon aus, dass es sich beim neuesten Brand um Trittbrettfahrer handelt.

"Drecksbären"

Er empfindet das Ganze als Provokation, "eines Kaspers", der gelbe Säcke anzündet. "Drecksbären bzw. feige vermummte Gestalten waren das, die man hat weglaufen sehen. Dumme Trittbrettfahrer, die andere in Angst & Schrecken versetzen wollen. Nur so aus Spaß", kommentierte Schneider noch nachts in sozialen Netzwerken. Auch am Donnerstag ist Schneider noch in Rage. Spontan lobt er persönlich 200 Euro Belohnung aus für Hinweise, die zur Ermittlung der Vermummten führen.

Enttäuscht ist der Bürgermeister darüber, dass man immer noch keine dauerhaften Bleiben für die Mieter aus dem Hochhaus gefunden hat, das nach dem Kellerbrand noch nicht wieder bewohnbar ist.

KOMMENTAR:

Das ist nur dumm!

Sie können einem echt leid tun, die Menschen in Lichteneiche. Und auch diejenigen, die wohl weit Besseres in den Abendstunden zu tun hätten, als zu Einsätzen auszurücken, die möglicherweise nur deswegen anfallen, weil üble Zeitgenossen andere schädigen oder gar in Gefahr bringen wollten.

Nachdem die 77-Jährige, der Brandstiftungen in Lichteneiche zur Last gelegt werden, weiterhin untergebracht ist, kann der jüngste Brand nicht auch auf ihr Konto gehen.

Wenn sich herausstellen sollte, dass der Müllsackbrand von Mittwochnacht auf Brandstiftung zurückgeht, sind andere dafür verantwortlich. Möglicherweise wären es Trittbrettfahrer. Doch was hat man davon? Kann man damit prahlen, Müllsäcke angezündet zu haben? Wohl kaum. Das ist einfach nur eins: dumm. Noch dümmer und obendrein strafbar ist der Aspekt, etwas vorsätzlich zu beschädigen und Menschen in Gefahr zu bringen. Und witzig oder so etwas ist es schon mal überhaupt nicht.

Wirkliche Anerkennung könnte man sich damit verschaffen, wenn man Wohnraum für 80 Menschen auftut.