Eine städtische Flüchtlingsunterkunft an der Geisfelder Straße konkretisiert sich. Ab 15. September steht der Kommune einer von drei Häuserblocks zur Verfügung, die die amerikanischen Streitkräfte bereits an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergeben haben. Es handelt sich um das mittlere der Anwesen, Hausnummer 98.

Über die beiden anderen Gebäude verhandelt die Regierung von Oberfranken gegenwärtig mit der Bima. Die Gespräche befänden sich "auf einem guten Weg", teilte Oliver Hempfling, Pressesprecher bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth, am Dienstag auf Anfrage mit: "Wir hoffen, ab dem 1. Dezember oder dem 1.
Januar 2015 dort Asylbewerber unterbringen zu können." Eine spätere Übernahme der Geisfelder Straße 98 durch die Regierung ist laut Hempfling denkbar.

Die drei Gebäude am Rand des Muna-Geländes bieten Platz für angeblich 100 bis 110 Personen. Angesichts des anhaltenden Zustroms von Asylbewerbern nach Bayern und der Zuweisung an die Bezirke und von dort an die Städte und Landkreise ist fraglich, wie lange der Platz ausreichen wird.

306 Asylbewerber in Bamberg

Auf 306 ist inzwischen die Zahl der Flüchtlinge in Bamberg gestiegen. Am 21. August, als sich der Feriensenat des Stadtrats mit der schwierigen Frage ihrer Unterbringung befasste, lebten 288 hier.

Statt mit fünf Neuankömmlingen pro Woche müsse man nun mit sieben bis neun rechnen, berichtet Ralf Haupt, der städtische Ordnungs- und Sozialreferent. Er habe die nach oben korrigierten Zahlen am Dienstag bei einem Telefonat mit Bayreuth erfahren. Demnach muss Oberfranken derzeit wöchentlich 150 Personen aufnehmen und zuweisen - Menschen aus allen Krisenherden dieser Welt, die Zuflucht in Deutschland suchen.

Die Hoffnung im Rathaus, dass die beiden großen Kirchen einspringen und Gebäude für Asylbewerber längerfristig zur Verfügung stellen würden, hat sich nicht erfüllt. Haupt: "Fehlanzeige!"

Inzwischen ist auch in dem Mietshaus in der Theresienstraße 4, das die Stadt aus ihrem Gebäudebestand kurzfristig zur Unterkunft umgewidmet hat, kein Platz mehr frei. 18 Personen leben dort: zehn aus Syrien, eine vierköpfige Familie und zwei Männer aus Georgien sowie zwei Ukrainer.

14 Plätze im alten FC-Clubhaus

Weil das Sozialreferat nach dem Willen der Stadträte nur im äußersten Notfall (wieder) auf die Jugendherberge "Wolfsschlucht" zurückgreifen oder Unterkünfte in Containern schaffen soll, ist Haupt froh um einen neuen Vorschlag aus dem Immobilienmanagement der Stadt: Es bot ihm eine Etage im alten Clubhaus des 1. FC Bamberg im Volkspark an. Die so genannte Pächterwohnung im ersten Stock steht leer. Bis zu 14 Personen könnten dort einziehen.

Matthias Zeck, Erster Vorsitzender des Nachfolge-Vereins FC Eintracht Bamberg, wurde vor wenigen Tagen informiert. Er nimmt die Entscheidung der Stadt, der das Clubhaus gehört, zur Kenntnis. Kommentieren mag er sie nicht. Die Flüchtlinge seien schlimm genug dran, gibt er zu bedenken. Und, dass den Menschen ja geholfen werden müsse.

Der Verein ist seit der ersten Insolvenz des 1. FC nicht mehr Eigentümer, sondern Mieter in seinem früheren Clubhaus. Bis der gemeinsame Neubau mit dem Schützenclub "Victoria" bezugsfertig ist, nutzt der FC Eintracht das alte Gelände weiter für den Trainingsbetrieb.

Zeck äußerte die Hoffnung auf ein gutes Miteinander der Sportler und der Flüchtlinge. Wenn beide Seiten Rücksicht nehmen muss es seiner Meinung nach keine größeren Probleme geben. Die Mitglieder wolle der Vorstand in den nächsten Tagen schriftlich informieren, kündigte Zeck an.

Info-Abend am 18. September

Die Stadt plant ihrerseits eine Informationsveranstaltung in Bamberg-Ost am 18. September um 19.30 Uhr, und zwar im Pfarrsaal St. Kunigund in der Gartenstadt. Der Oberbürgermeister greift damit einen weiteren Wunsch von Stadträten auf. Grund: Die meisten Asylbewerber leben östlich der Bahnlinie. Die größten Quartiere befinden sich an der Breitenau und an der Ludwigstraße.

Haupt hofft, dass der Platz im alten FC-Clubhaus reicht, bis er auf die Geisfelder Straße 98 zurückgreifen kann. Diese neue Unterkunft wird nach seinem Dafürhalten "noch nicht das Ende sein".